Star Wars Lebensschuld von Chuck Wendig

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Buchkritik: Star Wars: Nachspiel – Lebensschuld

Bei „Lebensschuld“ handelt es sich um den zweiten Band der Star Wars Nachspiel-Trilogie von Chuck Wendig, die die Nachwehen der Schlacht um Endor behandelt und das letzte Aufbäumen des Imperiums.

Band 1 habe ich bereits besprochen und war leider nicht wirklich überzeugt, der zweite Band nimmt jedoch an Fahrt auf, bringt alte Freunde zurück und macht tatsächlich Lust auf mehr.

Handlung kurz zusammengefasst:

Han Solo ist auf einer Mission, er ist auf der Suche nach seinem Freund Chewbacca, von dem er beim Versuch, dessen Heimatplaneten vom Imperium zu befreien, getrennt wurde. Da die Neue Republik sich nicht in einen direkten Konflikt mit den Überresten des Imperiums stürzen will, hat die Befreiung Kashyyyks erst mal keine Priorität. Solo legt daher seinen Rang als General ab und nimmt die Sache in die eigene Hand.

Währenddessen ist die Pilotin Norra mit ihrem Team bestehend aus ihrem Sohn, einem Ex-Verhörspezialisten des Imperiums und einer Kopfgeldjägerin weiterhin auf der Suche nach hochrangigen Imperialen, um sie zu verhaften und ihnen den Prozess zu machen. Doch das Imperium wartet natürlich nicht darauf, nach und nach zerlegt zu werden. Großadmiral und Anwärterin auf den Titel des Imperators, Rae Sloane und Flottenadmiral Gallus Rax planen bereits Gegenschläge und die Vernichtung der Neuen Republik. Dabei trauen sie sich gegenseitig jedoch nicht von 12 bis Mittag, da beide insgeheim die alleinige Führung des Imperiums für sich beanspruchen.

Han Solos Mission droht zu scheitern, Kashyyyk stellt sich als Falle heraus. Seine Frau Leia bittet daher Norra und ihr Team, ihm zur Hilfe zu eilen. Gemeinsam mit Solo wollen sie das Imperium endgültig vertreiben und den Planeten, der im Grunde nur noch ein riesiges Gefangenen- bzw. Sklavenlager ist, wieder für die Wookies zurückerobern. Chewbacca wird in einem Geheimgefängnis vermutet, wo auch andere politische Gefangene festgehalten werden.

Das war wirklich nur ein kurzer Abriss, es passiert noch einiges mehr und ca. das letzte Drittel des Buches habe ich aus Spoiler-Gründen komplett ausgelassen.

Meine Meinung:

Wie bereits erwähnt, konnte Chuck Wendig hier eine deutliche Schippe drauflegen. Wir lernen alle neuen Charaktere besser kennen und können uns nun auch mit Norra und ihrer Crew identifizieren. Im ersten Band war alles noch so oberflächlich, dass alle austauschbar blieben und auch problemlos jederzeit hätten sterben können, ohne dass es dem Leser was ausgemacht hätte. Die bekannten Charaktere wie Han Solo, Chewie, Leia, Admiral Ackbar, etc. haben jetzt wirklich Gewicht und spielen eine Rolle für die Story. Im ersten Band hatte man den Eindruck, man hätte hier und da mal Namen eingestreut, damit der Leser auch weiß, ja, das hier ist Star Wars.

Die Puzzleteile ergeben langsam ein Ganzes und man erkennt in dem Buch allmählich den Brückenschlag zwischen Episode 6 und 7.  Es ist spannend, den Untergang des Imperiums quasi „live“ mitzuverfolgen. Interne Machtkämpfe, unterschiedliche Ansichten zwischen Extremisten und Gemäßigten, die auch Friedensverhandlungen nicht ausschließen, gefielen mir sehr gut. Grade Großadmiral Rae Sloane ist ein sehr interessanter Charakter, starke Frauen hat man beim Imperium bislang ja auch komplett vermisst. Captain Phasma muss sich ja erst mal noch beweisen. Sloane zeigt, was sie drauf hat und dass sie auf jeden Fall ein ernst zu nehmender Gegner für die Republik ist. Sie ist auch von ganzen Herzen dem Imperium verschrieben, sieht die Rebellen als Terroristen und hat Panik, dass die Neue Republik die Ordnung des Imperiums mit Chaos ersetzen wird. Die starke Hand des Imperiums hat ihr immer ein Gefühl von Sicherheit gegeben und sie ist bereit, alles zu tun, um diese Ordnung wiederherzustellen. Hier wird auch deutlich, dass Mitglieder des Imperiums natürlich nicht denken, dass sie die Bösen sind. Sie sind fest überzeugt, das Richtige zu tun und die Galaxie vor sich selbst zu schützen. Dieses Grundbedürfnis nach Sicherheit, für die man auch Freiheit aufgibt, erleben wir ja selbst, wenn wir uns aktuelle politische Entwicklungen anschauen. Lieber mehr Polizei, lieber mehr Überwachung, lieber mehr Einschnitte in Bürgerrechte, Hauptsache vermeintliche Sicherheit.

Natürlich sympathisiert man nicht mit diesen Leuten, aber man versteht sie zumindest und das ist für mich als Leser sehr wichtig. Wenn mir Motive von Charakteren fadenscheinig erscheinen, vermiest mir das eine Geschichte sehr schnell.

Insgesamt macht das Buch auf jeden Fall Spaß und man bekommt direkt Bock, Band 3 zu lesen und zu erfahren, wie es mit dem Imperium letztlich zu Ende geht und was daraus entsteht. Armitage Hux, der Führer der First Order, wird in dem Buch bereits erwähnt. Er ist hier aber noch ein schwächlicher Junge, der im großen Schatten seines Vaters steht, der imperiale Kadetten ausbildet. Hier würde ich mir fast wünschen, dass Hux später mal ein eigenes Buch bekommt. Da die Bücher natürlich auch kanon sind, könnten wir vielleicht auch mal Rae Sloane auf der großen Leinwand sehen. Würde ich sehr begrüßen.

Also Fazit: Das Buch lohnt sich, dafür muss man sich auch mal durch den schnöden ersten Band kämpfen. Star Wars Fans sollten auf jeden Fall reinschauen, um die Lücke zwischen Episode 6 und 7 zu schließen.

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