Buchcover

© Panini

Buchvorstellung: Star Wars – Blutlinie

Heute möchte ich euch ein Buch vorstellen und durchaus auch ans Herz legen: Star Wars – Blutlinie von Claudia Gray.

Das Buch gehört zu den noch recht überschaubaren Titeln des offiziellen Kanons. Den Unterschied zwischen diesem und den alten Expanded Universe-Geschichten hab ich euch ja bereits hier erklärt: Star Wars: Kanon vs Legenden und was Disney damit zu tun hat

Worum gehts im Buch?

Das Buch spielt nach Episode 6 und der letzten großen Schlacht der Rebellen gegen das Imperium. Der Todesstern ist zerstört, das Imperium in die letzten Winkel der Galaxie zerstreut und es herrscht seit einigen Jahren nun vermeintlich Frieden. Die Neue Republik ist jedoch gespalten und hat große Schwierigkeiten, politische Entscheidungen zu treffen. Wir haben zwei Lager im Senat. Die einen sind der Meinung, die Galaxie solle zentral von einer Regierung aus gesteuert werden, die andere Fraktion, der auch Senatorin Leia Organa angehört, vertritt die Auffassung, die einzelnen Planeten und Systeme sollten sich weitestgehend autonom selbst regieren können. Diese Streitigkeiten führen dazu, dass oftmals einfach überhaupt nichts passiert und sich die beiden Parteien gegenseitig blockieren. Als dann eine Senatorin der Zentralisten beantragt und damit letztlich Erfolg hat, über die Wiedereinführung eines neuen „starken Mannes“ im Staat abzustimmen, kippt die Situation. Hat man wirklich nicht aus der Geschichte gelernt und will einen neuen Imperator einsetzen? Um dies zu verhindern, entschließt sich Leia Organa, selbst für den Posten zu kandidieren. Das politische Gleichgewicht ist zudem durch Unterweltbosse gefährdet, die ein gefährliches Spiel zu treiben scheinen und auch vor extremer Gewalt nicht zurückschrecken. Ausgerechnet mit einem Vertreter der politischen Gegner und Bewunderer des Imperiums macht sich Leia auf den Weg, diesen neuen Widersacher ausfindig zu machen.

 

Mein Eindruck:

Mir gefiel das Buch sehr gut. Ich muss gleich dazu sagen, ich habe es im Original gelesen und kann nichts zur deutschen Übersetzung sagen.

Ich versuche, möglichst spoilerfrei zu bleiben. Das Buch beleuchtet jedoch neben dem beschriebenen Konflikt auch Leias Beziehung mit Han Solo, die zu diesem Zeitpunkt noch sehr harmonisch wirkt. Ihr Sohn Ben Solo ist zu dem Zeitpunkt ca. 10-12 und bereits bei seinem Onkel Luke Skywalker in Ausbildung. So viel zur zeitlichen Einordnung in Relation zu Episode 7. Über Ben Solo wird auch nur gesprochen, er kommt selbst nicht vor. Ich fand es sehr schade, Han und Leia in Episode 7 bereits getrennt zu sehen, daher gefiel es mir, die Zeit vorher noch „erleben“ zu können. Die beiden waren nunmal DAS Paar in Star Wars und so gar nichts aus den glücklichen Jahren mitzubekommen, fand ich schade. Dieses Buch füllt für mich da einfach eine Lücke.

Die Dynamik zwischen Leia und ihren Konterpart Ransolm Casterfo ist sehr spannend. Anfangs sind sie zwei komplette Gegenpole. Casterfo bewundert das Imperium für seine Stärke und wünscht sich ähnliche Strukturen zurück. Leia als ehemalige Rebellin, die ihr Leben für Freiheit und Demokratie riskiert hat, nimmt diese Einstellung als persönlichen Affront. Dennoch müssen beide losziehen und einen gemeinsamen Feind bekämpfen. Es ist kein Spoiler, wenn ich sage, dass die beiden sich nach und nach verstehen lernen. Ransolm ist dabei auch gut geschrieben. Er ist kein reaktionärer „Nazi“, der das faschistische Regime wieder will, er will nur die Entschlossenheit und Stärke, würde diese aber gerne in den Händen eines weisen Führers sehen, der das Wohl der Galaxie im Sinn hat. Als recht junger Bursche, der vor allem das Chaos einer nicht funktionierenden Republik miterlebt hat, wünscht er sich einfach eine Regierung, die Probleme anpackt, statt sie tot zu diskutieren und am Ende doch nicht zu handeln. Geschichte neigt dazu, sich zu wiederholen. Nach dem Fall des absolutistischen Regimes hat man eine nicht funktionierende Demokratie und wünscht sich einen Führer zurück. Man denkt automatisch an die Weimarer Republik.

Der Wiedersacher, der Boss eines Gangsterkartells wirkt leider eher blass im Vergleich zu einem Jabba oder anderen Hutten. Er versucht, auf charismatisch und wortgewandt zu machen, aber ich weiß nicht mal mehr seinen Namen. Ist auch unerheblich, er ist Mittel zum Zweck für die Geschichte. Auch andere Charaktere kommen teilweise etwas kurz, Leia und Ransolm sind die beiden Protagonisten. Wie beschrieben funktioniert das auch weitestgehend, jedoch würde man über manche Charaktere schon gern etwas mehr erfahren.

Fazit:

Für alle Star Wars Fans, die sich fragen, was in der langen Zeit zwischen Episode 6 und 7 passiert ist, ist dieses Buch ein guter Anfang. Teilweise war in Episode 7 nicht mal klar erkennbar, wie die aktuellen Machtverhältnisse sind. Wie stark ist die First Order, hat sie die Republik schon lange militärisch wieder übertroffen und mehr Systeme unter Kontrolle? Hat die Republik überhaupt Fuß fassen können nach dem Tod von Palpatine und Vader? Das kam alles etwas kurz. Wir sehen nur, wie die Republik ziemlich klar von der Bildfläche gepustet wird. Mit dem Buch wissen wir jetzt, was tatsächlich ablief, warum überhaupt wieder eine First Order entstehen konnte und wie die Stimmung in der Galaxie war. Es ist auch spannend, das Ben Solo hier noch der kleine Junge ist, der zum Jedi ausgebildet wird und noch zwei sich liebende Eltern hat. Es macht Lust auf mehr, man will wissen, was passiert als nächstes? Wie schafft es die First Order, wieder so massiv Ressourcen und „Menschenmaterial“ zu beschaffen? Was kommt zwischen Han und Leia? Welche Auswirkungen hat die Geschichte des Buches am Ende auf die Entwicklung von Ben Solo, der später die Knights of Ren anführen und rechte Hand des Supreme Leader Snokes wird. Ich hoffe, dies wird in weiteren Büchern aufgegriffen und fortgeführt.

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