Mclovin, Seth und Evan in Superbad

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Dicke Eier, Geburtstagsfeier: 10 Jahre Superbad!

Nichts macht einem bewusster, wie alt man ist, als Jubiläen der eigenen Lieblingsfilme. So auch mit Superbad, wo ich mir dachte „Fuck, 10 Jahre ist der jetzt schon alt?“. Doch statt angesichts der eigenen Vergänglichkeit nun in Melancholie zu verfallen, feiern wir einen der besten Comedy-Filme der 2000er. Superbad ist nichts für Leute, die zum Lachen in den Keller gehen oder denen die Schamesröte ins Gesicht steigt, wenn sie die Worte „Ficken“ oder „Pussy“ hören. Denn davon bekommt man in Superbad mehr als genug. Wem die ersten Minuten schon krass vorkommen, sollte gar nicht erst weitergucken, es wird nur schlimmer. Oder besser. Je nach Standpunkt.

Der Film wurde geschrieben von Seth Rogen und Evan Goldberg, die wohl eigene Erlebnisse haben einfließen lassen. Die Hauptcharaktere sind sicher nicht umsonst nach ihnen benannt.

Worum gehts in Superbad?

Die Story von Superbad ist recht schnell erzählt. Seth (Jonah Hill) und Evan (Michael Cera) sind seit Kindheitstagen die besten Freunde und gehen zusammen zur Highschool. Doch diese Tage nähern sich dem Ende, der Schulabschluss naht, danach gehts aufs College. Daraus ergeben sich zwei Probleme: Zum einen sind die beiden nicht von der selben Schule angenommen worden, sie werden also erstmals seit wahrscheinlich einer Dekade getrennte Wege gehen müssen. Bisher waren sie Arsch auf Eimer, jetzt müssen sie die Nabelschnur durchschneiden. Außerdem wollen sie nicht aufs College gehen ohne vorher nochmal sexuelle Erfahrungen gesammelt zu haben, denn auf dem College wird (ihrer Meinung nach) erwartet, dass man mittlerweile raus hat, wie alles funktioniert und einfach gut im Bett ist. Also müssen jetzt noch schnell Freundinnen her, mit denen man über die Sommerferien „trainieren“ kann. Glücklicherweise findet abends eine Party statt, auf der auch die beiden Favoritinnen von Seth und Evan, Jules und Becca, sein werden.

McLovin, 25jähriger Organspender aus Hawaii

Da ihr Kumpel Fogell (Christopher Mintz-Plasse) großspurig verkündet hat, sich einen falschen Ausweis zu besorgen, verspricht Seth seiner Jules (Emma Stone), dass er Alk für die Party besorgen wird, was ihn natürlich zum Helden machen und ein Stück näher an Jules Höschen bringen würde. Der Plan scheitert jedoch, Fogel, der jetzt dank schlechtem Falschausweis McLovin heißt, landet am Ende in einem Streifenwagen und erlebt mit den beiden kiffenden und saufenden Cops (Seth Rogen und Bill Hader) sein eigenes Abenteuer. Seth und Evan müssen sich nun jedoch anderweitig Alk besorgen.

Meine Meinung

Die Story klingt ja erst mal nicht spektakulär, ist sie auch nicht. Viel mehr als ein American Pie finden wir hier nicht, im Grunde ist die Prämisse sogar die Gleiche. Nochmal paar Mädels flachlegen, bevor es ins College geht. Während American Pie aber eben den Fokus aufs Klarmachen von Mädels legt, ist hier die Odyssey durch die Stadt auf der Suche nach Alkohol im Mittelpunkt. Doch letztlich ist die Story auch egal, sie bietet nur den Charakteren eine Aufgabe, an der sie sich abarbeiten können.

Seth und Evan tragen ganz klar den Film. Jonah Hill und Michael Cera spielen ihre typischen Rollen. Jonah Hill ist das Großmaul, dass die krassen Sprüche raushaut, Michael Cera ist der socially awkward und schüchterne Nerd. Doch gerade, was Jonah Hill hier teilweise raushaut setzt die Messlatte dermaßen hoch, dass er in seinen Nachfolgefilmen wie z.B. War Dogs geradezu zahm wirkt. Der Film bietet so viele zitierwürdige Sprüche, dass es mir schwerfällt, hier einen rauszupicken. Jedenfalls empfehle ich, den Film im Original zu schauen, auf deutsch kann gar nicht rüberkommen, was er da so abfeuert. Da fällt eine F-Bombe nach der anderen, Pussy, Schwänze und Brüste sind Dauerthemen. Zu Seths Obsession mit Schwänzen gibt es auch eine absolut geniale Rückblende mit ihm als Kind.

Einige Darsteller haben mit diesem Film erst richtig ihre Karriere gestartet. Jonah Hill hat man schon in einigen anderen Komödien in kleinen Rollen gesehen, Michael Cera kannte man vor allem als George Michael in Arrested Development. Doch mit diesem Film sind sie richtig durchgestartet. Christopher Mintz-Plasse war vorher komplett unbekannt und wurde als McLovin fast schon zur Nerd-Ikone. Emma Stone ist mittlerweile bestbezahlte Schauspielerin. Ziemlich großer Sprung von Jonah Hills Trainingspussy zu Nummer 1 in Hollywood. Hier hat man beim Casting einfach ein gutes Auge gehabt und rohe Diamanten ausgegraben, deren Comedypotential einfach enorm ist.

Für mich steht in dem Film ganz klar die Beziehung zwischen Seth und Evan im Mittelpunkt. Die beiden sind ein eingespieltes Team, hauen sich gegenseitig die Sprüche um die Ohren und sind einfach untrennbar. Gegen Ende bekommen wir auch eine Szene, die Bromance in seiner reinsten Form ist. Doch letztlich wirds dann doch Zeit, erwachsen zu werden und eigene Wege zu gehen. Das präsentiert der Film jedoch in einer Form, die nicht traurig stimmt. Die Abnabelung ist gelungen.

Der Film zeichnet sich durch ein ausgezeichnetes Skript mit wahnsinnig witzigen Dialogen aus, die Darsteller können diese auf den Punkt abliefern. Die immerhin zwei Stunden werden nie langweilig, eigentlich hätte man gerne noch mehr gesehen. Ich würde mich nicht als Seth Rogen Fan ansehen, aber hier hat er einfach eine fantastische Teenie-Komödie abgeliefert, die teilweise schon wieder zu krass für Teenies ist. Doch zwischen all den Pussies und Schwänzen, Kiffen und Kotzen findet sich einfach so viel Herz, dass man den Film eigentlich mögen muss, egal wie prüde man sein mag.

Anlässlich des 10. Geburtstages kann ich gar nicht anders als dem Film die volle Wertung zu geben:

10 von 10 erregierte Schwänze

Ein Gedanke zu „Dicke Eier, Geburtstagsfeier: 10 Jahre Superbad!

  1. Nun ja. Viel Luft nach oben ist ja nicht mehr bei einer Wertung von 10. Aber das geht schon in Ordnung. Ich habe ja selbst meinen Lieblingsfilm „The Big Lebowski“ eine Höchstwertung zu kommen lassen.
    Natürlich spielen diese beiden Filme nicht im selben Stadion – nicht mal in der selben Liga.
    Aber tuen wir mal kurz so, als würde ich keine Fakten aufzählen, sondern lediglich meine subjektive Meinung anführen. (Frotzelei Ende)
    Vielleicht spielen beide Filme tatsächlich in der selben Liga und im selben Stadion.
    Dann aber würde der Film trotzdem meiner Meinung nach gegenüber TBL verlieren.
    Denn die Story ist schon ein wenig dünn. Aber Steven hat das ja auch schon eingeräumt – sie ist lediglich Plattform für pubertäre Witze, die aber erstaunlich gut zünden. Ich stehe eigentlich nicht auf Titti-Kacka-Humor von sackhaarlosen Protagonisten, aber der Film macht Spaß und man wird wirklich gut unterhalten.
    Auch der Fremdschämfaktor wird ausreichend bedient. Christopher Mintz-Plasse wirkt fast ikonisch in diesem Bereich. Man denkt dauernd, dass das Maximum des Fremdschämes erreicht ist – und wird kurze Zeit später eines besseren belehrt. Und diese drei Looser sind halt grundsympathisch, was den Film halt auch so gut funktionieren lässt.
    Und wie bei allen guten Comming of Age Filmen findet dann doch auch eine Entwicklung der Hauptfiguren statt, denn die Erfahrungen, die die drei machen, lassen sie in einen Reifungs- bzw. Abnabelungsprozess einmünden, der am Ende des Filmes weder pathetisch noch schwülstig dargestellt wird.
    So hat der vordergründige Schenkelklopfhumor des Filmes letztendlich eine unvermutete Tiefe, der den Film beispielsweise von Filmen wie ‚American Pie‘ angenehm unterscheidet.

    Wer es übrigens noch abgefahrener, schräger und absurder braucht, sei ‚Napoleon Dynamite‘ empfohlen.
    Im Vergleich mit Don Heger wirkt Christopher Mintz-Plasse fast schon wie ein Everbodys Darling mit Sport-Stipendium. Es geht also noch schräger, absurder, abgefahrener!
    Obendrein hat dieser Film die vermutlich beste Tanzszene, ever.
    Aber Vorsicht: Wirklich nur für Nerd-Fremdschäm-Profis.

    Mein Tipp also für einen konventionensprengenden Ablachabend mit Freunden:
    Zum Warmwerden ‚Superbad‘ anschauen, um dann mit ‚Napoleon Dynamite‘ in die ungepflegten Untiefen der vermeintlichen Niveaulosigkeit abzutauchen.
    Loosers for Winners!
    Wem es dann immer noch in die Tiefe zieht, dem sein als Betthupferl ‚Die Bettwurst‘ empfohlen.
    Aber da fliegen einem bereits die Bolzen im metaphorischen U-Boot des Abtauchens entgegen.
    Nüchtern ist das kaum auszuhalten. Da ist der Trash-Faktor dann im tiefroten Bereich.
    Alkohol und/oder andere psychoaktiven Substanzen sind da fast schon Pflicht um die geistige Gesundheit zu schützen.

    Meine Wertung:
    Superbad: 9.2/10
    Napoleon Dynamite: 9.5/10 (weil noch mutiger)
    Die Bettwurst: x/10 (außerhalb seriöser Wertung)

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