Watch Dogs Aiden Pearce and Marcus Halloway

© Ubisoft

Die Watch Dogs Spiele: Besser als ihr Ruf

Ich möchte heute mal eine Lanze brechen für die Watch Dogs Spiele, die leider unter einem schlechten Ruf leiden und auch weit weniger erfolgreich waren als sie es verdient hätten. Daran trägt natürlich Ubisoft maßgeblich selbst schuld, da sie bei der E3 extrem aufpolierte Videos vom ersten Teil gezeigt haben, die mit der Realität wenig zu tun haben. Solche Downgrades ist man mittlerweile bei Ubisoft gewohnt, damals war es jedoch schon ein kleiner Skandal, wenn man das fertige Produkt mit der damals versprochenen Grafikpracht verglichen hat.

Viele haben dem Spiel dann direkt eine Abfuhr erteilt und, meiner Meinung nach, durchaus was verpasst. Doch mittlerweile bekommt man beide Teile oft spottbillig. Teil 1 kriegt man für nen 10er rum, Teil 2 für 20-30 Euro. Dafür lohnen die Spiele definitiv. Ich schreibe hier jetzt keine großen Reviews, die findet ihr zu Haufe im Netz. Ich geh nur kurz drauf ein, warum sich ein Anspielen lohnt.

Hintergrund

In der Welt der Watch Dogs Spiele hat ein Software-Konzern namens Blume ein universelles Betriebssystem erschaffen, das fast alles steuert. Von der Überwachungskamera bis hin zur Ampelanlage und gar jedem einzelnen Rechner und Smartphone ist alles von ctOS gesteuert. Man stelle sich vor, ein Hacker hätte eine Hintertür zu diesem Betriebssystem. Was könnte der alles anstellen… Die Spiele sind Open World Spiele im Stile von Grand Theft Auto. Besonderheit sind die Hackerfähigkeiten der Protagonisten, mit denen man seine Umwelt beeinflussen kann.

Watch Dogs

Im ersten Teil spielt man Aiden Pearce, einen Hacker, der seinen Lebensunterhalt damit verdiente, Konzerne und Konten zu hacken. Damit macht man sich natürlich wenig Freunde und bei einem Angriff auf ihn während einer Autofahrt kommt seine Nichte ums Leben, die hinten auf dem Rücksitz saß. Aiden will nun Rache an den Hintermännern, gleichzeitig ist man jedoch auch hinter seiner Familie her. Um die Drahtzieher zur Strecke zu bringen und seine Familie zu schützen, kann Aiden seine Hackerfähigkeiten einsetzen.

Das Spiel ist insgesamt recht düster, Aiden Pearce leider nicht der sympathischste oder charismatischste Charakter. Das ist wohl auch die Hauptschwäche des Spiels. Insgesamt macht es dennoch Spaß, nach und nach Aidens Fähigkeiten auszubauen, immer mehr Dinge hacken und auch größere Gegnerwellen ausschalten zu können. Die Story spielt in Chicago und man kann einige Sehenswürdigkeiten besuchen. Die Kulisse ist insgesamt jedoch eher trist. Im Grunde kann man verstehen, warum viele angepisst waren, nachdem sie erste Trailer gesehen haben, die weit schöner aussahen. Anfangs hatte das Spiel wohl auch noch einige Bugs, schlechte Fahrphysik und viele andere Probleme. Die sind mittlerweile alle behoben und für den kleinen Preis, den das Spiel jetzt noch kostet, ist es auf jeden Fall einen Blick wert. Ich kann hier auch den DLC absolut empfehlen, hier schlüpft man in die Rolle eines anderen Charakters, den Aiden im Laufe des Spiels kennenlernt. Raymond Kenney ist ehemaliger Blume-Mitarbeiter, sieht aus wie Rob Zombie und ist einfach ne coole Sau. Hätte man das Hauptspiel mit ihm gespielt, wäre es wahrscheinlich erfolgreicher gewesen.

Watch Dogs 2

Watch Dogs 2 ist leider ziemlich gefloppt. Zum einen kamen im gleichen Zeitraum einige andere Hochkaräter raus, zum anderen waren viele sicher immer noch skeptisch, ob es hier wieder so ein Blendwerk gibt wie im ersten Teil. Dazu muss man ganz klar sagen: NEIN. Das Spiel ist grafisch top, schlägt einen ganz anderen Ton an als sein Vorgänger und ist einfach ein sehr gutes Spiel.

Dieses Mal sind wir als Marcus Holloway in San Francisco unterwegs und arbeitet für die Hackergruppe Deadsec. Marcus ist ein weit sympathischerer Typ als Aiden Pearce und ist auch nicht auf Rachemission. Viel mehr ist Deadsec so eine Art Anonymous und stellt sich gegen Überwachung und Datenmissbrauch durch die Firma Blume. Diese nutzt ihr Betriebssystem natürlich, um Daten aller Nutzer zu sammeln. Mit dieser Anarchotruppe, zu der später auch der bereits erwähnte Raymond Kenney stößt, hat man einfach Spaß und macht jede Menge Unsinn. Ziel ist es, möglichst viele Anhänger über soziale Medien zu sammeln, deren Endgeräte man dann nutzen kann, um einen koordinierten Angriff auf Blume zu starten.

Die Stadt wirkt viel lebendiger, San Francisco ist bunt, hell und voller schräger Typen. An jeder Ecke gibt es was zu sehen und zu entdecken. Marcus hat weit mehr Hackermöglichkeiten und Spielzeuge zur Verfügung und kann z.B. mittels Drohne seine Umgebung erkunden, Dinge aus der Entfernung hacken, usw. Man kann vor Sehenswürdigkeiten Selfies schießen und einfach seinen Schabernack treiben. In Teil 2 sind jetzt nämlich auch alle Fahrzeuge mit ctOS ausgestattet und können gehackt werden. Paar Klebebomben an ein Auto packen und es dann ferngesteuert in eine belebte Kreuzung steuern? Warum nicht? Diese neuen Fähigkeiten ermöglichen aber nicht nur solche Spielereien, sondern lassen auch ganz neue Herangehensweisen für die Missionen zu. Man kann in ein Gebäude eindringen und alles killen, was einem über den Weg läuft oder man schickt das kleine, ferngesteuerte Auto rein und hackt damit den Computer im Büro des Bosses. Man kann das Spiel weitestgehend ohne Todesopfer durchspielen oder halb San Francisco zusammenschießen.

Resumée

Hier zeigte sich bei mir auch ein interessanter, psychologischer Effekt. Im ersten Teil ist Aiden Pearce halt eh so ein unsympathischer Lappen, dass ich wenig Hemmungen hatte, auch kleine Wachleute oder Polizisten über den Haufen zu schießen. Marcus dagegen ist ein netter, fröhlicher Typ und ich hab eigentlich immer versucht, Leute eher durch Anschleichen und Überwältigen auszuschalten. Im Grunde das gleiche Spiel mit gleichen Mechaniken, aber der Hauptcharakter hat direkten Einfluss auf meine Spielweise. Oft denkt man, der Charakter sei nur ein Avatar und man spielt eh immer sich selbst. Das stimmt nicht, es macht einen Unterschied, wen man spielt und welchen Hintergrund er hat.

Teil 2 hat bisher zwei große DLCs mit neuen Storymissionen, Ubisoft liefert aber auch ständig neue Features und Inhalte. Angesichts der mauen Verkaufszahlen definitiv löblich, hier noch so viel Arbeit zu investieren. Beide Spiele bieten übrigens auch Online-Features, aber ich habe diese nie genutzt. Ich hatte keinen Bock, andere Spieler zu hacken oder dass mir andere Spieler auf den Sack gehen. Es gibt jedoch auch Missionen, die man online mit Freunden spielen kann. Das macht sicher schon mehr Spaß, aber ich hab beide Spiele komplett solo gespielt.

Fazit: Watch Dogs 2 ist ein fantastisches Spiel, das nie den Erfolg hatte, den es verdient hätte. Hier gibt es von mir ohne Einschränkungen eine absolute Kaufempfehlung. Teil 1 ist im direkten Vergleich dagegen etwas trist und halt bierernst. Die Leichtherzigkeit von Teil 2 fehlt hier noch völlig. Gut, dass Ubisoft seine Lehren daraus gezogen und den zweiten Teil bunter und witziger gestaltet hat. Dennoch würde ich Teil 1 jedem empfehlen. Wie gesagt, man kriegt es für richtig kleines Geld und auch wenn es vielleicht nicht mit einem GTA 5 mithalten kann, bekommt man hier viel Spaß für sein Geld. Teil 2 dagegen muss sich nicht vor GTA verstecken.

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