Judge Dredd vs Dredd: Guilty Pleasure vs Kultfilm

Heute mach ich mal ein Fass auf und spreche über zwei Filme, die mir sehr am Herzen liegen: Die Judge Dredd Filme mit Stallone und Karl Urban. Ein Comicheld, zwei Filme, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Kitschiger Trash einerseits, knallharte Action andererseits. Doch welcher ist besser? Kann man die beiden überhaupt vergleichen? Finden wirs raus!

Zunächst ein kleiner Exkurs:

Wer ist Judge Dredd?

Judge Joseph „Joe“ Dredd ist der Protagonist in der britischen Comic-Anthologie 2000 A.D., in der er seit der zweiten Ausgabe von 1977 vorkommt, sowie im Comic-Magazin Judge Dredd Megazine.

Die Welt von Dredd ist durch Atomkriege, Katastrophen und Umweltverschmutzung gezeichnet und größtenteils unbewohnbar. Die Menschen zwängen sich daher in einige wenige Megacities. Judge Dredd lebt und arbeitet in Mega-City-One zusammen mit ca. 400 Millionen Menschen.

Diese völlig überbevölkerten Städte sind von Kriminalität geplagt und das Justizsystem war überfordert. Daher führte man Judges ein. Diese vereinen in sich Polizist, Richter und im Extremfall Henker. Verbrecher werden bei Festnahme direkt verurteilt und das Urteil vollstreckt. Die Urteile sind generell drakonische Strafen, oftmals erfolgt auch die Todesstrafe, die direkt vollstreckt wird.

Dredd ist eben einer dieser Judges und patroulliert die Straßen von Mega-City-One mit seinem Motorrad „Lawmaster“. Standardausrüstung aller Judges ist eine Pistole mit verschiedenen Munitionstypen namens „Lawgiver“, die per Sprachbefehlen die Munition wechselt und per DNA-Analyse nur von dem jeweiligen Judge benutzt werden kann. Charakteristisch ist zudem der ikonische Helm, der das halbe Gesicht verdeckt. In den Comics sieht man Dredds Gesicht nie. In den Filmen ist es etwas anders, doch dazu später mehr. Ich bleibe bei der Beschreibung der Filme spoilerfrei.

Die Verfilmungen

Judge Dredd (1995)

In der ersten Verfilmung von 1995 spielt Sylvester Stallone Judge Dredd. Alleine dadurch war dem Film schon ein gewisser Kassenerfolg gewiss. An seiner Seite spielen noch Rob Schneider als kleinkrimineller Sidekick, Diane Lane als Judge Hershey und Armand Assante als Widersacher und in Ungnade gefallener Judge Rico.

Letzterer ist für Morde verurteilt worden und sitzt in einem Hochsicherheitsgefängnis. In Mega-City-One nehmen derweil die Verbrechen stetig zu, immer mehr Judges fallen Angriffen und Anschlägen zum Opfer. Der hohe Rat überlegt daher, ein Klonprogramm neu zu starten und massenhaft Judges zu züchten, um der Lage Herr zu werden. Chief Justice Fargo lehnt dies jedoch ab. Sehr zum Unmut von Judge Griffin, der nun seine eigenen Pläne schmiedet, das Programm doch noch durchzusetzen und sich so eine Armee loyaler Judges zu schaffen.

Rico schafft es nun, aus dem Knast auszubrechen, offensichtlich durch die Hilfe eines Außenstehenden, der ihm eine Waffe zukommen lässt. Auf freiem Fuß hat Rico nur Rache an Judge Dredd im Sinn, der sein ehemaliger Partner und bester Freund war, ihn jedoch verhaftet und verurteilt hat, als er unschuldige Menschen getötet hat.

Nach dem Mord an einem Journalisten, der bekannter Kritiker des Systems, vor allem Judge Dredds ist, wird Dredd verdächtigt und auch verurteilt. Um seine Todesstrafe abzuwenden, legt Chief Justice Fargo sein Amt nieder, was ihm erlaubt, ein letztes Gesuch vor dem Rat durchzusetzen. Er bittet, Dredds Leben zu verschonen, so dass dieser „nur“ lebenslang ins Gefängnis kommt. Fargo tritt derweil seinen letzten Marsch an und wandert ins Ödland, um den Gesetzlosen das Gesetz zu bringen. Dies ist Tradition für alle scheidenden Chiefs.

Dredd muss nun selbst ausbrechen, vom Jäger zum Gejagten werden und sowohl vor seinen ehemaligen Kollegen fliehen als auch Rico davon abhalten, Chaos und Zerstörung über Mega-City-One zu bringen.

Meine Meinung:

Viele, auch ich, werden den Film als ziemlichen Trash ansehen. Aber ich liebe diesen Trash. Als der Film ins Kino kam, war ich grade 12/13 und Stallone war eigentlich Grund genug, mein Ticket zu kaufen und mich mit nem Eimer Popcorn in den Kinositz zu knallen.

Der Film ist von vorne bis hinten kitschig und mit grenzwertigem Humor versetzt. Für letzteren ist vor allem Rob Schneider zuständig, der als dümmlicher Kleinkrimineller Dredd widerwillig unterstützt. Man kann über Schneider sagen, was man will, aber ich mag den Kerl. Er spielt einfach den liebenswerten Idioten perfekt, spielt ihn ja auch in all seinen Filmen. Sein Humor ist infantil und etwa auf dem Niveau seines besten Kumpels Adam Sandler. Aber mir war er immer weit sympathischer und ich freu mich bis heute, wenn ich den Kerl irgendwo in einem Film entdecke. Ich glaube, so viel wurde über Rob Schneider wahrscheinlich seit 10 Jahren nicht mehr geschrieben 😉

Jedenfalls ergeben Stallone und Schneider zusammen ein Paar im typischen Odd-Couple-Stil. Dredd superernst, null Humor, immer Mundwinkel nach unten. I AM THE LAW! Schneider der kleine schmächtige Depp, der dumme Sprüche reißt und von einem Fettnäpfchen ins andere tritt. Für mich funktioniert das. Natürlich alles mit nostalgischer Verklärung, würde der Film heute rauskommen, würde ich wohl anders drüber denken. Aber so ist er Teil meiner Jugend und absolutes Guilty Pleasure für mich.

Ich mag das Design im Film. Mega-City-One ist beeindruckend, dreckig, widerlich. So wie es sein soll. Die Uniform von Dredd wurde von Gianni Versace entworfen und ist ultratrashig und völlig unpraktisch, wenn man die Straßen von Abschaum säubern will. Aber hey, Hauptsache Versace aufm Etikett.

Ganz großer Kritikpunkt damals war die Tatsache, dass Stallone schon nach recht kurzer Zeit den Helm abnimmt und auch weite Strecken des Filmes ohne rumläuft. Wie gesagt, in den Comics sieht man Dredds Gesicht nie. Aber wenn man paar Millionen für einen Stallone zahlt, will man eben ungerne sein Gesicht verdecken. Dass Stallone gut einen stoischen, emotionslosen Brutalo spielen kann, versteht sich wohl von selbst.

Der Rest des Ensembles liefert ebenfalls passende Leistungen ab. Ich betone „passend“, nicht gut. Wir haben neben Diane Lane noch Jürgen Prochnow als Griffin und Max von Sydow als Chief Fargo. Beides großartige Schauspieler, vor allem Prochnow hat bei mir immer einen Stein im Brett. Er liefert für den völlig überzogenen Film auch eine passend überzogene Darstellung. Sympathisch trashig eben.

A propos überzogen: Armand Assante liefert Overacting vom Allerfeinsten. Seine Ähnlichkeit zu Stallone macht ihn zu einer guten Besetzung für die Rolle, sein „Schauspiel“ ist teilweise aber einfach unfreiwillig komisch. Der Film nimmt sich ja im Grunde schon ernst und war nicht als Trash angelegt. Das muss klar gesagt werden. Man wollte hier schon nen geilen SciFi-Streifen abliefern. Wer den Film nicht kennt, sollte aber von vornherein mit der Erwartung reingehen, jetzt einfach mal 90 Minuten mit völligem Quatsch unterhalten zu werden. Die Handlung an sich ist ja für ne Comicverfilmung ganz ok, der neue Film hat noch weit weniger, wie wir gleich sehen werden. Aber es ist halt alles trashig. Ich wiederhole mich, ich weiß, aber besser lässt sich der Film nicht beschreiben. Herrlicher Trash mit Herz.

Bewertet man den Film neutral, würde er wahrscheinlich eine 4 oder 5/10 bekommen. Bei mir bekommt er aber mal locker eine 7. Ich kann mir den Film jederzeit wieder anschauen und stoße ich beim Zappen mal drauf, bleib ich auch drauf hängen. Ich kann den Film nur empfehlen, allen Unkenrufen zum Trotz. Lasst Kritiker ruhig Scorsese gucken und nehmt euch die Zeit, diesem Kunstwerk mal eine Chance zu geben.

 

Dredd (2012)

Jetzt kommt das Kontrastprogramm. 2012 erschien mit Dredd ein knallharter ab 18 Actionthriller in 3D im Kino, der kaum unterschiedlicher zum 95er Streifen sein könnte. Kein Humor, nicht mal coole Oneliner, der neue Dredd ist einfach ne harte, erbarmungslose Sau. Er macht seinen Job, effizient, ohne Bullshit.

In Mega-City-One kursiert eine neue Droge namens SloMo, deren Nutzer nehmen die Welt stark verlangsamt war, alles läuft mit ca. 10% der normalen Geschwindigkeit für sie ab. Dies dient vor allem als Vehikel für coole Szenen. Geballere und Ultra-slowmotion, schön in 3D.

Dredd bekommt eine neue Kadettin als Partner, die als Mutantin übersinnliche Fähigkeiten hat. Sie kann z.B. Gedanken lesen. Dredd soll sie nun auf Patrouille mitnehmen und sie anschließend auf Tauglichkeit für den Dienst bewerten. Einsätze gibts genug, wie wir auf dem Stadtplan gezeigt bekommen. Alle paar Sekunden findet irgendwo eine schwere Straftat statt. Dredd lässt seine temporäre Partnerin Anderson einen Einsatz auswählen, sie entscheidet sich für Peach Tree, einen Megakomplex, in dem zehntausende Menschen auf unzählige Stockwerke verteilt leben. Dort gab es zwei Tote, alles deutet auf Mord hin. Das Gebäude ist im Grunde eine eigene kleine Stadt mit verschiedenen Gangterritorien. Was die beiden noch nicht wissen, im obersten Stock residiert Ma-Ma mit ihrem Clan. Ma-Ma ist eine ehemalige Prostituierte, die sich durch ihre Grausamkeit schnell in der Unterwelt hochgearbeitet hat. Ihre Gang hat nach und nach alle anderen im Gebäude zerschlagen, vertrieben oder übernommen. Peach Trees gehört Ma-Ma. Ihre Gang stellt auch SloMo her und vertreibt es in der Stadt. Die beiden Toten gehen auf ihr Konto, es sind zwei kleine Kriminelle, die in ihrem Revier Geschäfte machen wollten.

Dredd und Anderson sind nun also in Peach Tree und nehmen dort auch schnell einen Verdächtigen fest. Dank Andersons Kräften wissen sie schnell, dass er die beiden ermordet hat. Doch weiß er natürlich noch viel mehr, vor allem über Ma-Mas Drogengeschäft. Ma-Ma weiß, dass der Kerl plaudern wird, wenn er erst mal verhört und ggf. gefoltert wird. Dies muss natürlich verhindert werden. Sie lässt daher das gesamte Gebäude abriegeln, und mit abriegeln meine ich ABRIEGELN. Das Gebäude verfügt über Schutzwände, die gegen Strahlung und Explosionen schützen kann. Diese lässt sie ausfahren, so dass niemand mehr rein oder raus kann. Nun eröffnet sie die Jagd auf die Judges und setzt eine Belohnung auf beide aus. Jeder, der ihnen hilft, muss damit rechnen, dass seine gesamte Familie als Strafe ermordet wird. Die beiden Judges sind nun also im Erdgeschoss eines hundertstöckigen Megakomplexes, potentiell wollen zehntausende ihren Tod, es gibt kein Entkommen, außer der Flucht nach vorne. Nach oben kämpfen, alles aus dem Weg räumen und Ma-Ma schnappen, bevor ihre Häscher einen selbst kriegen.

Meine Meinung:

Ich liebe den Film. Ich rede nicht lang drumrum, ich liebe den Film. Er ist von vorne bis hinten stylisch, hat geile Musik, die Atmosphäre ist bedrückend und bedrohlich. Karl Urban ist Judge Dredd.

Die Handlung ist letztlich geklaut vom indonesischen Actionstreifen The Raid. Aber besser gut geklaut als schlecht selbst gemacht. Selbst die Musik beider Filme ist teilweise austauschbar. In beiden kämpfen sich Polizisten ein Hochhaus hoch, um oben den Obermacker zu erledigen. Zu The Raid 1 und 2 muss ich auch mal was schreiben bei Gelegenheit. Absolute Empfehlung für Fans geiler Action- und Kampfszenen. Doch zurück zum Thema:

Dredd ist nicht umsonst ab 18. Hier wird alles weggeballert, was Dredd im Weg steht, teilweise zerfetzen Körper in Zeitlupe. Hier hätte ich leider auch direkt einen Kritikpunkt. Wie viele Filme setzt Dredd nicht auf praktische Effekte, sondern Blut und Gore sind digital. In Zeitlupe erkennt man das natürlich ziemlich deutlich. Zum Glück sind das nicht allzu viele Szenen und diese sind auch trotz der Effekte schon noch geil anzusehen.

Im alten Dredd wurden teils auch Todesurteile verstreckt, aber hier hat man noch wert drauf gelegt, dass die Kriminellen noch bewaffnet waren und sich zur Wehr setzten. Hier werden jedoch tatsächlich noch Leute, die bereits entwaffnet und verwundet sind, auf der Stelle hingerichtet. Das kommt ziemlich hart, trifft aber den Ton von Judge Dredd. Dredd ist im Grunde ja ein klarer Antiheld, eigentlich eine Figur, die man nicht mögen sollte. Er ist Vollstrecker eines ziemlich faschistischen Regimes, dass drakonische Strafen auf teilweise geringe Vergehen vorsieht und in dem Menschenleben nichts wert sind. Seltsamerweise schaffen es die Comics und beide Filme dennoch, dass man zu Dredd hält. Dabei bietet er wenig, womit man sich identifizieren könnte. Keine Emotionen, keine Infos zu ihm als Person, ein gesichtsloser, knallharter Vollstrecker. Aber ein Funke Menschlichkeit blitzt doch immer wieder durch, meist gespiegelt durch seine Mitstreiter, die ja nunmal auch mit diesem Typen klarkommen müssen und versuchen, eine Beziehung zu ihm aufzubauen. Ohne solche Partner wäre Dredd letztlich Terminator.

Ma-Ma, gespielt von Lena Headey, die die meisten als Cercei Lannister kennen dürften, ist ein guter, weiblicher Antagonist. Sie schafft es, noch schlimmer zu sein als Dredd. Dieser ist zwar gnadenlos, folgt jedoch einem Kodex, dem Gesetz. Ma-Ma dagegen ist extrem sadistisch und hat Spaß daran, ihre Macht auszunutzen, um Menschen zu brechen, zu foltern und zu töten. Sie ist charismatisch, sie ist böse, sie ist gefährlich und hat eine Armee von psychopathischen Junkies zur Verfügung. Auch wenn sie nur eine kleine, zierliche Frau ist, ist sie eine ebenbürtige Gegnerin für unsere beiden Judges.

So sehr ich den Film mag, muss ich sagen, mir gefällt das Design des 90er Streifens besser. Dredd wurde 2012 in Südafrika gedreht, dieses neue Mega-City-One ist nicht so schön dreckig und klaustrophobisch wie im alten Film. Man arbeitet viel mit Farbfiltern und die Effekte sind eben weitestgehend digital. Da hatte der alte Film einfach mehr „Handwerk“ und für mich daher auch Herz. Aber letztlich ist Dredd der Film, den Fans sich gewünscht haben. Leider war er an den Kinokassen kein großer Erfolg, lief auch nur in wenigen Kinos. Ich hab ihn selbst auch nicht im Kino gesehen. Auf Bluray war er dann jedoch Verkaufsschlager und Fans hoffen auf eine Fortsetzung. Karl Urban meinte, er wäre auf jeden Fall für eine zu haben, hoffen wir, dass es irgendwann dazu kommt.

Ich würde dem Film jedenfalls ohne mit der Wimper zu zucken eine 8,5/10 geben. Für mich ein Überraschungshit und eine der coolsten Comicverfilmungen. Im Grunde wird hier bombastischer Minimalismus betrieben. Nur eine Location, wenig Handlung, wenig Dialog, aber alles greift perfekt zusammen und ergibt einen Kulthit. Absolutes Must-See, meiner Meinung nach.

Was andere dazu sagen, könnt ihr ja mal auf Rotten Tomatoes nachschauen. Dort wird der alte Judge Dredd gradezu vernichtet, Dredd von 2012 dagegen wird ziemlich einhellig gelobt. So krass können Meinungen auseinandergehen 🙂

 

 

2 Gedanken zu „Judge Dredd vs Dredd: Guilty Pleasure vs Kultfilm

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