Robin Williams in World's Greatest Dad

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Filmkritik: Robin Williams in World’s Greatest Dad

Ich stelle euch heute einen Film vor, der schon lange auf meiner To-watch-Liste stand und jetzt endlich mal im Player landete. Anlass ist die aktuell laufende Robin Williams Reihe auf Crosstopia, wo ich auch gelegentlich Beiträge beisteuere.

World’s Greatest Dad ist eine Tragikomödie und einer der letzten Filme von Robin Williams. In diesem beweist er erneut, dass er weit mehr kann als Comedy. Wenn man sein Gesamtwerk betrachtet, zeigt sich immer wieder, dass Williams in tragischen Rollen aufgehen kann. Wahrscheinlich, weil er hier sein eigenes Seelenleben darstellen konnte. Es fällt schwer, über diesen Film zu schreiben, ohne Williams eigenen Tod ständig im Kopf zu haben. Denn die Geschichte dreht sich um Selbstmord, Depression und Trauer. Eine Prise Humor und Skurilität bewahren den Film jedoch davor, den Zuschauer komplett runterzuziehen, unberührt bleibt man jedoch nicht. Wenn man den Regisseur Bobcat Goldthwait kennt, kann man erahnen, welche Stimmung einen erwartet. Goldthwait kennen 80er-Kids als kreischigen Chaosbullen in Police Academy, seitdem hat er sich jedoch vor allem im Stand-Up-Bereich, aber eben auch hinter der Kamera verdient gemacht.

Worum geht’s in World’s Greatest Dad?

Robin Williams spielt in dem Film den Highschool-Lehrer Lance Clayton, der versucht, als Schriftsteller Fuß zu fassen. Leider bekommt er eine Absage nach der anderen, kein Verlag hat Interesse an seinen Manuskripten. Sein unerfüllter Wunsch nach Anerkennung setzt sich auch in anderen Bereichen seines Lebens fort. In der Schule sind seine Kurse kaum besucht, der Rektor hält ihn für eine Witzfigur, einen Versager. Seine hübsche Kollegin, mit der er ausgeht, will ihre Beziehung nicht öffentlich machen, weil sie Angst vor Getuschele im Lehrerzimmer hat. Gleichzeitig verbringt sie jedoch jede freie Minute mit einem anderen Kollegen, der in der Schule sehr beliebt und zudem äußerst attraktiv ist. Die größte seelische Last für Lance stellt jedoch sein Sohn Kyle dar. Nach der Scheidung lebt er mit diesem alleine und Kyle lässt keine Gelegenheit aus, seinen Vater spüren zu lassen, wie sehr er ihn verachtet. Kyle scheißt auf alles, ist ein perverses, gemeines Arschloch und in der Schule absoluter Außenseiter. Er hat nur einen Freund, der ihm gegenüber loyal ist und sich seine ständigen Ausfälle und Wutausbrüche gefallen lässt.

Lances Leben ändert sich drastisch, nachdem Kyle bei einem autoerotischen Unfall ums Leben kommt, er stranguliert sich beim Masturbieren. Um die Würde seines Sohnes zu schützen, täuscht Lance dessen Selbstmord vor und schreibt einen Abschiedsbrief in seinem Namen. Dieser gerät an die Öffentlichkeit und alle nehmen plötzlich großen Anteil an Kyles Tod. Dieser wird nun als tiefgründiger, sensibler Junge gesehen, der eigentlich immer nur geliebt werden wollte, aber von keinem verstanden wurde. Es entwickelt sich ein regelrechter Kult um Kyle und Lance geht darin auf. Die Woge des Mitgefühls führt dazu, dass er zum populärsten Lehrer der Schule wird. Alle wollen wissen, wie Kyle wirklich war und auch den Vater dieses hochbegabten Jungen kennenlernen. Lance verstrickt sich immer tiefer in die Scharade und beginnt irgendwann, im Namen seines Sohnes weitere Texte zu verfassen und so auch Aufmerksamkeit auf seine eigenen Werke zu lenken. Durch seinen toten Sohn kommuniziert er die eigenen Gefühle der Unzulänglichkeit und genießt die Anerkennung, die er stellvertretend bekommt. Doch der neue Ruhm, die Aufmerksamkeit werden auch schnell zu einem Gefängnis, in dem Lance trotz aller Aufmerksamkeit letztlich einsamer ist als je zuvor.

Meine Meinung

Es wird deutlich, dass der Tod, Trauer und auch Personenkult zentrale Themen dieses Filmes sind und Robin Williams trägt diese Themen mit Bravour. Man nimmt ihm ab, dass er seinen Sohn trotz all seiner Fehler und auch der Demütigungen, die er von ihm einstecken musste, von Herzen geliebt hat. Williams vermag es, gleichzeitig die Freude am neu gewonnenen Ruhm, aber auch den weiter tief sitzenden Schmerz der Trauer zu transportieren. Als Zuschauer wusste ich teilweise gar nicht, wie ich mich fühlen soll. Ich kann mir vorstellen, dass manche Kritiker dem Film daraus einen Vorwurf machen würden, doch im Grunde geht es doch bei der Bewältigung von Trauer darum, den Schmerz zu verarbeiten und wieder neue Freude im Leben zu finden, mit einem Gefühlschaos umzugehen. Ohne jetzt allzu persönlich werden zu wollen: wer schon mal einen geliebten Menschen nach langer Krankheit verloren hat, kennt vielleicht das Gefühl der Erleichterung, dass es sowohl der Mensch als auch man selbst jetzt diese schlimme Zeit hinter sich hat. Gleichzeitig fühlt man Schuldgefühle darüber, sich erleichtert zu fühlen. Genau das durchlebt man hier auch mit Williams. Obwohl Kyle ein wirklich widerliches Arschloch war, um das man selbst nie trauern würde, sitzt man mit einem Kloß im Hals vor dem Fernseher. Zu sehr fühlt man den Schmerz, den Williams wirklich gut zum Ausdruck bringt.

Großer Aspekt des Filmes ist vor allem der Todeskult, der um Kyle entsteht. Dieser ist psychologisch sehr interessant und vielschichtig, kann aber natürlich nicht in der Tiefe aufgearbeitet werden. Es ist jedoch spannend, dass alle, die Kyle kannten, schnell vergessen, wie er wirklich war und zunehmend einen Kyle in ihrer Erinnerung abspeichern, den sie gerne gekannt hätten. Kyle ist eine Projektionsfläche für die eigenen Wünsche und Gefühle, die oft ungehört bleiben. Der Abschiedsbrief gibt vielen den Mut, auch ihre eigenen Gedanken zu äußern. Plötzlich outen sich Schüler als schwul oder sprechen über ihre eigenen Suizidgedanken. Kyle wird zum Symbol für die Probleme und Ängste seiner Generation und von allen verehrt.  Gleichzeitig benutzt man ihn auch, um sich selbst besser zu präsentieren. Plötzlich war man ja immer ein guter Freund von Kyle, fand ihn immer nett und sympathisch. Man möchte, dass der Personenkult um den Verstorbenen auch ein wenig auf einen selbst abfärbt. Ein Phänomen, das wir ja auch immer wieder beobachten, wenn ein Prominenter stirbt. Plötzlich war jeder Riesenfan von David Bowie und trägt ein Shirt mit seinem Gesicht drauf.

Der Film wirft viele Fragen auf über den Umgang mit dem Tod, aber auch mit Depression und Einsamkeit. Leider gibt er wenig Antworten. Neben Williams verblassen die meisten anderen Darsteller bzw. ihre Charaktere. Kyles Schulfreund Andrew und seine Bewältigung des Verlustes oder auch die Beziehung zu seiner Lehrerkollegin Claire hätte man noch stärker thematisieren können. Kyles Freund Andrew beispielsweise ist ein netter, schüchterner Junge aus einer kaputten Familie, der im Grunde eine Vaterfigur sucht und gleichzeitig quasi der Sohn ist, den Lance gerne hätte. Bei der gemeinsamen Trauerbewältigung kommen sich beide auch näher. Letztlich bleibt Andrew jedoch nur ein Nebencharakter, über den man wenig erfährt. Claire ist als Person sehr schwer einzuschätzen, man kann nicht mal wirklich sagen, ob sie Lance wirklich liebt, ihre Beziehung nur als Zeitvertreib sieht oder einfach genießt, von mehreren Kollegen umworben zu werden. Sie ist in einem Moment sehr herzlich und wirkt aufrichtig, im nächsten Moment wieder sehr sprunghaft.

So brilliert Williams zwar in seiner Rolle, der Film bleibt insgesamt jedoch etwas schwach und man wünscht sich einfach mehr. Die Thematik wird durchaus mutig behandelt in dem Film und dem Zuschauer wird hier auch gerne mal der Spiegel vorgehalten, doch das Ende war dann eher unpassend für den Grundtenor des Filmes. Ich hatte das Gefühl, dass Regisseur Goldthwait hier nochmal mit aller Gewalt einen Feel-Good-Moment einbauen wollte. Dieser Film hätte vielleicht mit einem etwas melancholischerem Ende besser funktioniert.

Insgesamt sei der Film Fans von Williams jedoch uneingeschränkt empfohlen, er bekommt hier eine Bühne, sein schauspielerisches Können zu präsentieren.

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