Jake Gyllenhaal und Ryan Reynolds in Life

© Sony Pictures Home Entertainment

Filmkritik: Life – SciFi-Horror mit Ryan Reynolds und Jake Gyllenhaal

Pünktlich zum Home-Release stell ich euch heute den SciFi-Horror-Streifen „Life“ vor, in dem Ryan Reynolds und Jake Gyllenhaal auf einer Raumstation gegen einen außerirdischen Organismus kämpfen. Der Film stellt eine ernsthafte Konkurrenz zu Ridley Scotts neuestem Alien-Teil dar, der ja größtenteils eher kritisch aufgenommen wurde und nicht an seine Vorgänger heranreichen konnte. Zu Alien reiche ich euch auch noch eine Review nach. Bis dahin halte ich mich bedeckt, welcher Film der bessere ist 😉

Worum gehts in „Life“?

Der Film spielt in nicht allzu ferner Zukunft auf der Raumstation ISS. Insgesamt 6 Astronauten, darunter Mechaniker, Wissenschaftler und was man halt so brauch im All, sind auf einer gemeinsamen Mission. Sie sollen eine Bodenprobe vom Mars analysieren, die ihnen eine Sonde mitgebracht hat. Sie machen einen sensationellen Fund, in der Bodenprobe findet sich ein Einzeller, es gibt also Leben auf dem Mars! Dem Mikrobiologen Dr. Derry gelingt es, den winzigen Organismus durch Simulation verschiedener atmosphärischer Zusammensetzungen wieder zum Leben zu erwecken und mit Glucose wieder aufzupebbeln. Sie finden heraus, dass der Organismus sich extrem schnell vermehrt und seine Zellen multifunktional sind. Jede einzelne Zelle ist gleichzeitig Muskel- und Nervenzelle und hat darüber hinaus photosensitive Eigenschaften. Man könnte sagen, das Wesen ist ein großer Muskel, ein Gehirn und ein Auge in einem. Der sensationelle Fund fasziniert auch die Menschen auf der Erde. In einem Wettbewerb dürfen Grundschulkinder für das „Alien“ einen Namen aussuchen, die Wahl fällt auf Calvin.

Jake Gyllenhaal in "Life"
Gyllenhaal steht die Anspannung ins Gesicht geschrieben

Bei einer technischen Panne scheint Calvin dann jedoch zu sterben, so dass Dr. Derry versucht, mittels Stromschlägen Wiederbelebungsmaßnahmen zu ergreifen. Das mittlerweile ungefähr auf Quallengröße angewachsene Wesen kann so auch gerettet werden, attackiert jedoch Dr. Derry und ergreift die Flucht aus dem Labor. Die Crew muss erkennen, dass sie nun auf engem Raum mit einem hochintelligenten und sehr anpassungsfähigen Raubtier gefangen sind, das eventuell alles Leben auf dem Mars vernichtet haben könnte. Da Calvin nach und nach auch die Raumstation auseinander nimmt, droht diese zur Erde zu stürzen. Calvin ist somit nicht mehr nur Gefahr für die Mannschaft an Board sondern für die gesamte Menschheit auf der Erde.

Meine Meinung

Der Film fasziniert zunächst mal auf technischer Ebene. Er spielt eben in naher Zukunft und ist kein Hardcore-SciFi. Auf der Raumstation gibt es keine künstliche Schwerkraft, die Protagonisten schweben den gesamten Film über durch die Raumstation. Es gibt im Grunde kein oben und unten und in einigen Szenen fragt man sich schon, wie sie das hinbekommen haben. Wenn die Darsteller durch enge Luken fliegen, ist man schon verwundert, wie man das mit Drahtseilen hinbekommen hat. Hier hat auf jeden Fall auch der Kameramann großartige Arbeit geleistet, das Geschehen einzufangen und dem Zuschauer das Gefühl von Schwerelosigkeit zu vermitteln. Man fühlt sich hier teilweise an den Film „Gravity“ erinnert, der sich auch durch seine realistische Darstellung des Lebens im All auszeichnete.

Die Entscheidung, den Film nicht in ferner Zukunft anzusiedeln, macht das Ganze natürlich auch für den Zuschauer realer. Wir haben nunmal schon Sonden auf den Mars geschickt und wer weiß, was die so finden. Es ist plausibel, dass man solche Organismen tatsächlich erst mal in Quarantäne auf einer Raumstation untersucht und sie nicht einfach zur Erde bringt. Sollte Leben auf dem Mars gefunden werden, erfahren wir es aber wahrscheinlich auch erst, wenn es entwicht und uns die Klöten abbeißt. Merke: Wer anderen in die Eier beißt, ist böse meist! Alte Weisheit nach Konfuzius.

Das Design im gesamten Film ist mit viel Liebe zum Detail gestaltet. Die Raumstation entspricht nicht der tatsächlichen ISS, aber wirkt sehr glaubwürdig und nicht übertrieben. Alles, was man sieht, scheint auch eine praktische Funktion zu haben. Auch die „Kostüme“, also in erster Linie Raumanzüge entsprechen so dem, was man als Laie von NASA-Videos kennt. Dass es doch in der Zukunft spielt, merkt man dann als Technologie wie Hologrammen, die recht häufig gezeigt wird. Die Crew kann sich fast alles in 3D als Hologramm anzeigen lassen. Das wäre wahrscheinlich heute sogar schon im Ansatz möglich, mithilfe von Augmented Reality wie Microsofts Hololens beispielsweise.

Das Alien selbst durchläuft eine Entwicklung. Vom kleinen Einzeller über ein quallenartiges Wesen hin zu einem amphibischen Monster, das etwa die Größe eines Hundes hat. Durch seine Anpassungsfähigkeit entwickelt es sich entsprechend so, dass es sich in Schwerelosigkeit gut fortbewegen kann. Es sieht schon relativ eklig aus und ich würde es ungerne unter der Bettdecke grabbeln spüren. Aber mit dem Xenomorph aus Alien kann es beim besten Willen nicht mithalten. Das Design von H.R. Giger ist einfach so ikonisch, das kann eigentlich kaum übertroffen werden. Die wahre Spannung und Angst kommt eher vom Setting als vom Alien selbst. Das Ding sieht nicht so furchterregend aus aber auch dem extrem engen Raum der Raumstation, wo jeder Raum auch im Endeffekt eine wichtige Funktion erfüllt, kommt die Klaustrophobie und Hoffnungslosigkeit gut rüber. Man kann das Ding schwer einfach irgendwo einsperren und das Modul absprengen. Zum einen hat eine Raumstation im echten Leben nunmal keine Selbstzerstörungsmechanismen, zum anderen erfüllen alle Module eben Funktionen, ohne die es sich schwer überleben lässt. Die Station muss ja auch so weit intakt gehalten werden, dass sie in der Umlaufbahn gehalten werden kann. Die Crew muss sich also ständig was Neues einfallen lassen, um Calvin irgendwie aufzuhalten. Ein Katz und Mausspiel mit einer ziemlich intelligenten Katze und 6 Mäusen, denen die Optionen ausgehen.

Die Charaktere selbst lernen wir jetzt nicht wahnsinnig gut kennen. Ryan Reynolds spielt Ryan Reynolds, wie immer. Er hat also die coolen Sprüche und Gags drauf. Nicht ganz Deadpool in Space, aber nah dran. Jake Gyllenhaal spielt einen Astronauten, der mittlerweile seit über 400 Tagen im All ist, weil er unter, nennen wir es mal „Weltschmerz“ leidet und keinen Bock mehr auf Krieg und Elend auf der Erde hat. Die lange Zeit im All hat bei ihm zu fortgeschrittener Muskeldystrophie geführt. Die restlichen Astronauten lernt man kaum kennen, sie beschränken sich eher auf ihre Funktion bzw. Spezialisierung. Dr. Derry ist eben Mikrobiologe, ein japanischer Astronaut ist eher der Techniker, usw. Sie sind jedoch alle sympathisch genug, dass man ihnen nicht gönnt, Calvins nächster Mitternachtssnack zu werden. Dafür setzt der Film auch teilweise narrative Mittel ein. Man weiß zwar nichts über den japanischen Astronauten, bekommt aber mit, dass seine Frau gerade ein Baby bekommen hat. Vielleicht bisschen mit der Brechstange Mitgefühl erzeugt, aber es ist noch erträglich. Der Film verfolgt natürlich trotzdem die „10 kleine Negerlein“-Formel und löscht einen nach dem anderen aus. Ob am Ende jemand überlebt, sei an dieser Stelle nicht verraten, ihr sollt ja schon noch selber gucken.

Insgesamt erfindet der Film das Genre sicher nicht neu. Technisch ist er jedoch spitze umgesetzt. Wer „Gravity“ mit einem Alien sehen will, ist hier an der richtigen Stelle. Ich persönlich bin vielleicht etwas abgehärtet, vielleicht abgestumpft. Ich hab mich nicht sonderlich gegruselt, aber ich erinnere mich auch an kaum einen Film, wo das der Fall gewesen wäre. Für andere kommt hier sicher genug Spannung auf. Es gibt zwar Blut im Film, aber auch zartbesaitete sollten ohne Kotzeimer durchkommen. Der Film war unterhaltsam, das Ende überraschte mich persönlich und gefiel mir gut. Für einen netten Kinoabend ist „Life“ definitiv gute Kost.

 

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