Hugh Jackman ist Logan

© 20th Centruy Fox

Filmkritik zu LOGAN: Wolverine nimmt Abschied

Auch wenn der Film schon vor etwas längerer Zeit lief, findet man ihn vielleicht noch in irgendeinem kleinen Kino. Da es zu der Zeit SpiFiCo noch nicht gab, konnten wir auch keine Kritik schreiben. Besser spät als nie kommt hier aber jetzt eine kleine Review zu Fox neuestem Film aus dem X-Men Universum mit unserem guten, alten Freund Wolverine: Logan.

Zur Handlung:

Die Story ist recht schnell erzählt. Logan und Professor Xavier leben im Jahr 2029 zurückgezogen mit einem Freund namens Caliban (gespielt von Stephen Merchant) mitten im Nirgendwo. Seit mittlerweile über 20 Jahren wurden keine neuen Mutanten geboren, entsprechend gehören die beiden zu den letzten ihrer Art. Professor X ist ein gesuchter Mann, da er aufgrund seiner Fähigkeiten quasi als lebende Massenvernichtungswaffe eingestuft wird. Doch davon sieht man nicht mehr viel. Er ist ein alter, dementer kleiner Mann, der von Logan gepflegt werden muss. Dieser schlägt sich als Chauffeur durch und verdient Geld für Xaviers Medikamente, indem er besoffene Teenies zum Abschlussball oder arrogante Geschäftsleute zum Flughafen fährt. Er selbst ist auch sichtlich gealtert, seine Mutantenkräfte haben stark nachgelassen und er heilt bei weitem nicht mehr so schnell wie früher.

 

Die Tristesse des Alltags wird unterbrochen als eine mexikanische Frau mit einem kleinen Mädchen im Schlepptau Logan um Hilfe bittet. Schnell stellt sich heraus, dass die Dame als Krankenschwester in einer Forschungseinrichtung in Mexiko gearbeitet hat. Dort wurden Kinder mit Mutantenkräften gezüchtet und ausgebildet. Unter anderem auch Laura, die den Codenamen X-23 trägt. Da die Kinder dort unter grausamen Bedingungen gehalten wurden, entschloss die Frau sich dazu, sie zu befreien und mit ihnen einen Ort namens Eden zu suchen, in dem Mutanten angeblich in Frieden leben können. Doch die Häscher des Konzerns sind hinter ihr, Laura und entsprechend dann auch hinter Logan und Professor X her. Doch sowohl Logan als auch X-23 wissen sich zur Wehr zu setzen.

Meine Meinung:

Ich schiebe gleich vorweg, ich war etwas enttäuscht von dem Film, der ja von vielen in höchsten Tönen gelobt wird. Kann ich nicht ganz nachvollziehen. Doch eins nach dem anderen.

Was sehr schnell überrascht ist die Brutalität des Filmes. Es werden Gliedmaßen und Köpfe abgeschlagen, Menschen ziemlich derbe auseinandergenommen, sei es mit Krallen oder anderen Mutantenkräften. Ich persönlich finde das tatsächlich erfrischend angesichts der eher famlienfreundlichen Unterhaltung, die Marvel/Disney abliefert. Hier scheint Fox sich ein Alleinstellungsmerkmal ausarbeiten zu wollen. Deadpool und Wolverine haben beide zu Recht ein R-Rating in den USA erhalten, hier waren sie beide ab 16 freigegeben.

Der Film ist in erster Linie ein Roadmovie. Logan, Professor X und Laura sind ständig unterwegs, um ihren Verfolgern zu entkommen. Sie werden natürlich immer wieder gefunden, es gibt derb Gemetzel und die Fahrt geht weiter. Dabei wird die Geschichte sehr langsam erzählt, was einerseits natürlich zum Titelhelden passt, der nunmal einfach alt geworden ist, dem die Kämpfe mittlerweile sehr zusetzen und der sich im Grunde nach dem Tod sehnt. Die Actionszenen bilden dazu einen extremen Kontrast, insbesondere Laura geht ab wie eine tollwütige Raubkatze und steht in Sachen Bodycount Logan kaum in was nach. Dieser Kontrast im Film passt zum Kontrast der beiden Figuren. Logan will im Grunde endlich sterben, Laura, im Labor aufgewachsen, will endlich leben. Die beiden sind sich so ähnlich und gleichzeitig so unterschiedlich. Eine sehr interessante Dynamik, die jedoch den etwas zu langen Film nicht dauerhaft tragen kann.

Dafne Keen, die Laura bzw. X-23 spielt, passt wunderbar zur Rolle. Sie sieht von Natur aus irgendwie ständig böse und angepisst aus und explodiert regelrecht in Actionszenen. Hier haben die Stuntchoreografen auch ganze Arbeit geleistet. Die Kleine fliegt durch die Luft, springt Leute an, hackt sie mit ihren Krallen kurz und klein… kurzum, man hat wirklich mehr Schiss vor ihr als vor dem gealterten Logan. Wie der junge Wolverine hat sie auch keinerlei Selbstbeherrschung und würde auf alles und jeden losgehen, der ihr dumm kommt. Da Hugh Jackman mit diesem Auftritt seinen Hut nimmt, liegt es nahe, dass X-23 die legitime Nachfolge antreten wird. Wahrscheinlich werden wir sie dann demnächst im Teenager-Alter wiedersehen. Definitiv ein Charakter, aus dem sich viel rausholen lässt.

Natürlich schmerzt es trotzdem, sich von liebgewonnenen Charakteren verabschieden zu müssen. Hugh Jackman war einfach Wolverine und sollte es jemals eine Neubesetzung geben, z.B. einen jüngeren Schauspieler, der früher in der Timeline Wolverine spielt, wird er es verdammt schwer haben. Doch wie gesagt, die (zumindest nahe) Zukunft gehört erst mal X-23.

Doch a propos Timeline: An dieser Stelle muss mal gesagt werden, dass es bei Fox mittlerweile doch sehr schwer geworden ist, die Timeline noch zu durchblicken. Ich muss mir alle Filme nochmal hintereinander geben, um da noch den roten Faden zu finden. Logan scheint eh außerhalb der offiziellen Timeline zu laufen, was die Frage aufwirft, wie es mit X-23 weitergeht. Der Film legt zwar einen Grundstein für eine neue Generation von Mutanten, doch eigentlich würde man X-23 ja schon gerne auch mit bekannten Charakteren wiedersehen. Ob da wieder irgendwelche banalen Zeitreisegeschichten kommen? Ich hoffe nicht.

Was ich ja etwas komisch fand war die Tatsache, dass 2029 erstaunlich nach 2017 aussieht, oder auch noch früher. Außer Cyberprotesen bei manchen Bösewichten sieht man im Grunde keinerlei Technik, die nicht schon seit Jahren existiert. Der Film hat ansonsten rein gar nichts Futuristisches. Das ist für die Atmosphäre auch durchaus gut so, doch warum muss es dann 2029 sein?

Mein Fazit insgesamt: Ich fand den Film ok. Mehr aber auch nicht. X-23 ist ein toller neuer Charakter mit viel Potential und ich freue mich drauf, sie wiederzusehen. Hugh Jackman bekommt einen würdigen letzten Auftritt als Wolverine. Doch der Film ist mir zu lang. 2 Stunden und 15 Minuten in langsamen Erzähltempo? Dafür müssten schon verdammt gute Dialoge her oder tiefgründigere Charaktere. Ein Roadmovie kann auch durch Landschaft und Szenario begeistern, doch auch hier ist eher (bewusste) Trostlosigkeit angesagt. Es ist Geschmackssache und viele Kritiker fanden den Film ja absolut super. Für mich ist er zwar der beste Wolverine-Film, aber das heißt ja absolut nichts bei den miesen beiden Filmen vorher. Für mich immer ein wichtiges Kriterium bei der Beurteilung eines Filmes: Wenn ich aus dem Kino komme, freue ich mich dann schon auf den Bluray-Release? Kann ich bei diesem Film nicht bejahen. Ich habe kein Bedürfnis, ihn in naher Zukunft nochmal zu sehen.

 

 

 

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