Dogma

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Kevin Smith Filmografie: Dogma (1999)

Heute schauen wir uns das nächste Machwerk von Kevin Smith an, einen Film, der zumindest in den USA einiges an Kontroverse brachte. Denn Dogma ist eine Komödie und befasst sich mit Religion. Religion ist nicht lustig, der gläubige Amerikaner geht zum Lachen in den Keller und rennt anschließend zur Beichte. Dabei wird der Film auch hierzulande von vielen einfach auch missverstanden. Dogma ist keine Verarsche des katholischen Glaubens, sondern eher eine amüsante Hommage. Kevin Smith ist trotz seines Schandmauls gläubiger Katholik und sah den Film eher als eine Ausdrucksform, mit der er seinen Glauben zelebrieren, aber auch dessen Schwachpunkte kritisieren kann. Das Skript dazu hat er schon weit früher begonnen, noch bevor Clerks rauskam. Für ihn war es durchaus ein Herzensthema. Doch die Catholic League sah in dem Film vor allem Blasphemie und stand mit Plakaten vor Kinos und demonstrierte. Angeblich hat sich Smith ein mal inkognito unter die Demonstranten gemischt und selbst mit Plakat mitprotestiert. Die Catholic League ist aber auch nur eine Aktivistengruppe, die Kirche selbst hat sich nie zu dem Film geäußert und scheint da etwas entspannter. Dem Erfolg tat die Kontroverse jedoch keinen Abbruch, half vielleicht sogar, Leute ins Kino zu locken. Es gibt halt keine schlechte PR. Mit einem Budget von 10 Mio. holte der Film 30 Mio. rein, also für Smith-Verhältnisse ein voller Erfolg. Das Star-Aufgebot wird seinen Teil dazu beigetragen haben. Wir haben Ben Affleck und Matt Damon, die nach Good Will Hunting absolute Superstars in Hollywood waren. Wir haben den genialen, doch leider verstorbenen Alan Rickman, Linda Fiorentino (Men in Black 2) und Chris Rock, der zu den erfolgreichsten Comedians aller Zeiten zählt. Altbekannte wie Jason Lee und Jason Mewes sind natürlich ebenfalls wieder dabei. Ursprünglich sollte Joey Lauren Adams, die wir aus Chasing Amy und Mallrats kennen, die Hauptrolle spielen, dazu kam es jedoch nicht. Eine ganz besondere Rolle spielt dafür Alanis Morissette, die heute wahrscheinlich viele gar nicht mehr kennen. Damals war sie jedoch eine sehr populäre Sängerin und überraschte sicher viele mit ihrem Auftritt.

Doch worum gehts eigentlich in Dogma?

Die Story ist für Nicht-Katholiken manchmal etwas schwierig nachzuvollziehen. Bartleby und Loki (Affleck und Damon) sind zwei in Ungnade gefallene Engel, die aus dem Himmer verbannt wurden und jetzt ihr Dasein auf der Erde fristen. Ihr größter Wunsch ist es, wieder nach Hause zurückkehren zu können. Bartleby wird nun ein Zeitungsartikel von einem anonymen Absender zugeschickt, in dem über die 100-Jahr-Feier einer Kirche in New Jersey berichtet wird. Der Priester der Kirche verspricht anlässlich dieses freudigen Ereignisses, dass jedem, der durch die Pforten der Kirche tritt, sofort alle Sünden vergeben werden, er also einen Generalablass bekommt. Hier sieht Bartleby ein Schlupfloch, um wieder in den Himmel zu kommen. Wenn er und Loki die Kirche betreten, sind sie reingewaschen und können wieder in den Himmel. Sie müssen anschließend nur zu Menschen werden und sterben und müssen dann wieder aufgenommen werden. Was sie nicht ahnen: Der Zeitungsartikel wurde ihnen von Azrael (Jason Lee), einem Höllendämonen zugespielt, der finstere Pläne hat. Denn sollten sie tatsächlich über dieses Schlupfloch Gott zwingen, sie wieder aufzunehmen, würden sie so seine Unfehlbarkeit widerlegen und damit das Ende allen Seins verursachen. Dies muss natürlich verhindert werden.

Der Engel Metatron (Rickman), der auch Sprecher Gottes ist, ersucht daher die junge Bethany (Linda Fiorentino), die nach einer Gebärmutterentzündung unfruchtbar und von ihrem Mann verlassen wurde. Diese hat eigentlich den Glauben an Gott verloren und scheint erst mal die letzte zu sein, die sich auf heilige Mission begeben würde. Doch Metatron prophezeit ihr, dass sie zwei Propheten treffen wird, die sie auf ihrer Reise nach New Jersey begleiten werden. Diese zwei Propheten sind Jay und Silent Bob! Wer auch sonst? Die beiden treffen Bethany, als sie vor deren Arbeitsplatz, einer Abtreibungsklinik rumlungern. Jay hatte nämlich den brillianten Gedanken, leicht flachzulegende Frauen dort kennenzulernen, denn wo sonst sollte man die finden, wenn nicht in einer Abtreibungsklinik? Mit den beiden Chaoten macht sich Bethany dann also auf den Weg nach New Jersey, um Bartleby und Loki aufzuhalten. Auf dem Weg treffen sie noch diverse andere Figuren wie z.B. den 13. Apostel Rufus (Chris Rock), der seiner Meinung nach in der Bibel nur deshalb nicht vorkommt, weil er schwarz ist. Diese illustre Gruppe soll nun also die komplette Zerstörung Gottes Werks verhindern, doch Bartleby und Loki kommen ihrem Ziel immer näher und hinterlassen eine Menge tote „Sünder“ auf ihrem Weg zurück ins Himmelsreich.

Meine Meinung

Auf die Gefahr hin, mich unbeliebt zu machen, ich fand den Film nicht so geil wie viele andere. Ich hab mit Religion nie was am Hut gehabt und fühlte mich durch den Film nie wirklich angesprochen. Weder hat er mich provoziert, noch großartig zum Nachdenken über Religion und Glauben angeregt. Für mich war da Religion schon Quatsch und eher Quelle vieler Probleme in der Welt. Ich kann auch gar nicht beurteilen, ob Smiths Interpretation religiöser Figuren, Dogmen und Ereignisse nah an der biblischen Vorlage sind oder komplett aus der Luft gegriffen. Darum versuche ich jetzt mal als Ungläubiger, etwas zum Film zu sagen.

Erst mal finde ich die Idee, gefallene Engel, die über ein Schlupfloch wieder in den Himmel kommen wollen, durchaus clever und auch faszinierend. Doch habe ich bei Chasing Amy noch gelobt, dass Smith tolle Dialoge schreiben kann, geht es hier einfach zu weit. Er versucht, clevere Gespräche über Religion und die Beziehung der Menschen zu eben dieser bei jeder Gelegenheit einzubringen. Gerade, wenn einen selbst Religion nicht interessiert, ist das nicht sonderlich spannend. Ich höre dann halt doch lieber die x-te Diskussion über ethische Fragen im Sternenkrieg als Diskussionen über Rassismus in der Bibel. Natürlich muss man Smith hoch anrechnen, überhaupt den Mut gehabt zu haben, solche Themen mit seinem typischen Humor zu behandeln. Doch der Humor kommt für mich eben bei dieser Thematik nicht zum Tragen. Dabei geht er hier wirklich in die Vollen. Ich bezeichne seinen Humor ja gerne mal als Pipikacka-Humor, in diesem Film, in dem ein Scheißedämon auftaucht, wird das Ganze aber schon ad absurdum geführt.

Die Charaktere sind im Grunde alle sympathisch, selbst mit Bartleby und Loki würde man zu Beginn des Filmes durchaus ein Bier trinken gehen wollen. Religiöse Figuren dargestellt wie du und ich, das gibt dem Ganzen schon einen anderen Anstrich als irgendein Bibelfilm mit Charlton Heston. Das macht das Ganze wieder halbwegs unterhaltsam. Bethany ist dabei durchaus gute Identifikationsfigur für Leute wie mich, da sie ja ihren Glauben auch verloren hat. Es ist nunmal schwer, an Gott zu glauben, wenn so viel Scheiße auf der Welt passiert und auch einen persönlich Tragödien treffen. Da kann man dann schon mal fragen „Wo war Gott denn als das passiert ist?“ Letztlich ist auch das ein Kernthema des Filmes. Denn als geneigter Leser wird man sich vielleicht auch fragen, warum Gott die beiden Engel nicht einfach aufhält, warum muss eine gebrochene Frau sich auf den Weg machen? Gott ist im Film verschwunden, keiner weiß, wo er ist. Der Film beschreibt letztlich also auch die Suche nach Gott, wortwörtlich, aber eben auch auf intim-persönlicher Ebene der Charaktere. Das klingt alles toll, ich denk sogar selbst beim Schreiben gerade, wow, ist ja echt tiefsinnig. Ich glaube auch, dass Smith einen wirklich tiefen und persönlichen Einblick in sein Verhältnis zu Gott präsentiert und letztlich dafür plädiert, an seinem eigenen Glauben festzuhalten, auch wenn es manchmal schwer ist. Doch ich persönlich habe durch den Film keinen besseren Zugang zu Religion gefunden. Dabei würde ich mich nicht mal als Atheist bezeichnen, auch ich habe schon gebetet und nicht nur als Kind. Vielleicht ist es eher die Ablehnung von Religion als organisierte, gewinnorientierte Industrie, die mich abstößt.

Doch letztlich kann ich nur für mich selbst sprechen und manch anderem werden vielleicht neue Denkansätze geliefert. Der Film heißt nicht umsonst „Dogma“. Ein religiöses Dogma ist ein Glaubenssatz mit dem Anspruch auf absolute Gültigkeit. Ein Dogma erfordert keine Beweise, kann nicht widerlegt werden, sondern muss einfach als Fakt akzeptiert werden. Hierauf baut quasi das ganze Glaubensgerüst auf. Kevin Smith demontiert dieses Gerüst und regt dazu an, Glauben komplett zu hinterfragen und für sich selbst rauszufinden, wer oder was Gott eigentlich ist. Er stellt jedoch Gottes Existenz niemals in Frage. Man könnte sagen, der Film ist ein Plädoyer, Religion und Gott in sein Leben zu lassen, jedoch für sich selbst rauszufinden, wie alles am besten zusammenpasst. Religion ist nicht auf gefühlt 8000 Seiten eines uralten Buches zu finden, sondern in jedem selbst. Nur weil mir nicht gelungen ist, aus dem Film wirklich was Neues für mich rauszuziehen, muss das ja nicht für euch gelten. Ansehen sollte man sich den Film definitiv und mit einem offenen Geist. Ich bin kein Filmkritiker, ich gebe meinen persönlichen Zugang zu Filmen wieder. Meine Meinung ist eben kein Dogma und ich freue mich für euch, wenn ihr mehr Freude an dem Film habt als ich.

 

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