Clerks Darsteller

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Vorstellung: Kevin Smith Filmographie: Clerks (1994)

Kevin Smith ist ein Regisseur, der sicher polarisiert und selbst als Fan muss man eingestehen, dass seine Chancen auf einen Oscar wohl eher mau sind. Doch einen gewissen Charme kann man seinen Filmen und Charakteren einfach nicht absprechen. Smith wird älter, aber ganz sicher nicht weiser. Furz- und Pipikaka-Witze kann der Mann auch mit über 40 noch. Doch sie funktionieren. Für Leute, die genauso hängengeblieben sind wie er. Darum möchte ich euch nach und nach mal einen Überblick über sein filmisches Schaffen geben. Dabei beschränke ich mich auf die Filme, in denen er auch selbst Regie geführt hat und gehe chronologisch vor. Seinen letzten Film (Yoga Hosers) hab ich tatsächlich selbst noch nicht gesehen, aber bis ich da ankomme, fließt ja noch viel Wasser den Rhein runter. Clerks war tatsächlich auch mein Erstkontakt mit Smith. Der Film lief irgendwann mal spät nachts auf irgendnem Sender, den man nur beim Durchzappen zufällig mal auf der Mattscheibe hat.

Clerks – Die Ladenhüter (1994)

Hintergrund

Clerks war der erste Film, den Kevin Smith zusammen mit seinem Kumpel Scott Mosier gedreht hat. Die beiden haben sich in der Filmschule kennengelernt und irgendwas hat da offensichtlich geklickt. Die beiden arbeiten bis heute zusammen und haben u.a. das Podcast-Netzwerk Smodcast gegründet. Dieses sei an dieser Stelle auch jedem empfohlen. Das Podcast-Archiv dort ist mittlerweile umfangreich genug, dass ihr nie wieder was anderes hören müsst.

Den Film haben die beiden aus eigener Tasche finanziert, dafür Kreditkarten voll ausgelastet, Smith hat sogar große Teile seiner Comics verkauft. Der Film ist komplett schwarz-weiß und erzählt die Geschichte von Dante und Randal. Dante arbeitet in einem Supermarkt, Randal direkt nebenan in einer Videothek. Für die Kids da draußen: Eine Videothek war ein Laden, in dem man sich Videos ausleihen konnte. Wir hatten damals kein Youtube und kein Netflix. Lasst das erst mal sacken, dann lest weiter. Wenn ich weiter drüber nachdenke… lest nicht weiter, manche der Filme sind eindeutig nichts für Kids. Clerks… auch eher schwierig. Aber jetzt wollt ihr ihn wahrscheinlich erst recht sehen, ihr kleinen Scheißerli. Ich hab meinen pädagogischen Auftrag erfüllt und euch gewarnt.

Handlung

Dante und Randal in Kevin Smiths Clerks
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Randal links, Dante rechts, Motivation Fehlanzeige

Dante ist ein miesgelaunter junger Mann, der an seinem freien Tag doch in den Markt muss, um sich mit nervigen Kunden rumzuschlagen. Zu allem Überfluss ist das Schloss des Rolladens von irgendwelchen Scherzkeksen mit Kaugummi verklebt worden, so dass nicht mal Tageslicht in den Laden fällt. Der Tag beginnt also schon scheiße und wird nicht besser. Im Laufe des Tages erfährt er, dass seine aktuelle Freundin in ihrer „Karriere“ schon 37 Typen einen geblasen hat. Diese Information muss man erst mal schlucken *Badam-Tusch*. In der Zeitung liest er dann noch, dass seine Exfreundin demnächst heiraten wird, einen weit attraktiveren und erfolgreicheren Typen als ihn. Das rundet das Shitsandwich ab. Vorm Laden lungern zudem zwei abgefuckte Drogendealer rum, Jay und Silent Bob (gespielt von Smith himself). Die beiden lassen auch keine Gelegenheit aus, Dante zu verarschen. Gut, wenn man in so schweren Zeiten einen Freund hat, der einem zur Seite steht und einen aufbaut. Leider hat Dante nur Randal. Der verbringt seinen Tag damit, Menschen in seiner Videothek zu schikanieren und fragwürdige Pornografie zu konsumieren. Regelmäßig kommt er rüber in den Supermarkt und geht Dante auf den Sack und belästigt auch seine Kunden.

Meine Meinung

Viel mehr passiert in dem Film nicht, muss auch gar nicht. Denn der Film lebt von seinen Dialogen und skurrilen Charakteren. Es wird über das Leben philosophiert und eine ethische Diskussion darüber geführt, ob es vertretbar war, den Todesstern in die Luft zu jagen und neben Stormtroopern auch Köche, Klempner und Handwerker zu opfern, die einfach nur paar schnelle Credits verdienen und sich nicht von Rebellen Torpedos in den Arsch ballern lassen wollten. Die schauspielerischen Leistungen sind allesamt eher bescheiden und amateurhaft. Fast alle Akteure sind Freunde von Smith, manche spielen auch durchaus mal mehrere Rollen. Heutzutage ist der Film teilweise daher auch wirklich etwas schwierig, weil manche Youtube-Produktion weit besser aussieht. Aber wir reden hier von 2 Dullies, die ohne Kohle in den 90ern einen Spielfilm gedreht haben, der heute Kultstatus genießt. Der Film ist auch nur schwarz-weiß, weil Smith und Mosier nicht mit dem Licht im Supermarkt und dem entsprechend nötigen Weißabgleich klarkamen. Hier haben zwei Freunde ohne Plan einfach mal zusammen was auf die Beine gestellt, finanzielles Risiko dafür in Kauf genommen und ihre Leidenschaft für Film ausgelebt. Alleine das muss man einfach respektieren. Das erforderte schon Mumm. Ich persönlich mag den Film auch trotz aller Schwächen sehr. Mittlerweile gibt es wohl auch eine deutsche Synchronfassung, lange Zeit gab es nur Original mit Untertiteln. Ich persönlich bevorzuge Originalton gerade bei solchen Filmen, die auf Dialog setzen. Wer der englischen Sprache nicht so mächtig ist, kann jetzt aber auch problemlos ins Smith-Universum einsteigen.

2 Gedanken zu „Vorstellung: Kevin Smith Filmographie: Clerks (1994)

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