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Lieblingsfilm-Lobhuddelei/Review: ‚The Big Lebowski‘

Ich schreibe hier über Filme, Serien und Comics und dabei ist es ausgemachte Sache, dass ich irgendwann meinen Lieblingsfilm rezensieren muss. Da kann ich es auch gleich machen.

Diesen Film habe ich unzählige Male geschaut, und jedes weitere Mal feiere ich Szenen und Dialoge. Ach, ich feiere einfach alles! Die Schauspieler, das Drehbuch, die Musik. Ganz große Teilaspekte, die zusammem genommen mehr sind als die Summe ihrer Teile. Es klingt verblendet, und so ist es auch: The Big Lebowski ist für mich die ‚Die Mutter aller Filme‘.

Ich ahne bereits, dass ich damit überfordert sein werde, mit Worten nachvollziehbar zu machen, warum ich so empfinde.

Aber ich will es versuchen:

Jeff Bridges ist natürlich untrennbar mit der Rolle des ‚Dude‘ verbunden. Ich könnte mir gut vorstellen, dass Jeff selbst es als den Höhepunkt seiner langjährigen schauspielerischen Karriere betrachtet, den Dude gespielt haben zu dürfen. Das sind selbstverständlich nur Vermutungen, aber Jeff hat ja die Möglichkeit, durch anderslautende Äußerungen hier als Kommentator zu dementieren. 🙂

Mit traumwandlerischer Authenzität verkörpert er diesen ikonischen Charakter, der doch bitte schön einfach in Ruhe gelassen werden will. Der Dude hat keine Pläne für die Zukunft, und hadert auch nicht mit der Vergangenheit, er lebt einfach im Hier und Jetzt. Aber selbst in intimen, genussvollen Momenten, wenn er bspw. in der Badewanne kiffend Walgesängen lauscht, stürmt das Leben auf ihn ein und entreisst ihn der selbstgewählten Lethargie.

Durch immer absurder werdende sogartige Entwicklungen wird er in Situationen katapultiert, in denen sein Auto (Running-Gag!) gleichermaßen leidet, wie er selbst.

Und alles fängt damit an, dass jemand „… auf seinen verkackten Teppich gepisst hat, der das Zimmer“ – das sollte in dem Zusammenhang nicht unerwähnt bleiben – „überhaupt erst richtig gemütlich gemacht hat“. So absurd die Wendungen auch sind – wenn man sich auf die Wendungen einlässt, dann sind sie gleichermaßen auch nachvollziehbar. Das Absurde ist real. Das ist in dem Film so, aber das ist im immer zunehmendenen Maße ja auch in der sogenannten Realität so.

„Der Dude packt das.“ Dieses Filmzitat hat mir oft Trost gespendet, wenn alles aussichtlos schien. Letztendlich absolvieren wir ja allermeistens trostlose Herausforderungen und behalten trotzdem den Kopf auf den Schultern. Der Dude laviert sich jeweils durch Situationen, in denen er ausschließlich auf den Moment reagiert, ohne sich über die Zukunft einen Kopf zu machen. Und das ist sozusagen seine ‚Superkraft‘. Er scheitert eigentlich an fast jeder Herausforderung, aber das souverän und in sich geschlossen. Und genau das macht für mich den Spirit des Filmes aus: Das Heroische im Scheitern. Der Dude ist ein Veteran im Scheitern. Und das macht ihn letztendlich so souverän. In der eigenen Wahrnehmungsweise lediglich im Moment zu scheitern, ohne da schon bereits Angst vor dessen Auswirkungen zu haben, dass ist die wahre Größe vom Dude. In herkömmlicher, oberfächiger, zeitgemäßer und leistungsorientierter Betrachtungsweise kann der Dude durchaus als Versager betrachtet werden. Aber der Film spricht eine andere Sprache; legt andere Bemessungskriterien an. Denn der Dude ist genau der richtige Mann am richtigen Platz und zur richtigen Zeit.

Für mich ist er (m)ein Held – ja, der Messias der Neuzeit. Wir alle können vom Dude lernen, wenn wir denn bereit sind von ihm lernen zu wollen. Wenn wir bereit sind, das eigene Scheitern zu relativieren. Wenn wir bereit sind zur Entschleunigung, und in der Verweigerung funktionieren zu wollen.

Morgen kommt ein neuer Tag, in dem möglicherweise die Karten neu gemischt werden. Ja, manchmal frisst man den Bären und manchmal wird man halt vom Bären gefressen. Ein fatalistischer Ansatz, der  dadurch auch schon wieder tröstend wirken kann.

Und möglicherweise kann man dann irgendwann einmal endlich wieder kiffend in der Badewanne liegen und Walgesängen lauschen, OHNE das die Tür von Gestörten eingetreten wird. Ohne dass jemand auf den Teppich pisst, oder einen Marder auf das eigene Gemächt hetzt.

Mit sich zufrieden sein und in sich ruhen – mehr strebt der Dude gar nicht an. Und in diese selbsterwählte Nische prasselt das Leben ungefragt hinein.

Es ist ebenso spannend wie lustig, was das mit unserem ‚Helden‘ macht.

Falls noch nicht geschehen, schaut Euch das an! Wie der Dude das im Scheitern packt.

Nicht unerwähnt bleiben dürfen natürlich auch John Goodman, Steve Buscemi, der geliebte Phillip Seymour Hoffman (R.I.P.) und Sam Elliot als den ‚Stranger‘. Alle machen einen grandiosen Job und runden das Vergnügen ab.

Chapeau!!!

 

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