Marvel und die Filmrechte – Wem gehört was?

Wer Comics liest, dürfte mittlerweile wissen, dass es dort zugeht wie im Swinger-Club. Jeder hat schon mal mit jedem, alles kann nix muss. Da kämpfen die Avengers mit den X-Men, Spider-Man ist mal Mitglied bei den Avengers, auch mal bei den Fantastic Four, Iron Man hängt mit den Guardians of the Galaxy rum, usw. Sowas nennt man „Crossover“. Solche Crossover können auch noch weit exotischer sein und auch verlagsübergreifend geschehen. So haben die Avengers auch schon die Justice League getroffen oder Batman gegen den Predator gekämpft oder zusammen mit den Turtles. Hier ist der Fantasie kaum eine Grenze gesetzt, es gab alles schon.

Im Filmuniversum ist dagegen alles weit strenger voneinander abgegrenzt. Avengers und X-Men wissen nicht mal was voneinander. Insbesondere bei Marvel, wo gefühlt 90% der Helden in New York leben, ist das schon seltsam. Die müssten sich ja morgens schon beim Bäcker über den Weg laufen. Was steckt also dahinter? Kurz: Die Marvel Filmrechte sind über diverse Studios verteilt!

Marvel konzentrierte sich vor Gründung seiner Mavel Studios auf das Kerngeschäft Comics. In den 90ern geriet der Verlag jedoch in finanzielle Notlage und musste einige seiner beliebtesten Charaktere an Filmstudios lizensieren. Damals waren Comicverfilmungen noch nicht der heiße Scheiß. Es gab zwar schon Hits wie Burtons Batman, oder Blade, aber insgesamt waren das nur vereinzelte Box Office Erfolge. Entsprechend gingen die Lizenzen relativ günstig weg. Marvel erhielt 5% der Einnahmen aus Verfilmungen mit ihren Charakteren. So kaufte Sony die Rechte an Spider-Man, damit auch an seinen Freunden und Feinden wie Venom, Black Cat, etc.

Fox war da schon etwas gieriger und kaufte u.a. die X-Men inklusive Wolverine, Deadpool, die Fantastic Four und den Silver Surfer.

Die X-Men ebneten den Weg für den Erfolg von Comicverfilmungen
Quelle: www.comicbook.com

Mit X-Men hat Fox es dann tatsächlich auch geschafft, den unglaublichen Boom von Comicfilmen zu starten. Die Serie war ein riesiger Erfolg und jeder wollte ein Stück vom Kuchen abhaben. So entschloss sich Marvel dann auch, ins Filmgeschäft einzusteigen und seine restlichen Charaktere wie Iron Man und Captain America einzusetzen.

Mit dem Kauf solcher Lizenzen geht dann meist auch noch einiges mehr einher. So hat Fox auch die Rechte am Begriff „Mutant“ oder dem Metall, aus dem Wolverines Skelett besteht, „Adamantium“. Dann gibts auch noch Grauzonen. So hat Fox nicht exklusiv Rechte an Scarlet Witch und Quicksilver, aber da sie die Kinder von Magneto sind, den sie besitzen, konnte Marvel die beiden zwar in Avengers nutzen, sie aber nicht beim Namen nennen oder gar ihren Vater erwähnen. Dadurch gab es kurzzeitig zwei Quicksilver, doch Marvel hat seine Version ja gleich in Age of Ultron verheizt. Wahrscheinlich besser so.

Marvel war auch clever und hat eine Klausel in seinen Verträgen gehabt, die Studios auferlegten, alle 5 Jahre einen Film mit den lizensierten Charakteren zu machen oder die Rechte wieder an Marvel zu verlieren. Aus dem Grund hat Fox immer schön noch schnell einen miesen Fantastic Four Film rausgeballert, um die Rechte nicht zu verlieren. Dagegen gingen zum Beispiel Daredevil und Hulk wieder an Marvel zurück, da deren Filme so gefloppt sind, dass man sich nicht an weitere Fortsetzungen getraut hat. Universal behielt dabei jedoch dahingehend die Rechte, weiterhin Hulk-Filme machen zu dürfen. Hulk ist daher jetzt bei den Avengers und bekommt keine Solofilme und Daredevil hat seine eigene Serie auf Netflix. Hier finden sich auch Elektra und der Punisher wieder, die ebenfalls an Marvel zurückgegangen sind. Diese waren vorher alle bei Newline Cinema. Ebenso Ghost Rider, den Marvel jetzt in der Serie „Agents of S.H.I.E.L.D.“ einsetzt.

The Punisher, Daredevil und Elektra räumen auf in Hell's Kitchen
Quelle: Netflix

Marvel stieg mit Iron Man nun selbst ins Filmbusiness ein. Man muss dazu sagen, dass Iron Man damals nicht zur A-Riege gehörte in den Comics. Daher wollte ihn anscheinend auch niemand lizensieren. Heute ist er vor allem dank Robert Downey Jr. ein Hit, da dessen Darstellung einfach extrem charismatisch ist und jeder bei Tony Stark nun automatisch an RDJ denkt. Iron Man, Thor und Captain America waren jeweils für sich große Hits. Das entging auch Disney nicht. Disney hat in den letzten Jahren strategisch erfolgreiche Lizenzen aufgekauft und dabei keine Kosten gescheut. Sie kauften Marvel komplett für 4 Milliarden Dollar. Also nicht nur die Filmrechte, sondern ALLES, was Marvel zu dem Zeitpunkt besaß. Unter Disney entstand dann „Avengers“. Es  lag einfach nahe, alle in einem Film zusammenzubringen. Das gab es bis dahin noch nicht und Avengers war als Kassenschlager vorprogrammiert und durchbrach problemlos die magische Milliardengrenze an den Kassen. Disney hat ca. ein Drittel seiner Investition für Marvel alleine mit dem Film wieder reingeholt.

Disney ging mit seinen neu erworbenen Charakteren grundsätzlich anders als die Konkurrenz um und pflegt das Marvel Cinematic Universe, das in sich geschlossen ist und alle Filme miteinander verbindet. Hauptverantwortlich dafür ist Kevin Feige, der das ganze MCU koordiniert und miteinander abstimmt. Marvel nähert sich mit seinen Filmen also an die Comics an und arbeitet sehr gerne mit Crossovern. So werden die Guardians of the Galaxy schon bald auf die Avengers treffen, in Thor Ragnarok wird Hulk erscheinen, usw.

Disney und Marvel zeigen dabei auch ein wesentlich besseres Gespür für die Vorlagen, die Charaktere und was die Fans sehen wollen. Dass jemals ein Hitfilm aus Ant Man oder den Guardians of the Galaxy entstehen würde, hätte wohl vor wenigen Jahren kaum jemand gedacht, doch Marvel hats geschafft.

Der ein oder andere wird jetzt sagen „Moment mal, Spider-Man war doch in Civil War. Du hast doch gesagt, der gehört zu Sony! FAKE NEWS!!!“

Ganz langsam. Marvel und Sony haben einen Deal ausgearbeitet, der Marvel erlaubt, Spider-Man zu nutzen. Außerdem arbeitet man gemeinsam am neuen Film, der diesen Sommer ins Kino kommt. Darüber hinaus ist noch alles offen. Es gibt Gerüchte, dass Sony nach diesem Popularitätsboost wieder alleine Spider-Man-Filme machen will, was schon irgendwo ein Dick-Move wäre, mich bei Sony aber nicht unbedingt überraschen würde.

Mit Fox gibt es derweil keine Verhandlungen mehr. Deren Filme sind erfolgreich genug, dass man keinerlei Bereitschaft zeigt, mit Marvel zusammenzuarbeiten oder gar Charaktere nutzen zu lassen. Wir werden also keinen Deadpool oder Wolverine im MCU sehen. Die Fronten sind ziemlich verhärtet und Marvel/Disney reagieren darauf, indem sie die Fox-Charaktere selbst nur noch sehr stiefmütterlich behandeln. Fantastic Four Comics gibts quasi keine mehr, Wolverine hat man getötet. Man will hier ganz klar keine Werbung mehr für Konkurrenzprodukte machen und erhofft sich Kinoflops und so eine bessere Verhandlungsposition. Wird sich zeigen, ob die Rechnung aufgeht. Mit den X-Men sicher nicht, Deadpool war megaerfolgreich, aber man kann wohl schon sagen, dass die Fantastic Four nach dem letzten Film tot sind. Da ist für Fox absolut nichts mehr zu holen nach drei Trash-Verfilmungen.

Jetzt hab ich viel geschrieben, will euch aber noch eine schöne Übersicht bieten, wer grade was besitzt. TheGeekTwins erstellen regelmäßig solche Übersichten. Tolle Arbeit!

Visual Guide to Marvel Character Movie Rights
Quelle: www.thegeektwins.com

Das ändert sich natürlich ständig. Also wenn ihr diesen Artikel in 5 Jahren lest, wenn SpiFiCo von Disney aufgekauft wurde, erinnert uns mal dran, die Grafik zu aktualisieren 😉

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