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Playstation Now startet in Deutschland – Ein Ersteindruck

Sony hat sein „Netflix für Spiele“ nun auch offiziell in Deutschland gestartet. Ich habe mal ein Testabo abgeschlossen und es mir genauer angeschaut. Hier mein Ersteindruck.

Mit einem PS-Now-Abo hat man auf PlayStation 4 und PCs  Zugriff auf mehr als 400 Spiele für PlayStation 3 und PS4. Diese werden gestreamt, nicht installiert. Das heißt: Keine lange Downloadzeit, keine Updates und Patches, einfach Spiel aus der Bibliothek auswählen, kurz warten und losspielen. Das Spiel läuft dann im Grunde auf den Sony-Servern, ihr bekommt nur das Bild gestreamt und übertragt eure Steuerbefehle. Nutzen kann man das Ganze laut Sony schon mit einem 5 Mbit-Downstream.

Das Angebot ist natürlich nur so gut wie seine Spiele. PS4-Spiele gibt es ein paar, jedoch sind die meisten eher uninteressant, da sie schon Teil von PS Plus waren. Doch für PS3 gibt es einige Perlen: Ico, Shadow of the Colossus, die InFamous-Reihe, alle God of War-Titel, so ziemlich alle Telltale-Spiele, die für Ps3 erschienen, alle Killzones, jede Menge Lego-Spiele, die Batman-Arkham-Reihe, Red Dead Redemption, usw. Sony will das Spiele-Angebot stetig erweitern.

Spielstände werden in der Cloud gespeichert, ihr könnt also von jeder Konsole und jedem PC eure Spiele einfach fortsetzen. Trophäen werden ganz normal eurem PSN-Account angerechnet.

Eine Gratis-Testversion von PS Now steht für sieben Tage bereit. Das monatliche Abonnement ist für 16,99 Euro erhältlich. Das Abo ist monatlich kündbar.

Mein Ersteindruck:

Auf den ersten Blick waren schon mal ein paar tolle Titel dabei, die ich unbedingt mal spielen wollte, aber verpasst habe, da ich keine PS3, sondern eine Xbox 360 hatte. Klassiker wie die Uncharted-Reihe oder bald auch Shadow of the Colossus haben zwar Remaster bekommen, dennoch hab ich einiges gefunden, das ich definitiv noch spielen will. Ich habe eine 100 Mbit-Leitung, die Bildqualität war daher super. Angespielt habe ich u.a. Gravity Rush (PS4), Lego Star Wars, Star Wars – The Force Unleashed, Spec Ops – The Line und Crazy Taxi. Gravity Rush lief butterweich, eigentlich kaum zu unterscheiden von regulär installiertem Spiel. Die PS3-Spiele laufen dagegen teilweise etwas hakelig. Vielleicht liefen die damals schon so, ich kann es leider nicht vergleichen. Sie sind jedoch noch gut spielbar. Ich persönlich hatte teilweise leichten Input-Lag, was die Steuerung manchmal schwammig macht. In den meisten Singleplayer-Spielen sollte das Gewöhnungssache sein, man sollte jedoch nicht glauben, online eine Chance gegen jemanden zu haben, der das Spiel tatsächlich besitzt. Der wird einfach bessere Reaktionszeiten haben. Gerade Shooter oder Prügler, wo Timing und Schnelligkeit eine Rolle spielen, werden da problematisch. Vielleicht haben andere auch bessere Verbindungen und weniger Lag. Wermuthstropfen bei Playstation Now: Aufnahmen und Screenshots sind nicht erlaubt. Ohne Capture-Device könnt ihr nichts aufzeichnen oder streamen. Finde ich sehr schade.

Persönlich mag ich das Konzept von Microsofts Gamepass lieber. Dort lädt man die Spiele tatsächlich runter und installiert sie, statt sie zu streamen. Die kann man entsprechend dann auch spielen, wenn das Netzwerk mal rumzickt. Doch im Endeffekt denke ich, dass Sony hier die Zukunft des Gaming einleutet, ob einem diese Zukunft nun gefällt oder nicht. Denn Dienste wie Playstation Now machen es für den Endkunden unnötig, neue Hardware anzuschaffen. Rein theoretisch bräuchte es keine Playstation 5 oder 6 mehr, jeder könnte mit seiner jetzigen Konsole alle zukünftigen Spiele spielen. Die dicke Hardware muss dann eben serverseitig verbaut werden. Voraussetzung ist natürlich auch Breitband für alle. Momentan gibt es ja noch genügend Menschen, gerade in Deutschland, die sich nicht mal ein Spiel im Store kaufen, weil sie keine Lust haben, eine Woche lang an den 40 GB zu ziehen. Da ist das Amazon-Paket schneller. Solchen Leuten muss man nicht mit Streaming-Modellen kommen. Wenn die Infrastruktur erst mal steht, bieten solche Dienste jedoch unglaubliche Möglichkeiten. Mittels App könnte man irgendwo auf der Welt im Hotelzimmer sitzen und Ps4-Spiele auf Handy oder Tablet zocken. Außer seinem Controller müsste man nichts weiter mitnehmen. Mit gutem Netz und genug Datenvolumen wäre das theoretisch sogar unterwegs, im Park oder sonstwo möglich. Wenn man sich mal ausmalt, wieviele Ressourcen gespart würden, wenn keine neuen Konsolen mehr hergestellt werden müssten und keine Discs gepresst, sind solche Lösungen langfristig die einzige ökologisch vertretbare Variante. Dafür muss der User sich jedoch vom Besitzdenken lösen. Spiele gehören einem dann eben nicht mehr, man zahlt dafür, sie nutzn zu dürfen. Doch wenn man sich den Erfolg von Netflix, Spotify und Co. ansieht, scheint die Bereitschaft da zu sein. Gerade Jugendliche kennen es gar nicht mehr, am Releasetag zum Plattenladen zu gehen und stolz wie Oscar mit dem neuen Album der Lieblingsband nach Hause zu laufen. Ist ja heute auch direkt auf Spotify und ein Monatsabo kostet weniger als das Album im Laden.

A propos Kosten: 16,99 Euro im Monat finde ich etwas zu viel, 5 Euro weniger hätten es auch getan. Microsofts Dienst ist billiger und dank Abwärtskompatibilität können Leute die meisten ihrer alten 360-Spiele ohne Kosten weiterzocken. Davon können Sony-User leider nur träumen. Uns verkauft man uralte PS2-Schinken für unverschämte 15 Euro. Dafür kriegt man in jedem Grabbelladen wahrscheinlich 10 Spiele auf Disc. Da Sony jedoch doppelt so viele Konsolen abgesetzt hat wie Microsoft, sieht man wohl keinerlei Handlungsbedarf, dem Kunden entgegenzukommen.

Ich werde Playstation Now vorerst mal behalten und paar Klassiker nachholen. Für Leute, die mit Last-Gen-Titeln nicht so viel anfangen können, ist der Dienst natürlich nix. Für die ja immerhin 200 Euro im Jahr kann man sich auch einige Current-Gen-Titel zulegen. Ganz zu schweigen davon, dass in den USA das Jahresabo 100 Dollar kostet, was gerade mal so 85 Euro sind. Da wird man in Deutschland schon ein wenig geschröpft. Ich würde jedem mal das Testabo ans Herz legen, alleine schon, um die Performance mit der eigenen Leitung zu testen. Dann könnt ihr selbst entscheiden, ob der Katalog an Spielen die Abokosten für euch rechtfertigt.

 

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