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Resident Evil – Das (angeblich) letzte Kapitel

Ich hatte ja neulich so richtig Bock auf Kunstkino, so einen Film, der mich emotional durchnimmt, mein Weltbild über den Haufen wirft und mich meine Existenz hinterfragen lässt. Stattdessen hab ich Resident Evil gesehen. Ein Film von Hirntoten mit Hirntoten für Hirntote. Unterhaltsam war er (streckenweise) trotzdem.

Inhalt

Mit The Final Chapter serviert uns Paul W.S. Anderson den mittlerweile 6. und vermeintlich letzten (wers glaubt) Teil der Resident Evil Serie.

Der Film dreht sich, wie immer, um Alice (Milla Jovovich), die die Welt vor der bösen Umbrella Corporation retten muss. Die Welt ist jedoch weitestgehend ausgelöscht, wir erfahren, dass nur noch ca. 4400 Menschen auf der gesamten Welt leben. Der Rest rennt als moderndes Fleisch durch die Gegend. Zur Erinnerung: Die Zombieseuche wurde durch die Verbreitung des T-Virus ausgelöst, den Umbrella ursprünglich geschaffen hat, um diverse Krankheiten zu bekämpfen, da der Virus die Fähigkeit hat, Zellen vor dem Absterben zu bewahren und auch tote Zellen wieder zu regenerieren.

Alice erfährt nun von der künstlichen Intelligenz „The Red Queen“ (gespielt von Millas und Paul W.S. Andersons) Tochter, dass es im Hive, dem unterirdischen Labor unter Racoon City einen Gegenvirus gibt, der bei Freisetzung alle Zombies, Monster und Organismen, die vom T-Virus infiziert sind, vernichtet. Die letzte Chance für die verbliebene Menschheit und einen Neuanfang für die Welt.

Doch Dr. Isaacs, durchgeknallter CEO von Umbrella ist ihr mit Söldnern und tausenden Untoten auf den Fersen.

Mein (spoilerfreier) Eindruck

Nach den letzten Teilen und den Verrissen, die ich über den Film schon gelesen habe, bin ich mit sehr negativen Erwartungen an den Film rangegangen. Teilweise wurde ich positiv überrascht, manches war aber auch schlimmer als befürchtet.

Grundsätzliches zur Machart des Filmes: Er ist extrem schnell geschnitten. Da hatte man wohl einen ADHS-Cutter im Einsatz. Ich behaupte, dass es bis auf ganz wenige Ausnahmen, kaum eine Szene gibt, in der eine Kameraeinstellung länger als 5 Sekunden dauert. In Kämpfen und Actionszenen kann die Perspektive auch in einer Sekunde 5x wechseln. Das Tempo ist so hoch, dass man teilweise nicht mehr erkennen kann, was jetzt eigentlich passiert. Ich kann tatsächlich nicht bewerten, wie gut die Szenen choreografiert sind, weil ein Kampf aus tausend Schnitten besteht und wahrscheinlich das „best of“ aus 20 Takes sein dürfte. Anstrengend.

Die Handlung ist durch eine Plotlöcher geplagt und oft einfach nur dumm. Was mich direkt mal am meisten stört, ist der Countdown zum Untergang der Menschheit. Alice hat 48 Stunden Zeit, das Gegenmittel freizusetzen, bevor der letzte Mensch auf der Welt stirbt. Das kann man ja anfangs noch als grobes Zeitfenster sehen, aber später im Film heißt es dann wirklich „Du hast noch 27 Minuten bis die letzte Siedlung fällt“. Wow, ich bin ja schon beeindruckt, wenn C3PO die Überlebenschancen auf 1:17.000 berechnet, aber Tage vorher auf die Minute genau auszurechnen, wann dem letzten Menschen von nem Zombie in den Arsch gebissen wird, ist schon erstaunlich.

Ansonsten folgt der Film der klassischen „10 kleine Jägermeister“-Prinzip (ja, wir sind hier politisch korrekt) und regelmäßig beißt einer von Alices Begleitern ins Gras. Meist durch mehr oder weniger raffinierte Fallen, die aber nicht mit z.B. denen aus „Cube“ mithalten können. Nicht mal annähernd. Wenigstens bekommen wir unseren Laser-Tunnel wieder, den wir aus dem ersten Teil kennen. Wieder muss Alice Verrenkungen und Turnübungen machen, um nicht als Gulasch zu enden.

Wir sehen im Film einige Bekannte wieder, die aber bisher eh immer so blaß waren, dass man sie auch gegen beliebige andere Charaktere hätte austauschen können. Die schauspielerischen Leistungen von Milla Jovovich und Iain Glen gehen an sich voll in Ordnung. Glen hat man schon in weit besseren Rollen gesehen und man weiß, dass er mehr kann. Milla hat eigentlich aus der Rolle immer noch das beste gemacht und kann letztlich ihren Charakter auch nur so gut spielen, wie er geschrieben wurde. Von daher kann man auch ihr nichts vorwerfen. Sie scheint von Teil 1 bis Teil 6 hochmotiviert an die Rolle rangegangen zu sein. Da sie mit Paul W.S. Anderson liiert ist, geht sie wahrscheinlich an die Sache auch anders ran als jemand anders es tun würde.

Ich kann an dieser Stelle ja nicht zu sehr auf den Inhalt eingehen, mir persönlich gefiel jedenfalls, dass man etwas mehr über die Hintergründe des T-Virus erfährt und wie und warum er letztlich ausgebrochen ist. Das wird zwar nur kurz erzählt, hätte wahrscheinlich schon weitaus früher kommen müssen, aber mittlerweile sollte jedem klar sein, dass man sich von Film zu Film gehangelt hat und es nie einen Plan für die Serie gab. Jetzt wird sich zeigen, ob dieser Film wirklich der letzte der Serie ist, wie der Titel ja behauptet, oder ob man irgendwann doch dem Klingeln der Kassen nicht widerstehen kann und doch noch einen raushaut. Ohne spoilern zu wollen: Das Ende hält sich im Grunde jede Option offen.

Als großer Fan der Spiele stand ich der Reihe immer skeptisch gegenüber, weil sie mit der Vorlage kaum noch was zu tun haben. Davon muss man sich lösen und die Filme nehmen, wie sie sind. Grade nach Resident Evil 7, was ja purer Horror auf kleinem Raum ist, sieht man gar keine Ähnlichkeit mehr zu der Filmreihe. Lässt man diese für sich stehen, sind die Filme sicher weiterhin kein Highlight, nicht mal in ihrem Genre. Seichte Unterhaltung bieten sie jedoch schon. Manchmal bekommt man Kopfschmerzen, wenn man sich zum 5. Mal mit der Hand gegen die Stirn gehauen hat, aber das ist auch eine Frage des Trainings. Wenn erst mal genug Hirnzellen tot sind, tuts auch nicht mehr so weh und der Film ergibt auf einmal auch irgendwie viel mehr Sinn.

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