Guardians of the Galaxy

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Doppelpack-Review Guardians of the Galaxy Vol. 2: Call me Taserface!

Steven:

Ralf und ich waren vergangenen Donnerstag beide in Guardians of the Galaxy 2. Nicht zusammen, doch verbunden im Geiste. Nachfolgend wollen wir euch unsere Eindrücke schildern. Ich mache den Auftakt, Ralf gibt dann in Kürze seinen Senf ab. Vorab eine kleine Einleitung in die Handlung des Filmes.

Worum gehts?

Ich geh jetzt nicht auf die Guardians ein, wer Teil 1 noch nicht gesehen hat, sollte das sofort nachholen statt Reviews zu Teil 2 zu lesen. Also direkt zur Story:

Der Film beginnt direkt mit dem Kampf gegen das riesige Monster, das man schon aus dem Trailer kennt. Hier wird nicht lang gefackelt, direkt Action in your face. Dieses Monster ist gekommen, um die Energie aus den Batterien einer riesigen Anlage abzusagen, die Guardians wurden von den Besitzern angeheuert, eben dieses Monster davon abzuhalten. Bei den Besitzern handelt es sich um ein Volk, dass sich die Souvereign nennt und die durch genetische Züchtung nahezu perfekt sind. Entsprechend sind sie auch perfekt arrogant und überheblich. Das kann unser Lieblingswaschbär Rocket gar nicht ab und entschließt sich, ein paar der ultrakostbaren Batterien mitgehen zu lassen. Daraufhin haben die Guardians für den Rest des Filmes die Souvereign am Hintern kleben.

Gamorra hat zudem noch ihre Schwester auf den Fersen, die ihr an die grüne Haut will. Die beiden wurden von Thanos aufgezogen und zum ständigen Konkurrenzkampf angespornt. Nebula hat einen tiefen Hass sowohl auf Thanos als auch ihre Schwester entwickelt, die immer einen Tick besser und Favorit ihres tyrannischen Ziehvaters war.

Das alles wird jedoch schnell zur Nebenstory, denn die Guardians treffen auf Starlords lange verschollenen Vater. Beide sind überglücklich, einander gefunden zu haben und der Vater hat bereits eine gemeinsame Zukunft mit seinem Sohn geplant. Viel mehr kann an dieser Stelle nicht verraten werden. Der Film bietet wesentlich mehr, aber ich will hier keinem den Spaß verderben.

Meine Meinung:

Ich sags direkt: Ich fand den Film klasse und er bewegt sich definitiv in meinen TOP 3 der Marvelfilme. Oftmals hab ich eine leichte Euphorie nach dem Sehen eines Filmes, daher wäre er aktuell knapp auf Platz 2 hinter Captain America 2 – Winter Soldier. Aber sowas kann sich bei mir auch noch ändern, wenn ich den Film ein zweites Mal anschaue.

Aber was war denn nun so geil? Alles!

Der Film fängt schon genial an. Der Kampf gegen das Monster ist dabei nur eine Bühne für ein anderes Spektakel, eine wunderbare kleine Tanzeinlage von Baby Groot. Das pegelt den ganzen Film schon mal gleich auf ein charmantes, humorvolles Level ein, das er auch weitestgehend bis zum Schluss halten kann. Baby Groot ist auch der heimliche Star des Films und hat zum einen a la Gestiefelter Kater die großen Kulleraugen, die das „Awwwww. is der süß“-Syndrom auch beim härtesten Typen auslösen. Zum anderen ist es auch immer wieder für gute Gags verantwortlich, weil er eben auch geistig nicht viel weiter ist als ein Säugling. Gerade im Gespann mit Rocket entstehen hier immer wieder herrliche Situationen. Rocket ist aber auch Teil eines weiteren Comedy-Gespanns, denn auch mit Drax liefert er sich saukomische Diskussionen und Zwiegespräche. Gerade Drax war bisschen mein Sorgenkind, da ich skeptisch war, ob seine Art der Gags auf Dauer nicht nervtötend sein würde. Ich als Fan von The Big Bang Theory würde sagen: wer Sheldon mag, wird auch Drax mögen. Er hat teilweise auch typische Merkmale eines Aspberger-Patienten. Er sagt ungefiltert, was er denkt, hat keinerlei Verständnis von Sarkasmus oder Ironie, nimmt alles wörtlich und kann Gefühle anderer absolut nicht interpretieren. Dadurch ist er gnadenlos ehrlich, taktlos und manchmal einfach ein Arschloch. Aber ein liebenswertes Arschloch, das es eigentlich nie böse meint. Zwischen Peter „Starlord“ Quill und Gamorra knistert es immer wieder im Film und die Chemie zwischen Chris Pratt und Zoe Saldana stimmt einfach. Ich glaube, Chris Pratt kommt aber auch mit so ziemlich jedem klar. Man kann sagen, dass das gesamte Team einfach super zusammen passt, sich gegenseitig die Bälle zuspielt und gutes Timing für Gags beweist.

Berühmte Gastauftritte gibt es von Kurt Russel, der Peters Vater spielt und so natürlich eine der Hauptrollen hat. Die spielt er auch gewohnt gut und es ist immer wieder schön, Russel auf der Leinwand zu sehen. Seine Auftritte werden ja dann doch langsam immer seltener.

Außerdem ist Sylvester Stallone mit an Board, spielt aber wirklich nur eine kleine Nebenrolle. Stallone wirkt leider etwas steif und wäre absolut austauschbar. Da er sicher nicht billig war, fragt man sich da schon, ob das hätte sein müssen. Ich glaube auch nicht, dass seine Rolle in zukünftigen Filmen nochmal auftaucht.

Überraschend groß ist die Rolle von Yondu in dem Film. Hier kann man leider auch nicht viel zu sagen, ohne zu spoilern, aber er hat jedenfalls einige coole Auftritte und Kampfszenen und wird zunehmend sympathisch. Man erfährt mehr über ihn, seine Beziehung zu Peter Quill, den er ja damals von der Erde entführt und jahrelang mit an Board hatte und erkennt seinen weichen Kern

Neu mit an Board ist Mantis, die in Obhut von Starlords Vater aufgewachsen ist und nie Kontakt zu anderen hatte. Entsprechend ist sie ähnlich sozial „gehandicappt“ wie Drax. Entsprechende Gags gibts zahlreich.

Hier lässt sich zusammenfassen, dass der Film mit seinen Charakteren steht und fällt. Regisseur James Gunn gelingt es, alle Charakterkonstellationen wunderbar  zu „komponieren“. Egal, welche Charaktere grade zusammen zu sehen sind, sie harmonieren, ergänzen sich und arbeiten gegenseitig ihre Eigenheiten heraus.

Gegen Ende wirds dann sogar richtig emotional, womit ich nicht gerechnet habe. Hier hätte es auch schnell kitschig werden können, vielleicht war es teilweise auch nah dran, aber für einen Film, mit so hoher Gagdichte und permanent guter Laune war das schon alles sehr gut umgesetzt.

Über Special Effects lass ich mich hier nicht aus, die sind natürlich top. Monster, Weltraumschlachten, exotische Planeten, alles fantastisches Eye-Candy. Hat sicher auch niemand was anderes erwartet.

Wenn ich irgendwas kritisieren müsste, dann vielleicht den Soundtrack. Teil 1′ „Awesome Mix Vol. 1“ war genau das: awesome! In Teil 2 sind auch bekannte Hits der 60er und 70er verwurstet, passen teilweise auch super zu den Szenen, aber es fehlen die Kracher. Den Soundtrack des ersten Teils kann man gut und gerne auf jeder Party laufen lassen. Da kann der zweite Teil nicht mithalten. Aber das ist wirklich ein sehr kleiner Wermuthstropfen.

An dieser Stelle mal genug von mir, Ralf hat sicher noch einiges beizusteuern.

Ein Qualitätskriterium für mich ist immer „Will ich den Film nochmal sehen?“. Definitiv! Dann aber im Original. Von mir bekommt der Film mal lockere funky 8,5/10.

 

Ralf:

Nun, Steven und ich gehen in der Einschätzung dieses Films weitgehend konform. Das ist nicht immer so, und manchmal kriegen wir uns deshalb richtig in die Haare. Das hätte sicherlich gewisse Showwerte, dies hier nachzulesen – aber wie gesagt, wir finden den Film beide geil.

Steven hat eigentlich ziemlich alles Relevante gesagt, und deshalb bleibt mir die undankbare Aufgabe, die übrig gebliebenen Brotkrumen aufzusammeln.

Obwohl Steven die Eingangsszene bereits beschrieben hat, möchte ich nochmal auf diese eingehen, da sie sozusagen exemplarisch für den gesamten weiteren Film ist. Die bombastische Action bildet hier lediglich die Kulisse für Baby-Groot, der einfach nur die Musik genießen und dazu tanzen will. Wer Teil 1 gesehen hat, weiß, dass Musik eine wirklich tragende Rolle spielt. Und die Eingangsszene demonstriert bereits, warum meiner Meinung nach die Guardians-Filme soviel besser als alle anderen MARVEL-Filme sind (ja, genau, Steven – auch besser als ‚Winter Soldier‘!). Denn die vorgebliche Leichtigkeit der MARVEL-Filme im Vergleich jener von DC wirkt aufgesetzt, wenn man die GotG-Filme gesehen hat. Überhaupt wirken beide Filme so, als wären sie nicht im MARVEL-Universum angesiedelt, sondern vielmehr (neben DC’s) als ein drittes, cooleres und weitaus mehr ironisch heruntergebrochens Universum. Ja, sicher, auch die anderen MARVEL-Filme haben ihre lustigen Momente, die mich in der Vergangenheit gut unterhalten haben (weitaus mehr als die DC-Filme) aber im Vergleich zu den beiden Teilen von GotG wirken diese Momente im Nachhinein seltsam bemüht.

Während die anderen MARVEL-Filme wie zartbitter-Schokolade schmecken, munden die Guardians-Filme wie fluffiges Mousse au Chocolat.

Es ist erfrischend, einen MARVEL-Film zu sehen, der nicht wie die anderen als ein Puzzel-Teil eines Universmus dient, welches man nur vollständig begreifen kann, wenn man die anderen Filme sieht.

Ursprünglich freute ich mich darauf, das die GotG irgendwann zu den Avangers stoßen werden. Mittlerweile denke ich mir: Bleibt weg von den Spaßbremsen und zieht euer eigenes Ding durch! 🙂

Kurt Russel als Ego wurde dankenswerter Weise nicht in den Trailern vorweggenommen und überrascht somit als Vater von Starlord. Dass sein Auftritte immer seltener werden (Steven), kann ich so nicht unterschreiben. Besonders in ‚The Hateful Eight‘ hat er eine weitere respektable Marke in seine Biographie gestanzt, aber auch im eher unbekannten ‚Bone Tomahawk‘ lieferte er jüngst eine solide Leistung ab. Nicht unerwähnt bleiben sollte hier auch seine Mitwirkung bei den letzten beiden Teilen von ‚The Fast & Furious‘ und ‚Deepwater Horizon‘. Die Rolle seines Lebens hatte er aber bereits vor langer Zeit in dem von mir besprochenen Klassiker ‚Die Klapperschlange‘

Bei den MARVEL-Filmen geht es thematisch mindestens um die Rettung von Galaxien, was auf Dauer ziemlich ermüdend ist. Schade, dass auch dieser Film keine Ausnahme bildet. So seltsam es klingen mag, aber ich hätte mehr dem Heil von Teilen der Guaridans mitgefiebert, als immer wieder um ganze Galaxien zu bangen, dessen ich mittlerweile überdrüssig bin. Denn im Gegensatz zu den Avangers und den Spin-Offs ist man sich nie wirklich sicher, dass wirklich alle liebgewordenen Helden überleben. Stichwort: Groot.

Hier wurde leider Potential verschenkt um sich von den anderen MARVEL-Filmen noch mehr abzusetzen, was den Filmgenuss aber nicht über Maßen beeinträchtigt.

 

Chris Pratt ist neben Tom Hardy (Mad Max) mein zeitgenössischer Lieblingsschauspieler. Er ist die perfekte Besetzung für Peter Quill/Starlord, da er hier seinen natürlichen Charme perfekt in die Rolle integrieren kann. Da ist es fast schon ein Fun-Fact, dass er einen fast identischen Charakter in der Neuverfilmung von ‚Die Glorreichen Sieben‘ spielt.

Baby-Groot ist tatsächlich so niedlich, wie eine Pflanze nur sein kann! Bin ja eigentlich immun gegen irgendwelche Merchandise-Artikel, aber die Figur gehört zwingend auf meinen Büro-Schreibtisch.

Drax (Steven’s Sorgenkind) hat mir in der Interaktion mit der neu eingeführten Charakterin Mantis tatsächlich die meisten und besten Lacher beschert, was tatsächlich eine mittelgroße Überraschung ist. Ich hoffe im dritten und wohl leider letzten Teil sieht man noch mehr davon!

Rocket, als selbstzweifelnder, genetisch manipulierter Waschbär ist nach wie vor eine Freude zuzusehen, wobei er meiner Meinung nach im ersten Teil die stärkeren Momente hatte.

Gamorra, der Love-Interest von Starlord zeigt deutlich mehr Gefühle als im ersten Teil, auch in der Beziehung zu ihrer Schwester Nebula.

Yondu hat, wie Steven schon andeutete, eine wirklich tragende Rolle in dem Film und ist die Ursache für den wirlich emotionalen Ausklang, der dem härtesten Schurken auf und vor der Leinwand noch Tränen in die Augen treibt.

 

Alles in Allem ist der Film wirklich großes Unterhaltungskino, das meisterhaft die Klaviatur der Emotionen bedient. Man hat Pipi vor Lachen in den Augen, und gegen Ende auch ob emphatischer Rührung.

Die Action ist bombastisch und hervorragend inszeniert, aber wohltuender Weise bildet sie lediglich den Hintergrund zu dem Beziehungsgeflecht der Charaktere.

Wie bereits erwähnt, deutet die Eingangsszene dies schon an.

Mag sein, dass die Avangers schlagkräftiger sind. Cooler sind die Guardians aber allemal.

Und sehenswerter auch.

 

Guardians of the Galaxie Vol 1 (Referenzwert): 9,2/10

Guardians of the Galaxie Vol 2: 9,0/10

 

Ich habe den Film in 3D gesehen, und kann nur allen empfehlen, dies auch zu tun!

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