Injustice 2

© Netherrealm Studios

Double-Review: Injustice 2 – Im Multiversum gehts zur Sache

Endlich ist das wohl von Ralf am meisten herbeigesehnte Spiel erhältlich: Injustice 2. Doch ist es wirklich so gut? Ich muss sagen, dass ich zunächst nicht auf den Hypetrain aufgesprungen bin. Ich mochte den ersten Teil, aber wenn man ehrlich ist, war es vor allem die DC-Thematik. Rein spielerisch fand ich es immer etwas träge und nicht so dynamisch wie Mortal Kombat Spiele aus dem gleichen Hause. Es wirkte auch alles sehr steril. Von daher bin ich mal locker, ohne große Erwartungshaltung an das Spiel herangegangen und muss sagen, es übertrifft den Vorgänger in jeglicher Hinsicht.

Was geht ab in Injustice 2

[Steven]

Injustice 2 ist ein klassischer Prügler im Stile von Mortal Kombat, nur ohne Blut und Gedärms. Es gibt Modi für Single Player, aber natürlich auch für Multiplayer. Fangen wir an mit dem Single Player.

Es gibt einen Story Modus, der inhaltlich an den Vorgänger anknüpft. Die Geschichte ist etwas wirr, wenn man Teil 1 nicht gespielt hat und auch die Comics dazu nicht kennt. Daher kurze Zusammenfassung des Vorgängers: Wir befinden uns in einem alternativen Universum. Der Joker hat Superman unter Drogen gesetzt, wodurch dieser seine geliebte Lois Lane tötet. Außerdem hat der Joker noch einen Nuklearsprengkopf in Metropolis detoniert und Millionen Menschen auf dem Gewissen. Superman hat die Schnauze voll, tötet den Joker und übernimmt die Macht. Um zukünftig Verbrechen zu verhindern, schafft er einen faschistischen Polizeistaat. Batman geht in den Widerstand gegen dieses Regime. Jetzt wirds komplizierter: Batman entdeckt ein paralleles Universum, in dem der Plan des Jokers scheiterte und reist dort mit verbündeten Helden hin. Mehr muss man erst mal nicht wissen. Man trifft jedenfalls auf alternative Versionen der Helden und stürzt am Ende Supermans Regime.

Teil 2 setzt die Story nun fort. Es gibt immer noch Konflikte zwischen Helden, die auf Batmans Seite standen und loyalen Superman-Anhängern. Manche haben auch das Lager gewechselt und werden von ihren ehemaligen Kameraden jetzt entsprechend als Verräter angesehen. Man hat also eine ähnliche Konstellation wie in Marvels Civil War. Nun nähert sich der Erde jedoch eine neue Gefahr in Form von Brainiac, der bereits Krypton zerstört hat und nun noch Superman und Supergirl vernichten will, um den Job abzuschließen. Wenn er schon mal da ist, will er auch gleich paar Städte der Welt miniaturisieren und mitnehmen, um das Wissen der Menschheit für sich zu konservieren. Den Rest des Planeten will er vernichten. Das müssen unsere Helden natürlich verhindern, doch hat Brainiac auch Kollaborateure auf der Erde, denen man dafür erst man das Gesicht neu sortieren muss. Die Story ist auch hier wieder in Kapitel eingeteilt, in jedem spielt man einen anderen Charakter. Neu ist, dass es auch Kapitel gibt, in denen man zwei Charaktere hat und vor jedem Kampf wählen kann, wer antreten soll. Sonst eigentlich alles beim Alten. Die Story sollte man auf jeden durchspielen, da man so auch Brainiac freispielt.

Weiterer wichtiger Modus für Single Player ist das Multiversum. Dieses ist im Grunde nichts anderes als die Türme in Mortal Kombat. Zeitlich begrenzt kann man hier Herausforderungen spielen und Belohnungen kassieren. Täglich, teilweise stündlich gibts neue Aufgaben, so dass man langfristig was zu tun hat.

[Ralf]

Nun ja, die Story dient halt dazu, jeweils Gründe zu liefern, sich gegenseitig auf die Omme zu hauen. Bei der Vielzahl der Charaktere ist das natürlich eine scripttechnische Herausforderung. Oft wirkt das natürlich, als würden zwei Halbstarke auf dem Schulhof aneinandergeraten und sich nur deshalb prügeln, weil ihnen die sozialen Kompetenzen fehlen um Konflikte anders zu bewältigen. Aber hey, dies ist schließlich ein Prügler und keine Kaffeekränzchen-Simulation!

Ich habe ziemlich schnell den Überblick verloren, warum in Einzelnen welcher Held welchem Kontrahenten die Fontanelle bearbeiten muss, aber wie gesagt, das störte nicht weiter. Die Gegner sind halt jeweils von zwei verschiedenen, verfeindeten Fraktionen, dass sollte da schon reichen. Mehr als die Story genoss ich die wirklich schicken Zwischensequenzen, die oft auch mit einer Prise Humor gewürzt sind. Besonders Green Arrow brachte mich öfter zum Schmunzeln.

Der Multiplayer

Charakterauswahl: Bislang stehen 29 Charaktere bereit

[Steven]

Für viele ist der Multiplayer sicher wichtiger in einem Spiel wie Injustice und man wird auch nicht enttäuscht. Zu Beginn stehen 27 Charaktere zur Auswahl, 28, wenn man den vorbestellerexklusiven Darkseid mitzählt. Früher oder später wird es den sicher auch nachzukaufen geben. Wenn man die Story abschließt, kommt noch Brainiac hinzu. Außerdem sind 3 DLC-Packs mit je 3 Kämpfern angekündigt. Das erste wird Starfire, Red Hood und Sub Zero aus Mortal Kombat enthalten.

Es gibt natürlich klassisch lokalen Multiplayer  und Online Multiplayer mit Ranking Modus. Wenn man keinen harten Tritt in die Eier des eigenen Selbstbewusstseins bekommen will, sollte man vorher bisschen üben, bevor man online geht. Finde, das trifft auf Prügler noch krasser zu als auf Shooter. Wild in die Menge ballern bringt oft noch paar Kills und Erfolgserlebnisse, aber Mann gegen Mann zählt dann doch schon Skill. Als n00b wird man da ordentlich durch die Mangel gedreht.

[Ralf]

Dem habe ich nichts hinzuzufügen, außer dass sich die Angaben über den Umfang der Charaktere auf die Standart-Version beziehen, die wir beide besitzen. Die Ultimate Edition beeinhaltet u.a. noch weitere 9 DLC-Charaktere, die aktuell aber noch nicht zum Download bereit stehen.

Das Gear-System

[Steven]

Neu in Injustice 2 ist die Möglichkeit, seine Kämpfer mit neuer Ausrüstung zu verbessern. Rüstungsteile erhöhen z.B. die Lebensenergie oder machen schneller, etc. Natürlich verändern sie den Charakter auch optisch. Hier gibts übrigens eine tolle Option. Wen man ein Rüstungsstück hat, das einem optisch gut gefällt, aber keine so dollen Werte hat, kann man die Werte eines anderen Teils darauf übertragen. Man bekommt solche Rüstungsteile einfach durch Spielen. Entweder man bekommt sie direkt als Belohnung oder man bekommt Kisten, in denen sich Rüstungen oder andere Farben für die Outfits befinden. Die Kisten können auch gekauft werden. Manche Teile erfordern, dass der jeweilige Held auch ein bestimmtes Level hat. Das motiviert natürlich auch zu weiterem Zocken. Dann spielt man halt noch paar Runden, um Batman aufzuleveln, damit man seine geile, neue Maske tragen kann. Im Multiplayer kann man übrigens auswählen, ob gepimpte Helden erlaubt sind oder nur Standardausrüstungen. Sonst könnte es auch teilweise unfair werden, wenn ein Spieler diverse Epic-Rüstungsteile trägt und der andere quasi mit runtergelassenen Hosen dasteht.

[Ralf]

Nicht hinzuzufügen. Ich schrieb vorher, dass man in jeden Kampf Ausrüstungsgegenstände bekommt. Das ist falsch. ‚Tschuldigung.

Die Optik

[Steven]

Das Spiel hat hervorragende Grafik. Wir habens auf ner normalen Playstation 4 gespielt, auf einer Pro siehts wahrscheinlich nochmal besser aus. Highlight sind die Gesichtsanimationen der Charaktere, die wohl zum besten gehören, was man in dem Bereich bisher gesehen hat. Da kann Mass Effect Andromeda nicht ganz mithalten *hüstel*. Die Charaktere können wirklich wunderbar Emotionen ausdrücken. Es fehlt das letzte Quentchen zum Fotorealismus, aber wenn wir mal vergleichen, wie wir damals z.B. den Final Fantasy Film abgefeiert haben und meinten, das wäre jetzt das Nonplusultra, ist es schon amüsant. Heute putzt ein Prügelspiel in Echtzeit den wahrscheinlich wochenlang gerenderten Film weg. Da fragt man sich, ob man in 10 Jahren ein solches Spiel anschaut und auch denkt, boah, sah das scheiße aus. Kaum vorstellbar, aber konnten wir damals ja auch nicht. Wenn man über die Charaktere spricht, muss man natürlich auch über deren Design sprechen. Oftmals weichen die Charaktere etwas von ihren Comicvorlagen ab. Natürlich erst recht, wenn man beginnt, sie mit neuen Rüstungen auszustatten. Mit manchen Kostümen kann ich mich dann aber auch nur noch schwer anfreunden. Ich persönlich hatte bei manchen Charakteren auch das Problem, dass die Gesichter einfach nicht dem entsprechen, was ich aus den Comics kenne. Bruce Wayne sieht aus wie der verschollene Bastardsohn von Nathan Drake und Vitali Klitschko. Sorry, aber das fand ich wirklich furchtbar. Superman hat dagegen Ähnlichkeit mit Timothy Olyphant, bekannt z.B. aus Deadwood. Black Adam sieht aus wie der junge David Suchet, der Jokes wie Tom Hiddleston usw. Find ich seltsam und fragwürdig, warum man sich hier teilweise so an bekannte Schauspieler annähert, die wahrscheinlich auch keinen Cent dafür bekommen haben. Man unterscheidet sich grad noch genug, nicht verklagt werden zu können, hab ich den Eindruck. Warum dann nicht direkt Ben Affleck, Henry Cavill und Co.? Ja, ich fordere ein Jasom Momoa Skin für Aquaman. Make it happen!

Neben den Charakteren sind natürlich die Stages wichtigstes Element des Spieles. Auch diese sind super in Szene gesetzt und voller Details. Man kann auch wieder Elemente der Umwelt nutzen, um dem Gegner einen neuen Scheitel zu ziehen und sich auch durch die Wand auf eine andere Ebene prügeln. Alles spektakulär inszeniert und immer wieder spaßig. Die Supermoves der Helden sind natürlich auch wieder dabei und ebenso bombastisch, wenn auch teilweise weniger kreativ als im Vorgänger. Jedenfalls wird das optische Zentrum eures Gehirns schön durchgenudelt von dem Spiel. Auf unserem Youtube-Kanal gibts auch Videomaterial, da könnt ich euch selbst überzeugen. Um Spoiler zu vermeiden, verzichte ich auf ein Einbetten hier.

[Ralf]

Wie Nathan Drake und Vitali Klitschko einen Bastardsohn zeugen konnten, bleibt wohl Stevens Geheimnis. 🙂 Ich bin rundherum ein stückweit begeistert von der Graphik und die Programmierer haben wohl alles herausgeholt, was die Lötstellen der PS4 hergaben.

Mit den Gesichtern habe ich weniger Probleme und die Ähnlichkeiten sind aus meiner Sicht eher zufällig und vom Betrachter abhängig. Und Steven, wer nicht mag, dass die Recken von der Comicvorlage abweichen, der kann doch nicht ernsthaft ein Jasom Momoa-Skin fordern! Schon ne geile Besetzung für Justice League, aber optisch weiter entfernt von der Comic-Vorlage kann man doch kaum sein.

 

Mein Fazit:

[Steven]

Mit Injustice 2 hat Netherrealms ein schönes Stück Fratzengeballer abgeliefert, dass für DC-Fans insbesonder, aber nicht nur für diese einen Heidenspaß darstellen dürfte. Die Kämpfe sind flüssig, dynamisch, aber auch immer strategisch. Mit Buttongemashe und Movespamming macht man vielleicht den kleinen Bruder nieder, aber spätestens online wird man ganz schnell die Scherben des eigenes Egos aufkehren, wenn man keine Kombos, Blocks, etc. beherrscht. Zum Glück bietet der Single Player schon genug, um auch Online-Muffeln langfristig zu motivieren. Auf das Gear-System hatte ich bei Ankündigung absolut null Bock, weil ich dachte, das macht alles unnötig kompliziert und man muss sich ewig damit befassen, was jetzt das beste Ausrüstungsteil ist. Dem ist aber nicht so. Man sieht direkt, welche Werte sich verbessern oder verschlechtern und man muss nicht studiert haben, um schnell die besten Teile zu ermitteln. Vielleicht hätte man die Option bieten sollen, automatisch die beste Kombination anzulegen, dann MUSS man sich nicht damit befassen, wenn man nicht will.

Einziger Kritikpunkt wäre eben das angesprochene Charakterdesign, hier bin ich halt bisschen festgefahren in meinen Vorstellungen und will, dass meine Charaktere so aussehen, wie ich sie auch aus den Comics kenne. Dort werden sie ja auch öfter mal überarbeitet, doch auch da lässt der Shitstorm dann meist nicht lange auf sich warten. Superman in Jeans und T-Shirt? Fuck you, DC!

Was wirklich toll ist, sind die Interaktionen der Charaktere. Selbst im normalen Versus-Modus treten die Kontrahenten zu Beginn auf uns sprechen zu ihrem Gegner. Nicht Standardsätze, sondern individuell zum Gegner passend! Wäre in Mathe aufgepasst hat, kann ja mal ausrechnen, wie viele Konstellationen es gibt bei 29 Kämpfern. Hier machts auch nochmal einen Unterschied, wer Player 1 und wer Player 2 ist, da die Charaktere oft direkt auf das antworten, was Player 1 als erstes gesagt hat. Unglaublich, wie viele Zeilen Dialog hier aufgenommen werden mussten. Ganz großes Tennis.

Für Freunde der gepflegten Klopperei sei das Spiel wärmstens empfohlen. Grade für ein Prügelspiel bietet es erstaunlich viel Inhalt und ist mit sehr viel Liebe zum Detail gemacht. Hut ab, Netherrealms, damit hätte ich nicht gerechnet.

[Ralf]

Netherrealms hat abgeliefert und wird wohl weder bei Einsteigern noch Button-Virtuosen viele Wünsche offen lassen. Bis jetzt habe ich nur den Story-Modus durchgespielt und fühle mich noch nicht bereit für Wertungskämpfe in der garstigen Online-Welt. Als Kämpfer liegt mir am ehesten Green Arrow, der mich zwar als Comiccharakter eher kalt lässt, aber im Spiel im Nahkampf und Fernkampf am besten liegt, da er auch ziemlich schnell ist. Netter Nebeneffekt des Spiels war, dass ich ein paar neue DC-Helden und -Schurken kennen gelernt habe. Bin mal gespannt, was Neatherrealm noch an weiteren Charakteren nachreicht und werde vermutlich dafür noch den ein oder anderen Euro investieren. Auf meiner Wunschliste ganz oben steht Ras Al Ghul, mein Lieblings-Batmangegner.

Insgesamt klare Kaufempfehlung, die sich nicht nur an Comic-Fans richtet, da das Spiel für Unbefleckte auch ein netter Einstieg in das DC-Universum ist.

 

Update: Aufgrund meiner Multiplayer-Erfahrungen mit Steve habe ich meine Wertung auf 8.1 herabgesetzt.

 

 

 

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