Iko Uwais als Yuda in Merantau

© Tiberius Film

Review: Merantau – Martial Arts Action in Jakarta

Ich bin ja großer Fan der „The Raid“-Filme von Gareth Evans, die ich auch schon in meinem Artikel zu den Judge Dredd Filmen erwähnt habe. Irgendwann bekommen die beiden auch noch Reviews.

Jedenfalls hab ich dann auf Netflix den Film „Merantau“ entdeckt, der im Grunde eine Art geistiger Vorgänger ist. Gleicher Regisseur, gleicher Hauptdarsteller, gleiche Kampfsportaction. Das wollt ich mir mal näher anschauen.

Worum gehts?

„Merantau“ nennt man anscheinend in den Philippinen eine Art Reifeprüfung. Als junger Mann muss man beweisen, dass man auf eigenen Beinen stehen und für sich sorgen kann. Unser Protagonist Yuda (gespielt von Iko Uwais) hat diese Prüfung vor sich. Er lebt mit seiner Mutter und seinem Bruder auf dem Land und will nach Jakarta reisen, um dort die Kampfsportart Silat zu unterrichten und so seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Doch alles läuft nicht so wie geplant in der Hauptstadt, das Haus, in dem er unterkommen sollte, ist nur noch eine Baugrube und er muss erst mal auf der Straße leben. Als er von dem kleinen Jungen Adit beklaut wird, verfolgt er ihn  und stößt so auf dessen Schwester Astri, die es gerade mit ihrem Zuhälter zu tun hat. Ganz Kavallier kann Yuda das natürlich nicht mit ansehen, und trichtert dem Kerl erst mal Manieren ein. Doch den haben wir nicht zum letzten Mal gesehen. Für zwei zwielichtige Briten besorgt er junge Mädchen, die dann verschifft und zur Prositution gezwungen werden. Auch Astri verkauft er an die beiden Brüder. Yuda setzt nun alles daran, Astri zu befreien. Jedoch stehen ihm unzählige Typen im Weg, die quasi nur um Prügel betteln. Und wenn Iko Uwais eines kann, dann Gesichter mit Stil neu arrangieren.

Meine Meinung

Der Film lebt natürlich rein von seiner Action. Über mehr als die muss ich eigentlich gar nicht schreiben. Wir haben hier kein Bühnenstück von Shakespeare, wir haben 1A-Fratzengeballer. Iko Uwais bietet hier einen Kampfstil, den man so im Westen nicht wirklich kennt. Silat ist quasi DER Kampfstil der Philippinen und der gesamten Region um Malaysia und war auf der Leinwand bisher nicht wirklich zu sehen. Ich bin kein Kampfsportler und kann den Stil daher schwer beschreiben. Jedenfalls verteilt Uwais sehr schnelle, wuchtige Tritte und Schläge, setzt teilweise improvisierte Waffen ein, was wiederum an Eskrima erinnert und zeigt regelrechte Akrobatik. Die Action wird durch schnelle Schnitte, teilweise ungewöhnliche Perspektiven und Kamerafahrten sehr gut eingefangen. Die Action wirkt einfach sehr dynamisch. Im direkten Vergleich zu den beiden The Raid Filmen merkt man jedoch, dass Gareth Evans hier noch weniger Erfahrung hatte und das Budget auch einfach niedriger war.

Manches wirkt noch etwas holpriger, die Choreographien sind nicht immer perfekt und insbesondere, wenn Leute aus größeren Höhen fallen, merkt man deutlich, dass sie an Drähten hängen. The Raid und insbesondere Teil 2 hängen die Messlatte aber auch wirklich enorm hoch. Was da an Martial Arts Action abgefeiert wird, sucht seinesgleichen. An dieser Stelle sei daher aber klar empfohlen: Wer noch keinen dieser Filme gesehen hat, sollte mit Meratau anfangen. Dann leiden die Szenen nicht durch den direkten Vergleich der wirklich krassen Nachfolger.

Überraschend gut gefallen hat mir der Soundtrack, der sowohl die Actionszenen gut unterstreicht, aber auch atmosphärische Klänge in den ruhigeren Szenen zu bieten hat. Hätte ich jetzt nicht unbedingt erwartet.

Fazit: Wer wie ich die The Raid Filme mochte, sollte auch diesen Film mal anschauen. Iko Uwais hätte definitiv das Zeug zum neuen Actionstar auch am Hollywood-Himmel, aber leider müssen die Amis wieder mal ein Remake von The Raid drehen, statt das Original groß rauszubringen. Iko hat zumindest eine kleine Rolle in „Star Wars Episode 7 – Das Erwachen der Macht“ ergattert und wollte hier Han Solo ans Lederjäckchen. Ich weiß nicht, wie gut sein Englisch ist, aber ich würde mich freuen, wenn er in Hollywood eine Chance bekommen würde. Das hatte ich allerdings auch bei Tony Jaa (Ong Bak-Reihe) gehofft. Ansonsten muss ich wohl auf The Raid 3 warten.

2 Gedanken zu „Review: Merantau – Martial Arts Action in Jakarta

  1. Aufgrund Deines Reviews werde ich mir den Film auf jeden Fall ansehen. Die Ong-Bak-Filme waren ja damals kampfsporttechnisch ein wirkliches Novum, verglichen mit amerikanischen Martial Arts Filmen.
    Aber Raid 1 und besonders Raid 2 setzten wirklich die Latte noch einmal gutes Stück höher und ich kann mir kaum vorstellen, wie die noch zu toppen sein sollen.
    Eine positve Ausnahme der amerikanischen Martial Arts Filme bilden m.M.n. übrigens die Undisputed-Filme mit Scott Adkins. Dieser spielt sonst eigentlich nur in B-Filmen mit, aber hier darf er mal, wie er kann. Sollte man auf jeden Fall gesehen haben. Scott Adkins würde ich sowieso gerne in mehr gut produzierten Produktionen sehen. Der Typ hat kampftechnisch wirklich was drauf, und hat eine Physis die Thor und Captain America im Vergleich schmächtig aussehen lassen. Taugt als Bad Ass-Endgegner, wie auch als Heldenfigur. Den würde ich gerne mal im Kino gegen Iko Uwais kämpfen sehen!

    Die Raid-Filme (besonders den 2.) müssten wir sowieso mal ein weiteres Doppel-Pack-Review widmen…

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