Spider-Man Homecoming

© Sony / Marvel / Disney

Review: Spider-man: Homecoming

Spider-Man, Spider-Man, does whatever a spider can. Viele werden diese Musik im Ohr haben, wenn sie an das menschliche Krabbeltier denken. Umso geflashter war ich dann, als genau diese Melodie in moderner Version dann auch im Vorspann des Filmes lief. Well played, Marvel, well played.

Bevor ich auf den Film eingehe, kurz mein Hintergrund in Sachen Spinnenmann: Als Kind mochte ich Spider-Man sehr. Ich hab noch dunkel die TV-Serie aus den 70ern in Erinnerung, auch wenn ich ein Kind der 80er bin. Darum blieb wohl auch eher die Cartoon-Serie „Spider-Man und seine außergewöhnlichen Freunde“ bei mir hängen. Die habe ich als Kind wirklich geliebt. Seine Freunde waren damals Ice-Man, den wir alle als Mitglied der X-Men kennen, und Firestar, die extra für die Serie geschaffen wurde. Gute Zeiten waren das. Nach und nach haben Spidey und ich uns dann jedoch etwas auseinander gelebt und uns aus den Augen verloren. Mal ein Comic hier und da, die Filme hab ich zwar alle gesehen, aber irgendwie war es nicht mehr das Selbe. Kennt ihr das, wenn ihr einen alten Schulfreund nach vielen Jahren das erste Mal wiederseht und euch irgendwie nichts mehr zu sagen habt? So ging es mir mit Raimis Spider-Man und auch den Garfield-Reboots. Ich war skeptisch, ob Tom Holland daran was ändern kann, ob er die alte Freundschaft wiederbeleben kann.

Spider-Man: Homecoming

Die Handlung:

Die Story beginnt kurz nach dem ersten Avengers-Film und dem Angriff der Chitauri auf New York. Adrian Toomes (Michael Keaton) betreibt ein kleines Unternehmen, das beauftragt wurde, den Schutt in New York wegzuräumen. Ein Riesenauftrag für ihn, für den er extra neue Laster, neues Equipment und neue Leute besorgt. Dann wird ihm von Tony Starks neu gegründeter Behörde für Katastrophenschutz der Auftrag entzogen, da sie sich jetzt um die Überreste der Alientechnologie kümmern. Für Toomes würde dies im Grunde den finanziellen Ruin bedeuten. Er beschließt jedoch, die Alientechnik, die er bereits weggeschafft hat, zu nutzen, um damit Waffen für den Schwarzmarkt zu entwickeln und so zu überleben. Unter anderem entwickelt er auch einen Fluganzug für sich und nutzt diesen, um weitere Technologie zu stehlen. Er wird im Film zwar nie so genannt, doch ist er der klassische Spider-Man-Widersacher Vulture (Der Geier).

8 Jahre später treffen wir das erste mal Peter Parker und erleben einen Rückblick auf die Geschehnisse aus Captain America: Civil War. Alles aus der Sicht von Spidey, der alles mit seinem Handy gefilmt und kommentiert hat. Hier merkt man schon: Spidey ist erst mal vor allem eines: ein Teenager. Entsprechend wird er von Tony Stark auch erst mal noch gebremst und soll erst mal Erfahrung sammeln, bevor er nochmal für die Avengers kämpfen darf. Seinen High-Tech-Anzug darf er zwar behalten, aber viel mehr als kleine Räuber fangen und alten Frauen über die Straße helfen darf er erst mal nicht. In der Schule läufts auch nicht so, viele Schulkameraden, angeführt von Flash, hänseln und verarschen ihn (Penis Parker, Penis Parker!), seinen großen Schwarm Liz traut er sich kaum anzusprechen, sein einziger Kumpel ist der dicke Computernerd Ned. Ein Superheld gefangen im Alltag eines unpopulären, schüchternen Highschool-Schülers. Die Tatsache, dass Liz im Grunde in sein Alter Ego Spider-Man verknallt ist, er aber sein Geheimnis nicht lüften kann, macht es nicht leichter.

Doch das alles ändert sich, als Spidey eines Abends zufällig über einen Waffendeal von Toomes Männern stolpert und sich ihnen an die Fersen heftet. Schnell wird klar, dass die Waffen extrem mächtig sind und in den falschen Händen katastrophale Folgen haben können. Da ihn weder Tony Stark noch sein Assistent Happy Hogan sonderlich ernst nehmen, muss Spider-Man alleine rausfinden, wer hinter den Waffen steckt und ihn ausschalten. Dazu muss er jedoch erst mal das volle Potential seines Anzugs entfalten und damit umgehen lernen.

Meine Meinung:

Gleich vorweg: Der Film hat mir sehr gut gefallen. Dank Marvel bekommen wir dieses Mal keine Origin-Story. Wir sehen nicht zum 1000. Mal, wie Onkel Ben erschossen wird. Der wird nicht mal erwähnt. Wir sehen nichts vom Spinnenbiss. Peter lebt bei seiner Tante Mae, hat seine Fähigkeiten, fertig. Danke, Marvel. Was wetten wir, dass Warner Brothers im nächsten Batman wieder zeigt, wie Bruce Waynes Eltern ermordet wurden? Könnte ja jemanden geben, der 30 Jahre auf einer Insel gelebt hat und nur einen Volleyball als Freund hatte. Dem muss man ja erklären, warum Batman Batman ist. Wahrscheinlich zeigen sie uns das im Justice League Film auch nochmal vorher. Nur um sicher zu gehen.

Typisch Marvel haben wir von Anfang an eine hohe Gagdichte und die meisten Witze sind auch auf den Punkt. Die Entscheidung, Spider-Man bzw. Peter Parker dermaßen jung zu machen, zahlt sich aus. Der schüchterne Teenager mit typischen Teenie-Problemen ist erst mal durchweg sympathisch. Die wenigsten Comicfreunde waren wohl in der Schulzeit die Top-Athleten und Frauenhelden, also wird die Fanbase sich gut mit Peter identifizieren können. Der Film dreht sich auch wirklich zu großen Teilen um seinen Schulalltag, seine Beziehungen zu Freunden, Mobbing in der Schule, usw. Teilweise fühlt man sich schon an Breakfast Club erinnert, was ja grundsätzlich erst mal nichts Schlechtes sein kann. Als Außenseiter hat Peter auch eher Nerds und andere „Verlierer“ im Freundes- und Bekanntenkreis, aber auch die sind durchweg sympathisch und die Chemie stimmt. Vor allem werden die Leute nicht durch den Kakao gezogen. Spätestens seit The Big Bang Theory haben Nerds ja einen anderen Stellenwert bekommen, das merkt man hier auch. Sie haben zwar alle keinen leichten Stand in der Hackordnung der Schule, aber als Zuschauer mag man jeden einzelnen. Auch Ned, der übergewichtige beste Freund von Peter ist ein Typ zum gernhaben und bringt auch immer wieder gute Sprüche und Gags. Das wären definitiv die Leute gewesen, mit denen ich als Teenager auch abgehangen hätte.

Der Superheldenteil des Films funktioniert ebenfalls. Es ist ungewohnt, einerseits den sehr unerfahrenen Spider-Man zu sehen, der aber dank Tony Stark einen Anzug hat, der alles in den Schatten stellt, was wir bisher aus Spider-Man-Verfilmungen kennen. Der Anzug bestitzt tausende Funktionen, hat eine künstliche Intelligenz wie Iron Mans Jarvis und könnte mit dem richtigen Träger eine pure Kampfmaschine sein. Doch wenn ein Peter Parker ihn trägt, wird er eher zur Gefahr für die Öffentlichkeit. Peter kämpft meist mehr mit der Technik als mit Schlägern. Dennoch sind die Actionszenen cool gemacht. Eine Sache fehlt jedoch und das muss man dem Film etwas ankreiden: Woran denken wir alle bei Spider-Man? An rasantes Schwingen durch die Häuserschluchten New Yorks. Gibt es hier nicht. Kaum zu glauben, aber Spidey schwingt ziemlich wenig in diesem Film. Gerade in 3D erwartet man ja schon so eine obligatorische Szene. Aber das wird einem weitestgehend verwehrt.

Hier gibts auch eine schöne Szene, die den klassischen Spider-Man auf die Schippe nimmt. Wir alle haben uns ja sicher schon gefragt, warum Spider-Man überall durch die Gegend schwingen kann und wo sein Netz überhaupt dran klebt, wenn er es einfach irgendwo in den Himmel schießt. Das wird aufgegriffen und Spider-Man muss auch einfach mal paar Kilometer laufen, weil weit und breit kein Hochhaus ist, an das er sein Netz ballern kann. Hier wird deutlich, wie sehr Spider-Man auch auf seine Umgebung angewiesen ist, um seine Fähigkeiten voll nutzen zu können.

Die Effekte sind weitestgehend auf dem Niveau, das man von Marvel gewohnt ist. Spider-Man sieht ab und an etwas fake aus, was seinen Animationen geschuldet ist. Er ist nunmal dermaßen beweglich und akrobatisch, dass man seine Bewegungen nicht mehr mit Motion Capturing einfangen kann. Hier muss dann eben teilweise per Hand animiert werden. Das gelingt leider nicht perfekt. Wir Menschen wissen nunmal ganz genau, wie wir uns bewegen und wie das auszusehen hat. Da kann die kleinste Abweichung schon seltsam und eben fake aussehen. Aber das ist an dieser Stelle wirklich jammern auf hohem Niveau und betrifft wirklich nur einzelne Szenen.

Was man dem Film leider vorwerfen muss, ist der eher schwache Gegner. Ich mag Micheal Keaton sehr, er liefert auch eigentlich eine sehr gute Performance, aber sein Charakter ist einfach nicht sehr gut entwickelt. Man kann seine Motive einigermaßen nachvollziehen, aber er geht halt von nem netten Typen, der nur seine kleine Firma über Wasser halten will, direkt über zu Bösewicht, der über Leichen geht, um Kohle zu machen. Es liegen zwar 8 Jahre dazwischen, aber das ist halt ein Kunstgriff, der nicht immer gut funktioniert. Für den Zuschauer ist es halt trotzdem nur eine Szene dazwischen, in der dieser Charakterwandel stattfindet. Natürlich hat man nicht 8 Staffeln Zeit, eine Wandlung a la Walter White in Breaking Bad darzustellen, aber für mich wirkte es halt unglaubwürdig. Das Design des Vultures gefällt mir persönlich gut und er hätte auch Potential gehabt für einen geilen Endkampf. Der war dann jedoch eher zahm. Ich fand das Ende nicht so schlecht wie viele andere, aber es wäre definitiv mehr drin gewesen. Ich verrate das Ende natürlich nicht, aber ich sag mal so, innovativ war es nicht. Sowas hat man schon in anderen Action- und auch Superheldenfilmen gesehen. Schade. Neben dem Vulture tritt auch Der Shocker auf, aber der ist wirklich nicht mehr als eine Nebenfigur.

Insgesamt merkt man dem Film einfach an, dass Marvel selbst hier die Finger im Spiel hatte und nicht Sony. Marvel weiß, wie man mit dem Charakter umgeht. Fans sollten sich leider nicht zu früh freuen, Sony hat bereits durchklingen lassen, dass sie jetzt wieder alleine Spider-Man-Filme produzieren wollen. Sony beweist seit Jahren, dass sie völlig fernab der Realität leben und keine Ahnung haben, was Fans wollen. Das betrifft Filme, das betrifft Spielekonsolen, das betrifft einfach alles. In die sturen Köppe bei Sony dringt die Realität schon lange nicht mehr ein. Spider-Man zwei mal mit Karacho an die Wand gefahren, aber jetzt, dank Aufwind von Marvel, wieder auf dicke Hose machen. Klar wird der nächste Spider-Man dann wieder die Kasse klingeln lassen, aber wahrscheinlich wird er dann auch wieder Anfang vom Ende und Spider-Man wieder in der Versenkung verschwinden bis zum nächsten Reboot.

Ich will noch ein paar Worte verlieren zu der Kontroverse um Peters Love Interest. Im Vorfeld wurde ja bekannt, dass er für ein afroamerikanisches Mädel schwärmt und bestimmte Leute haben schon Fackeln und Mistgabeln parat gehabt. Das Mädel spielt weder Gwen Stacy noch Maria Jane, man hat hier niemanden „schwarzgefärbt“, packt eure Mistgabeln weg. Wem es übel aufstößt, dass Peter ein schwarzes Mädchen mag, der möge kurz in sich gehen, diese Seite für immer verlassen und sich selbst ficken. Danke. Geht auch nicht in den Film, denn man hat hier offensichtlich großen Wert drauf gelegt, die Rollen multikulturell zu besetzen. Flash wird zum Beispiel von einem Jungen aus Guatemala gespielt und ist nicht mehr der blonde Sportler, den wir kennen. Er ist aber noch genauso ein Arschloch, keine Sorge. Peters Freund Ned ist Filipino, usw. Disney will nunmal alle ansprechen, sei es mit Marvelfilmen oder auch mit Star Wars. Und das ist gut so. Zeiten ändern sich und ewig Gestrige werden in Zukunft einfach weniger Spaß im Kino haben. Deal with it oder bleibt halt zu Hause.

Noch ein Tipp zum Schluss: Natürlich gibt es wieder versteckte Szenen, zwei Stück. Bleibt unbedingt bis zum Schluss sitzen, die letzte Szene ist wahrscheinlich das beste, was je an Post-Credit-Szenen geboten wurde. Geduld ist eine Tugend!

 

 

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