James McAvoy als Hedwig in Split

© Universal Pictures

Review: Split – James McAvoys Tour de force

M. Knight Shyamalan hat nach seinem Riesenhit „The Sixth Sense“ und dem immer noch brauchbaren „Unbreakable“ eine Reihe von Flopps geliefert, die teilweise schon peinlich schlecht waren. Doch mit „Split“ meldet er sich zurück und liefert einen psychologischen Thriller, der vor allem durch seinen Hauptdarsteller James McAvoy zu überzeugen weiß.

die Handlung von Split

Zu Beginn des Filmes werden drei junge Mädchen von einem Mann namens Kevin entführt und in ein schallisoliertes, fensterloses Verlies gesperrt. Schnell merken sie, dass mit dem Mann etwas nicht stimmt. Im einen Moment tritt er als aggressiver Psychopath Dennis auf, im nächsten als ältere, höfliche Dame Patricia mit passendem Outfit, nur um dann als kleiner, schelmischer Junge Hedwig vor der Tür zu stehen. Wie wir rausfinden, schlummern in ihm insgesamt 23 Persönlichkeiten. Dies explorieren wir vor allem mit Hilfe seiner Therapeutin, die ihn bereits mehrere Jahre betreut. Eine der 23 Persönlichkeiten schreibt ihr nachts Emails und bittet um Hilfe und spontane Termine. Zu diesen erscheint jedoch „Dennis“, der aggressive Entführer, der von nichts was wissen will und vorgibt, Kevin zu sein. Wir erfahren, dass dieser durch traumatische Erfahrungen Kevins entstanden ist. Als kleiner, sensibler Junge wurde dieser durch psychischen Missbrauch seiner Mutter letztlich dazu getrieben, Dennis als Beschützer für sich zu entwickeln.

Nach und nach wird klar, dass die drei genannten Persönlichkeiten das Kommando übernommen haben und die anderen weitestgehend unterdrücken. Dennis und Patricia teilen dabei den Glauben an ein übernatürliches, mächtiges Wesen, das kommen wird, um die drei Mädchen als Opfer zu empfangen. Die Zeit der drei Teenager läuft ab, Fluchtversuche sind gescheitert. Können sie an Hedwigs kindlisch-naives Gemüt apellieren, ihnen aus der Situation zu helfen, bevor Dennis wieder das Kommando übernimmt oder das „Biest“ sie holen kommt?

Meine Meinung:

Der Film lebt ganz klar von seinem Hauptdarsteller James McAvoy. Dieser wird den meisten als junger Professor Charles Xavier in den neueren X-Men Filmen bekannt sein. Doch schon in Filmen wie „The Last King of Scotland“ hat er gezeigt, dass er überzeugende Leistungen abliefern kann. In „Split“ liefert er nun eine Performance, die viele Kritiker gerne als Tour de force betiteln. Im Vorfeld wurde viel damit geworben, dass er 23 Charaktere spiele, was aber nur Augenwischerei ist. Im Grunde spielt er nur Dennis, Patricia und Hedwig, gelegentlich mal Kevin, die eigentliche Person, in der sich die anderen Persönlichkeiten manifestiert haben. Doch das soll seine Leistung in Split nicht schmälern.

Split Personality
23 Persönlichkeiten stecken in Kevin

Das Krankheitsbild der disassoziativen Persönlichkeitsstörung fand ich immer sehr faszinierend und im Film lernt man durch die Psychotherapeutin auch einige interessante Fakten dazu kennen. Ich fand das Thema spannend genug, im Nachgang auch noch das ein oder andere über die Störung nachzulesen und meine Faszination wurde dadurch noch gesteigert. So gibt es tatsächlich überlieferte Fälle von Menschen mit multiplen Persönlichkeiten, bei denen z.B. eine Persönlichkeit unter hohem Blutdruck litt, andere dagegen nicht. Oder eine Persönlichkeit kann eine weit bessere oder schlechtere Sehkraft haben als die anderen. Dies zeigt, wie stark die Physis von Menschen durch deren Psyche gesteuert wird.

Betty Buckley als Dr Karen Fletcher
Kevins Therapeutin durchschaut Dennis‘ Pläne

Dies sehen wir in Split, aber um Spoiler zu vermeiden, gehe ich an dieser Stelle nicht weiter darauf ein. Hier driftet der Film auch teilweise etwas ins Übernatürliche ab. Ich hatte hier schon die Befürchtung, dass jetzt wieder einer von Shyamalans berüchtigten Plot-Twists kommt, aber zum Glück hat er sich zurückgehalten. Das tut dem Film definitiv gut. Man geht ja heute fast schon in seine Filme mit der Erwartung, ich möchte eher sogar sagen Befürchtung rein, dass gleich was passiert, was die letzten 2 Stunden komplett über den Haufen wirft. Passiert nicht. Gut. Er lernt. Von daher gönne ich ihm auch den Erfolg, den der Film verbuchen konnte. Shyamalan kann Minimalismus, sobald er versucht, große Geschichten zu erzählen, gehts in die Hose. Der Film wird von einem Darsteller getragen, spielt größtenteils nur in zwei Locations und erzeugt eine bedrohliche Atmosphäre wie sie in solch einem Film auch wünschenswert ist.

Insgesamt ist Split ein absolut sehenswerter Film, der das Rad sicher auch nicht neu erfindet, ihm aber zumindest einen neuen Dreh verpasst.

Ein Gedanke zu „Review: Split – James McAvoys Tour de force

  1. Split steht immer noch auf meiner ToDo Liste. Ins Kino habe ich es leider nicht geschafft, aber zum Glück gibt es den Film ja inzwischen auch auf Blu-ray bzw. als VoD.

    Irgendwann werde ich diese Lücke also hoffentlich stopfen können 😉 Deine Review hat mein Interesse an dem Streifen auf jeden Fall wieder zum Leben erweckt.

    Gruß
    Flo

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