Melanie is the girl with all the gifts

© Universum Film GmbH

Review: „The Girl with all the gifts“ – Innovation fürs Zombiegenre

Ja, ich habe mal wieder einen Zombiefilm gesehen. Doch „The girl with all the gifts“ bringt neue Ideen ins Genre und bietet mehr als die gängige Zombieschnetzelei. Ansonsten hätte man wohl auch kaum Glenn Close dafür gewinnen können.

Die Handlung von The Girl with all the gifts

Der Film spielt im post-apokalyptischen England, einige Jahre nach dem Ausbruch einer Epedemie, bei der die Menschen von einem Pilz befallen wurden. Dieser nistet sich im Gehirn ein und beeinflusst ihr Verhalten, macht sie zu mordenden Bestien. Ein Szenario, das so abwegig tatsächlich nicht ist. Es gibt eine Pilzart, die Ameisen befällt und ebenfalls die Kontrolle übernimmt, um sich möglichst auszubreiten. Rein theoretisch könnte es irgendwann eine Variante geben, die Menschen befällt. Diese Prämisse ist auch nicht neu, das Playstation-exklusive „The Last of Us“ nutzt die gleiche Erklärung für die Entstehung seiner „Zombies“.

Der Film beginnt auf einer Militärbasis, die sich gegen die Horden von „Hungrigen“ abgeschottet hat. Dort leben auch die 10jährige Melanie und andere Kinder. Doch sie alle sind keine normalen Kinder, sie sind Kinder von infizierten Müttern und wurden mit dem Pilz geboren. Sie sind dadurch jedoch teilweise resistent und haben noch weitestgehend Kontrolle über sich. Wenn man ihnen zu nahe kommt, überfällt sie jedoch der Hunger nach Fleisch. Entsprechend vorsichtig und misstrauisch geht man mit ihnen um, hält sie in Zellen und schnallt sie morgens in Rollstühlen fest, bevor man sie zum Schulunterricht rollt. Die meisten Soldaten sehen das alles als Zeitverschwendung und würden die „Missgeburten“ am liebsten gleich töten. Nur die junge, engagierte Lehrerin Helen Justineau sieht in ihnen noch Menschen und hat Mitleid mit ihnen. Melanie tut sich im Unterricht besonders hervor und ist ihre Lieblingsschülerin.

Hinter den Kulissen gehen jedoch düstere Machenschaften ab. Die Ärztin Caroline Caldwell (Glenn Close) selektiert regelmäßig Kinder aus, die man dann nie wieder sieht. Wir finden raus, dass sie versucht, aus ihren Hirnen und Wirbelsäulen ein Impfmittel gegen den Pilz zu erschaffen. Als es eines Tages Melanie trifft und sie „zum Wohle der Allgemeinheit“ getötet werden soll, wird die Basis überrannt und Caldwell, Mrs. Justineau, Melanie und einige Militärs flüchten, um zu einer anderen menschlichen Siedlung aufzubrechen.

Nachfolgend möchte ich ein paar Aspekte nennen, die schon in Spoilerterritorium gehen. Das sehe ich als notwendig, um zu verdeutlichen, was den Film von anderen Zombiestreifen abhebt. Es sind leichte Spoiler, aber wer diese nicht lesen will, überspringt einfach den folgenden, fettgeschriebenen Absatz und geht gleich zur Wertung.

Die Gruppe reist u.a. durch London, in dem im Laufe der letzten Jahre die Natur wieder Einzug gehalten hat. Die Häuser, die Straßen, alles ist zugewachsen. Auch hier fühlt man sich an „The Last of Us“ erinnert. London ist voller „Hungriger“, bei den meisten ist der Pilzbefall jedoch so weit, dass er schon aus Ohren und Augen wächst und die Befallenen taub und blind macht. Sie stellen also kaum noch eine Gefahr dar. Doch die Gruppe trifft auf eine Bande wilder Kinder, die zur Jagd auf sie ansetzt. Diese Kinder sind ebenfalls immun gegen den Pilz, wie Melanie und ihre „Klassenkameraden“. Diese Immunen werden auch von „Hungrigen“ in Ruhe gelassen. Auch Melanie kann sich frei bewegen und bildet öfters die Vorhut für die Gruppe. Die Kinderbande ist komplett verwildert, da sie ohne Erwachsene aufgewachsen sind. Sie sprechen ihre eigene Sprache und sehen in Menschen auch nur Beutetiere, für die sie fallen stellen, Köder auslegen, etc. Neben den hirnlosen Zombies besteht also jetzt eine weitaus größere Gefahr für die Gruppe, gegen die sie nur mithilfe von Melanie bestehen können wird. Doch kann man ihr wirklich trauen, wenn auch die vom Hunger getrieben wird? Kann umgekehrt Melanie ihren Begleitern trauen, die nachwievor einen Impfstoff herstellen wollen?

Meine Meinung

Ich hatte vorab nicht viel über den Film gelesen und wusste nicht, was mich erwartet. Ich wusste von den Szenen im Klassenraum mit den fixierten „Zombiekindern“, aber das wars schon. Der Teil ist auch gar nicht so spannend eigentlich. Es ist beklemmend und erschütternd, wie man diese Kinder behandelt und sie im Grunde vor allem am Leben hält, um sie nach und nach für ein mögliches Heil- bzw. Impfmittel zu opfern. Bis auf die Lehrerin zeigt ihnen gegenüber niemand auch nur den Hauch von Menschlichkeit, die Ärztin sieht sie nicht als Menschen, sondern nur als intelligente Kreaturen, die menschliches Verhalten imitieren können.

Richtig interessant wird der Film aber, wenn die Militärbasis verlassen wird. Als großer Fan von „The Last of us“ gefiel mir das Szenario sehr gut. Das verwilderte London wurde schön eingefangen, wobei ich mich frage, ob 10 Jahre wirklich schon ausreichen, um eine Stadt so zu überwuchern. Mir hätte noch gefallen, wenn wilde Tiere in der Stadt leben würden, aber da die Hungrigen auch Tiere fressen, gibt es außer Ihnen nicht mehr viel.

Das Szenario ist durch seinen Realismus natürlich spannender als Untote, die auf einmal aus den Gräbern kommen. Wir wissen von Tollwut, dass Krankheiten, Parasiten und eben auch Pilze das Verhalten ihres Wirts beeinflussen können. Eine Pilzart, die Menschen in dieser Art befällt, wäre denkbar, die Ergebnisse der absolute Horror.

Highlight des Filmes ist ganz klar Melanie, die von Sennia Nanua gespielt wird. Für ihr Alter liefert sie eine wirklich überzeugende Darstellung ab und kann sowohl das kleine, sensible Mädchen mit Interesse an griechischer Mythologie spielen als auch die wilde Bestie, die Menschen die Kehle aufbeißt. The Girl with all the gifts ist ihr erster großer Film und dafür ist ihre Leistung definitiv beachtlich.

Alle anderen Darsteller können auch überzeugen. Für die mehrfach für einen Oscar nominierte Glenn Close ist ihre Rolle natürlich nur Aufwärmübung. Gemma Arterton als Lehrerin Helen Justineau stellt den warmen, herzlichen Gegenpol zu den harten Militäs dar und ist wichtige Bezugsperson sowohl für Melanie als auch den Zuschauer. Die Militärs selbst sind eher etwas gesichtslos und haben wenig Identität, aber letztlich passt ja auch das zur Rolle.

The girl with all the gifts schafft es, dass man gespannt davor sitzt und sich fragt, was als nächstes passiert. Über wieviele Zombiefilme kann man das sagen? Die meisten laufen nach Schema F. Insbesondere in London weiß man nie, was als nächstes auf die Gruppe wartet und auch das Ende habe ich so nicht kommen sehen. Dieses lässt einen auch nachdenklich zurück. Natürlich kann ich an dieser Stelle nicht weiter darauf eingehen, aber vertraut mir einfach, dieser Film ist kein 08/15-Zombiefilm, sondern bringt seine ganze eigene Note mit und hat alleine dadurch seine Daseinsberechtigung. Natürlich kann man ihm ganz klar vorwerfen, sich fleißig bei „The Last of Us“ bedient zu haben, aber da davon ja kein Film in Sicht ist, nehm ich die „Kopie“ gerne als Lückenfüller. Der Roman, auf dem der Film basiert, muss sehr gut sein. Da der Autor M.R. Carey jedoch auch das Drehbuch geschrieben hat, gehe ich davon aus, dass wir eine recht getreue Umsetzung bekommen haben. Das Buch kommt aber auf meine To-Read-Liste. Im Deutschen heißt es übrigens „Die Berufene“

Der Film erscheint am 23.06. auf DVD und Bluray und sei an dieser Stelle nochmal wärmstens empfohlen.

 

Schreibe einen Kommentar