© Warner Brothers, DC Comics

Review: Wonder Woman – Frauenpower bei DC

Weibliche Superhelden gibt es viele, doch selten spielen sie in Verfilmungen die Hauptrolle. Spontan fallen einem Catwoman und Elektra ein, außerhalb des DC/Marvel-Kosmos vielleicht noch Aeon Flux. Das wars auch schon. Doch jetzt ist Schluss mit Superhelden-Chauvinismus. Denn mit Wonder Woman bringen Warner Brothers/DC das nächste Werk des DC Cinematic Universe und ebnen weiter den Weg für den großen Justice League Streifen. Bei den letzten Filmen hat man sich jedoch nicht wirklich mit Ruhm bekleckert und die Kritiker schrieben einen Verriss nach dem anderen. Bei Wonder Woman waren die Vorzeichen jedoch besser. Die Kritiker scheinen sich einig zu sein, dass hier DC jetzt endlich der große Wurf gelungen ist. Doch ich persönlich muss leider sagen: Mehr vom Gleichen, trüber DC-Einheitsbrei.

Doch beginnen wir wie immer von vorne: Worum gehts?

Handlung:

Der Film beginnt mit der jungen Diana, die auf der Insel Themyscira mit dem Volk der Amazonen lebt. Sie ist was besonderes, denn sie ist das einzige Kind auf der Insel und das Ein und Alles ihrer Mutter, die sie einst aus Ton geformt und mit Zeus Hilfe zum Leben erweckt hat. Entgegen der Wünsche ihrer Mutter lässt sie sich heimlich von ihrer Tante auch zu einer Kriegerin ausbilden. Diana, a.k.a. Wonder Woman wird schnell zur besten Kämpferin ihres Volkes. Dem Film nach dient das Volk der Amazonen vor allem zum Schutz der Welt vor dem Kriegsgott Ares, der nach Verbannung durch Zeus Rache an den Menschen geschworen hat. Doch seit Jahrhunderten wartet man nun auf Ares und bezweifelt langsam, ob dieser überhaupt die Konfrontation mit Zeus überlebt hat. Die Insel ist für den Rest der Welt verborgen und von der Außenwelt bekommt man dort nichts mit. Während die Amazonen also in Frieden leben, tobt in Europa der erste Weltkrieg.

Eines Tages beobachtet Diana dann ein Flugzeug, das ins Meer stürzt. Sie springt ins Wasser und rettet den Piloten Steve Trevor. Dieser war auf der Flucht vor den Deutschen, denen er ein vielleicht kriegsentscheidenden Geheimnis gestohlen hat. Es kommt zum Kampf zwischen  deutschen Soldaten und Amazonen, bei denen die Deutschen zwar geschlagen werden, jedoch auch einige Amazonen, darunter Dianas Tante, töten. Unter Einsatz des Lassos der Wahrheit erfahren die Amazonen dann von Steve Trevor, was im Rest der Welt passiert und Diana vermutet hinter dem Schrecken des Krieges niemand anderen als Ares. Sie beschließt daher, mit Steve nach Europa zu reisen und Ares und somit dem Krieg ein Ende zu setzen. Die Deutschen schmieden derweil düstere Pläne  und wollen mit einem neu entwickelten Gas den Krieg für sich entscheiden.

Meine Meinung:

Ich ging mit hohen Erwartungen in den Film, weil die Kritiker ihn ja anscheinend in den Himmel lobten. Der Film fing auch interessant an, litt dann jedoch für mich zunehmend unter Längen und schmierte im Finale dann komplett ab.

Der Anfang auf Themyscira wirkt erst mal frisch und lebendig. Man wagt schon zu hoffen, dass Warner Brothers ENDLICH mal weg gegangen ist vom dark and gritty Bullshit der anderen Filme. Doch diese Hoffnung wird natürlich schnell zerschlagen und der typische Farbfilter kommt zum Einsatz. Fortan ist der Film für die restlichen zwei Stunden wieder komplett blau, manchmal auch grün, aber immer dunkel. Ich kann diese scheiß Farbfilter nicht mehr sehen, Warner Brothers. Ja, ihr wollt damit allen Filmen einen einheitlichen Look verpassen. Ok, macht das. Dann sehen halt alle Filme gleich scheiße aus. Wenn das euer Ziel war, Mission erfüllt!

Das Ganze dann natürlich noch in 3D. Nachtszenen mit dunkler 3D-Brille. Wer dachte, dass das eine gute Idee sei? Ich geh doch auch nicht in einer mondlosen Nacht mit Sonnenbrille im Park spazieren. Teilweise hat man echt nichts mehr erkannt. Wenn ihr die Möglichkeit habt, geht den Film in 2D gucken.

So viel zum reinen Look des Filmes, doch was ist mit dem Inhalt?

Zunächst einmal: Gal Gadot ist eine perfekte Wonder Woman, sie spielt die Rolle mit viel Charme und man nimmt ihr auch ab, Kerlen in den Arsch treten zu können. Als ehemalige Soldatin der israelischen Armee würde sie mir altem Kriegsdienstverweigerer sicher die Gesichtsknochen neu sortieren. Also an dieser Stelle großes Lob, hier hat man wirklich eine Bereicherung fürs DC Filmuniversum gefunden. Chris Pine als Steve Trevor liefert auch eine gute Performance, wobei ich zwischen den beiden kein richtiges Knistern gespürt habe.

Wie gesagt, Gal Gadot ist schon ziemlich tough und alle Action- und Kampfszenen entsprechend gut umgesetzt. Teilweise sehr schön, wenn sie ausholt, der Film kurz in Zeitlupe geht und sie dann jemandem mit voller Wucht einen Tritt verpasst. Man hats hier wirklich geschafft, ihre Schläge und Tritte extrem wuchtig darzustellen. Man bekommt den Eindruck, wo die Frau hintritt, wächst kein Gras mehr. Sie nimmt alles auseinander, Häuser, Panzer, egal. Was im Weg steht, wird platt gemacht. Diese Szenen haben dann auch wirklich Bock gemacht. Leider gabs davon zu wenig.

Große Teile des Filmes begleiten wir Diana durch London und erleben Fish-out-of-water-Humor. Sie versteht die Sitten und Gebräuche nicht, nimmt vieles wortwörtlich und spricht oft unverblümt aus, was sie denkt. Auch hier sehr gute Leistung von Gal Gadot. Aber es wird mit der Zeit langatmig und wir lernen ständig neue Charaktere kennen, die dem Film im Grunde nichts bringen und nur weitere Zeit verschwenden. So hat Steve Trevor auch paar alte Kumpanen in petto, die dabei helfen sollen, die Pläne der Deutschen zu durchkreuzen. Diese wirken erst mal ziemlich bunt und interessant. Vor allem ein dauerbesoffener Scharfschütze verspricht erst mal gute Unterhaltung. Doch letztlich haben diese Charaktere keinerlei Entwicklung, keinen Tiefgang und sind völlig belanglos. Leider. Hier wurde viel verschenkt. Die Truppe hätte genauso gut die neue Generation „Inglorious Basterds“ sein können. So sinds nur leere Hüllen.

Auf das Ende geh ich gar nicht so groß ein. Es ist jedenfalls eine CGI-Schlacht, die nicht wirklich gut gemacht ist. Der finale Bösewicht ist eine absolute Lachnummer. Wortwörtlich. Im Kinosaal haben Leute gelacht, als sie ihn gesehen haben. Völlig fehlbesetzt. Ich bin zwischendurch übrigens eingenickt. Ist mir noch nie im Kino passiert. So spannend war das Finale.

Doch wie kann das sein? Warum feiern Kritiker den Film so? Ich bin jetzt mal ketzerisch und behaupte, dass politische Korrektheit und Angst vor Sexismus-Shitstorms der Grund sind. Wir erinnern uns alle an den Shitstorm, den jeder Kritiker abbekam, wenn er den neuen Ghostbusters verrissen hat. Der war ein großer, neonfarbener Haufen Scheiße. Aber das konnte man nicht schreiben, weil Frauen in den Hauptrollen waren. Wer das nicht mag, ist ja logischerweise ein Sexist. Genauso ist jeder Sexist, der nicht die kriegstreiberische Clinton gewählt hat. Hier kommt noch dazu, dass die Regie auch von einer Frau geführt wurde. Welcher Kritiker traut sich da noch, die offensichtlichen Fehler des Filmes anzusprechen? Offensichtlich kaum jemand.

Dabei wäre es so einfach. Ich fürchte mich ja auch nicht vor einem Shitstorm, denn Gal Gadot war fantastisch, ihre Darstellung von Wonder Woman auf den Punkt. Sie war schon das Highlight in Batman v Superman. Sie hätte genau deshalb auch einfach einen besseren Film verdient. Und auch die Regisseurin Patty Jenkins greife ich nicht an, weil sie eine Frau ist, sondern weil der Film nicht gut ist. Das Skript wird wohl nicht von ihr stammen, die Geschichte soll ja Zack Snyder mit seiner Frau geschrieben haben. Entsprechend kam halt wieder der typische Einheitsbrei raus. Wenn alle Filme immer wieder aus einer Feder stammen, kann man halt nichts Neues erwarten. Der Film wäre auch mit Snyder als Regisseur nicht besser gewesen. Ich behaupte, man hätte keinen Unterschied gemerkt. Die ersten 20 Minuten scheinen frischen Wind zu bringen, wir sehen Farbe, wie sehen Licht, wir sehen Leben. Dann kommt die Snyder-Ästhetik mit Farbfiltern. So schade, was man hier wieder an Potential in die Tonne getreten hat.

Snyder musste seine Arbeit an Justice League ja wegen Trauerfall in der Familie beenden und an Joss Whedon übergeben. Ich verspreche euch jetzt schon, dass man davon am Ende nichts merken wird. Joss Whedon ist ein toller Regisseur für Nerd-Kram, aber WB wird ihm hier so enge Schranken setzen, dass man am Ende nicht merkt, dass Snyder je weg war.

Insgesamt würde ich sagen: Wer Batman v Superman und Man of Steel mochte, wird auch Wonder Woman mögen. Genauso wird jeder, der die genannten Filme öde fand, auch Wonder Woman öde finden. Es gibt hier nichts Neues, nur waren die Kritiker diesmal zahm bzw. feige. Man kann nicht jede Kritik mit Sexismus abschmettern. Die Frauen in diesem Film haben gute Arbeit geleistet, doch Warner Brothers will ja offensichtlich nichts Neues versuchen. Würde ich wahrscheinlich auch nicht, wenn die Kasse stimmt. Aktuelle Einspielergebnisse von Wonder Woman sind ja gigantisch, aber auch Suicide Squad hat ne Menge Kohle gemacht und war auch nur Dreck. Einspielergebnisse sagen halt wenig aus. Dass ein Film scheiße ist, weiß man ja erst, NACHDEM man bezahlt hat.

 

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