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Serienklassiker: Seinfeld – Worum gehts? Um nichts!

Ich wollte mir mal die Zeit nehmen, ein paar warme Worte zu einer der wichtigsten Sitcoms aller Zeiten zu schreiben, die in Deutschland aber nie den gebührenden Erfolg hatte: Seinfeld!

Die Show lief von 1989 bis 1998 in den USA und ist das Brainchild von Stand-Up Comedian Jerry Seinfeld und Larry David. In den USA war die Serie eine absolute Sensation, hierzulande führten meist miese Sendezeiten dazu, dass Seinfeld eher Randerscheinung und nur für eingefleischte Fans wirklich ein Thema war. Das ist zumindest meine Wahrnehmung.

Worum gehts?

Das sind wir schon beim Knackpunkt: Es geht um nichts. Im Gegensatz zu fast allen anderen Serien der 90er hat man hier keine „clevere“ Prämisse, kein Konzept. Die meisten anderen Serien lassen sich kurz zusammenfassen und hatten fast immer ungewöhnliche Charakterkonstellationen oder Fish-out-of-Water-Szenarien. Sei es die laute Nanny im versnobbten britischen Haushalt, der Ghetto-Junge, der zum Prinz von Bel-Air wird, usw. Das alles hat man bei Seinfeld nicht. Larry David betonte damals, dass das richtige Leben auch nicht so sei. Entsprechend geht es in Seinfeld einfach um vier Freunde, die durch ihre kauzigen Macken in kuriose Situationen geraten bzw. vollkommen alltägliche Dinge auf die Spitze treiben.

Jerry Seinfeld spielt die Hauptrolle und im Grunde sich selbst. Er ist ein mehr oder weniger erfolgreicher Comedian, der in einem Appartment in New York lebt. Er ist ein absolutes Manchild, kann keine Beziehungen längere Zeit aufrecht erhalten, steht auf Cartoons und Superman, hat aber eine Phobie vor Keimen. Sein bester Freund aus High-School-Zeiten ist der liebenswerte Loser George Costanza, der die meiste Zeit bei seinen cholerischen, lauten Eltern lebt. In dieser Figur findet sich vor allem Larry Davids Charakter wieder. Er ist neurotisch und ein penibler Querolant, der sich mit seiner Dickköpfigkeit regelmäßig in die Scheiße reitet. Dann gibts da noch Kramer, der in der Wohnung gegenüber von Jerry wohnt und wahrscheinlich von einem anderen Planeten stammen muss. Er lebt in den Tag hinein, geht keiner Arbeit nach, hat aber immer genug Geld für verrückte Hobbies, Projekte und Geschäftsideen. Die letzte im Bunde ist Elaine Benes, die früher mal mit Jerry zusammen war, jetzt aber auch noch eine gute, wenn auch gerne mal zickige und gehässige Freundin ist.

Diese vier erleben nun in jeder Folge meist banalste Situationen, schaffen es aber, mit ihrer Fixiertheit auf sich selbst und Egoismus selbst das Anstehen in einer Schlange oder ähnliches komplett eskalieren zu lassen. Absolute Kleinigkeiten, die jeder andere einfach akzeptieren würde, führen in Seinfeld regelmäßig zum Eklat. Da kann auch die ganze Folge drum gehen, mit einem Parkplatzdieb zu streiten. Klingt nicht aufregend, aber Seinfeld und David gelingt es, Charaktere und die Minimalhandlung so gut zu schreiben, dass jede kleine Entscheidung der Figuren auf clevere Weise irgendwann wieder zu Tage tritt, um sie oder andere in den Hintern zu beißen. Muss man sich anschauen, kann man schlecht beschreiben.

Der Erfolg blieb hier aus

Seinfeld war in den USA der 90er DIE Sitcom. Einzig wirkliche Konkurrenz war eigentlich nur Friends. Ebenfalls tolle Serie, schreib ich vielleicht irgendwann mal drüber. Jerry Seinfeld bekam zuletzt eine Million Dollar pro Folge angeboten. Das bekommen heute die Stars von Big Bang Theory auch, aber ne Mille war vor 20 Jahren noch bisschen mehr wert als heute. Dennoch hatte er irgendwann keine Lust mehr und die Show fand ihr Ende. Das Finale hatte mit die höchsten Einschaltquoten der US-Fernsehgeschichte.

In Deutschland dagegen gab man der Show nie richtig eine Chance. Sie kam entweder im Vorabendprogramm oder spät nachts. Aktuell läuft sie noch auf Comedy Central. Ob die Deutschen mit dem Humor wirklich nichts anfangen können oder ob Sendechefs das nur so einschätzten, kann ich natürlich schwer beurteilen. Eigentlich sollte der Humor universell funktionieren. Die Situationen, die gezeigt werden, hat fast jeder schon selbst erlebt. Nur haben wir alle anders reagiert, weil wir nicht so Egomanen sind wie die vier aus Seinfeld. Manchmal wünscht man sich, man hätte die Eier ebenfalls so zu reagieren und den cholerischen George in sich zu entfesseln, aber am Ende schluckt man doch wieder alles runter.

Es ist eine echte Schande, dass hier so wenige Leute Seinfeld kennen. Viele Episoden sind absoluter Kult und ein Stück Fernsehgeschichte. Viele Amis kennen die besten Szenen in- und auswendig und auch ich kann mir die Serie immer wieder anschauen. Dabei ist sie rein vom Look her alles andere als zeitlos. Die Haare, die Klamotten, vor allem die Jeans… hardcore 90er. Noch krasser als Friends, was teilweise bis auf die veraltete Technik (Fernseher, keine Handys) durchaus heute spielen könnte.

Die Serie verbindet auf exzellente Weise Jerry Seinfelds Stand-Up Programm, das sich auch vor allem auf kleine Alltagsbeobachtungen bezieht, mit der zynischen, unglaublich witzigen Schreibe von Larry David. Hier sei auch seine Nachfolgeserie „Curb your enthusiasm“ (Lass es, Larry) wärmstens empfohlen, in der er selbst die Hauptrolle spielt und die Sozialkritik nochmal eine Stufe höher schraubt.

Ich kann wirklich jedem nur empfehlen, sich diesen Serienklassiker mal anzuschauen. Aktuell gibts es alle Folgen kostenlos im Rahmen von Amazon Prime Video zu sehen und eben auch auf Comedy Central. Grade, wenn euer Hirn von Dreck wie „2 Broke Girls“ geschädigt ist, schuldet ihr es euch selbst, mal was Anständiges zu gucken. By the way, wenn ihr 2 Broke Girls toll findet, verlasst bitte sofort diese Seite und kommt nicht wieder. Danke. 😛

 

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