Black Mirror

Serientipp: Black Mirror – Noch SciFi oder schon Prophezeiung?

Auf Netflix habe ich vor einer Weile die Serie Black Mirror entdeckt. Dabei handelt es sich um eine britische Science Fiction Serie, die sich mit möglichen Auswirkungen moderner Technik auf die Gesellschaft befasst.

Der Titel „Black Mirror“, also schwarzer Spiegel, lässt dies schon erahnen. Der schwarze Spiegel ist das, was wir alle mittlerweile tägliche dutzende Male anstarren, aus Angst, was zu verpassen. Unser Computerbildschirm, unser Handy, unser Tablet, etc. Diese Sucht und Abhängigkeit prägt unsere Gesellschaft und die Serie greift dies teilweise überspitzt, aber immer auch realistisch auf. Wir sehen Dystopien, die gar nicht so weit hergeholt erscheinen und im Grunde in 1, 2, 5 oder 10 Jahren durchaus Realität sein könnten.

Dabei ist jede Folge in sich geschlossen und völlig eigenständig. Eigentlich ist jede Folge ein Kurzfilm mit eigener Welt und eigenem Thema. Man kann die Serie daher auch in beliebiger Reihenfolge schauen oder auch folgen auslassen, wenn einem die Thematik nicht zusagen sollte. Mir persönlich haben eigentlich alle Folgen sehr gut gefallen, aber natürlich stechen manche besonders hervor. Die ersten beiden Staffeln liefen in Großbritannien auf Channel 4, die dritte Staffel wurde dann von Netflix persönlich bestellt und produziert. Es soll auch eine vierte Staffel kommen. Diese Netflix-Folgen sind fast ausnahmslos fantastisch, daher werd ich die fast alle besprechen.

Meine Lieblingsfolgen:

Staffel 1, Episode 3: Das transparente Ich

In dieser Realität hat jeder Mensch ein Implantat eingebaut, dass seine Erlebnisse und Wahrnehmungen aufzeichnet und abrufbar macht. Man kann diese auch auf externen Bildschirmen anschauen. Natürlich eine tolle Sache, wenn man der Familie seinen letzten Urlaub präsentieren möchte, nicht so toll, wenn man seinen Partner betrogen hat und dieser misstrauisch geworden ist.

Staffel 2, Folge 1: Wiedergänger

Eine junge Frau verliert durch einen Unfall ihren Mann. Eine Firma bietet als Service, Onlineprofile von Menschen, Tagebücher, Briefe und Notizen zu analysieren und daraus eine künstliche Intelligenz zu schaffen, mit der man kommunizieren kann. Für Leute mit wenig Geld beschränkt sich das auf Chatten, wer tiefer in die Tasche greift, kann eine 1:1-Kopie der geliebten Menschen in Androidenform erwerben. Doch letztlich bleibt es eben nur eine Kopie. Diese Folge ist übrigens wirklich nicht utopisch, es gibt bereits Firmen, die daran arbeiten, künstliche Intelligenz aus Profilen in sozialen Medien zu programmieren und genau solche Dienste anzubieten.

Staffel 3, Folge 1: Abgestürzt

In dieser Realität bestimmt ein großes sozialen Netzwerk das gesellschaftliche Zusammenleben. Man kann Personen, denen man begegnet, sofort eine Bewertung geben. Also wenn der Taxifahrer nett war, gibt man ihm 5 Sterne. Der wiederum kann natürlich auch bewerten, was dann wohl in erster Linie vom Trinkgeld abhängig ist. Das alles wäre ja harmlos, wenn es nicht Konsequenzen für das reale Leben hätte. Arbeitgeber, Vermieter, usw. checken die Bewertung von Bewerbern. Duchschnitt schlechter als 4.0? Tja, such dir ne andere Wohnung. Dies führt zu Situationen, dass beispielsweise ein Angestellter mit einer Kollegin Schluss macht, diese dann all ihre Kollegen dazu bringt, ihn schlecht zu bewerten und sein Score so tief fällt, dass die automatische Tür ihn gar nicht mehr ins Gebäude lässt. In dieser Welt, in der alles vom eigenen Score abhängt, versucht die Protagonistin ihre Wertung zu steigern, indem sie populäre Freunde sucht, deren Fotos, usw. liked in der Hoffnung, auch von ihnen gut bewertet zu werden und so sozial aufzusteigen. Doch auch sie verliert sich schnell in einem Teufelskreis und ihr Score sinkt und sinkt und sinkt. Diese Realität ist klar überspitzt, aber wir alle wissen, dass auch wir auf Facebook abgecheckt werden, wenn wir uns irgendwo bewerben. Bei der Schufa haben wir alle einen Score, der unsere Kreditwürdigkeit einschätzt, usw. Diese Dystopie ist näher als wir denken und wahrscheinlich schon kaum noch aufzuhalten.

Staffel 3, Folge 3: Mach, was wir sagen

Diese Folge spielt in unserer Zeit und im Grunde könnte das dort Gezeigte heute jederzeit passieren. 5 Menschen werden unabhängig voneinander gehackt und peinliches oder kompromitierendes Material von ihnen gestohlen, mit dem sie dann erpresst werden. Der Protagonist ist ein Jugendlicher, der beim Onanieren mittels seiner Webcam gefilmt wird. Anderen Figuren wird z.B. der Mailverkehr mit Prostituierten oder ähnliches gestohlen. Alle diese Menschen werden nun Spielfiguren in einem perversen Spiel und müssen Aufgaben erfüllen, um die öffentliche Demütigung zu vermeiden.

Staffel 3, Folge 4: San Junipero

Hier kommt jetzt mal eine Folge, die auch was fürs Herz ist. San Junipero ist ein Küstenort, in dem die Party abgeht. Es ist 1987 und in den Clubs wird getanzt und abgefeiert. Die schüchterne Yorkie lernt hier die temperamentvolle Kelly kennen. Die beiden fühlen sich zueinander hingezogen und Yorkie hat letztlich ihr erstes Mal mit Kelly. Daraufhin versucht sie sie wieder in dem Club zu treffen, doch Kelly ist verschwunden. Wir erfahren, dass San Junipero keine echte Stadt ist, sondern virtuelle Realität. In dieser leben bereits Verstorbene, die sich vor ihrem Tod dort hinein digitalisieren lassen, aber auch Angehörige und Freunde, die noch leben, besuchen dort Menschen. Auch hier spielt Geld wieder eine Rolle, wer nicht viel Geld hat, kann halt nur 1x die Woche kurz rein.Dabei kann man die die Stadt in verschiedenen Zeitepochen besuchen, nicht nur in den 80ers. Yorkie sucht also Kelly in verschiedenen Jahrzehnten. Als  sich wiederfinden, erfahren wir, dass beide im realen Leben schon ältere Damen sind und Yorkie schwer krank ist und im Sterben liegt. Kelly war früher verheiratet, ihr Mann starb, bevor es San Junipero gab. Sie hat sich daher geschworen, sich selbst niemals dauerhaft in San Junipero niederzulassen in der Hoffnung, im realen Jenseits ihren Mann wiederzutreffen. Doch die neue Liebe zu Yorkie stellt sie vor ein Dilemma: Entscheidet sie sich dafür, ebenfalls nach San Junipero zu gehen und dort die Ewigkeit mit Yorkie zu verbringen oder hält sie ihren Schwur, ihrem Mann zu folgen?

Fantastische Folge, die auch ein schöner Film geworden wäre.

Staffel 3, Folge 5: Männer aus Stahl

Eine Militärorganisation kämpft in der Zukunft gegen Mutanten, sogenannte Roaches, die widerlich entstellt und wilde Bestien sind. Die Soldaten sind mit einem Implantat ausgestattet, dass sie im Kampf unterstützen und sie zu effizienteren Kämpfern machen soll. Einem Soldaten wird das Implantat bei einem Angriff beschädigt und er erkennt, dass diese Mutanten ganz normale Menschen sind, Zivilisten, die einfach abgeschlachtet werden. Hier wird ethnische Säuberung betrieben und eine Minderheit von der Regierung ausgelöscht. Er schließt sich darauf diesen Menschen an, wird dafür später jedoch verhaftet und vor die Wahl gestellt: Lebenslange Inhaftierung für Verrat oder Entlassung mit allen militärischen Ehren: dazu muss er sich jedoch sein Gedächtnis löschen und sein Implantat reaktivieren lassen.

Mein Fazit:

Insbesondere die dritte Staffel (und dann hoffentlich auch die vierte) sind absolut fantastische Unterhaltung. Netflix hat hier eine eh schon gute Serie nochmal auf ein neues Level gehoben. Die Themen sind teilweise wirklich topaktuell, die dargestellten Gefahren unserer schönen, neuen Welt leicht überspitzt, aber doch erschreckend real dargestellt. Robert Downey Jr. hat sich die Filmrechte an der Folge „Das transparente Ich“ gesichtert und mich würde nicht wundern, wenn auch andere Folgen für die große Leinwand umgesetzt würden.

 

 

 

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