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The Guardians – Superheldenquatsch aus Russland

Nachdem ich den Trailer zum russischen Superheldenfilm „The Guardians“ (Originaltitel: Zaschitniki) gesehen habe, dachte ich, das ist so absurde Scheiße, das muss ja geil sein. „Hardcore Henry“ hatte ja schon gezeigt, dass die Russen überzogene Action unterhaltsam darstellen können.

Doch was mich dann erwartete, war an Fremdschämfaktor schwer zu übertreffen. Ich hoffe, Russland liest nicht mit, sonst könnte ich eine ungewöhnlich hohe Menge Polonium im nächsten Kaffee haben. „The Guardians“ ist im Grunde die russische Antwort auf die Avengers. Dass der Titel noch an die Guardians of the Galaxy erinnert, ist sicher einer Zufall.

Handlung

Während des Kalten Krieges haben die Russen mit Genmanipulation experimentiert, um Supermenschen zu erschaffen. Diese haben spezielle Fähigkeiten und sind natürlich extrem gute Krieger, die dem Westen mal ordentlich in die Nüsse treten sollen. Hinter dem Ganzen steht u.a. ein Wissenschaftler, der nebenbei noch andere Projekte durchführt, mit denen das russische Militär nicht ganz einverstanden ist. Als man ihn verhaften will, sprengt er das gesamte Labor und wird durch Chemikalien selbst mutiert. Er sieht nun aus wie eine Mischung aus Bane und Sloth aus den Goonies. Nur hat man sich keinen muskulösen Schauspieler gesucht, sondern irgendnem Typen aus wahrscheinlich Bauschaum und Latex Muskeln gebastelt. Ich habe lange kein so schlechtes Make-Up gesehen. Ich habe Cosplayer gesehen, die besser aussahen als der Typ.

Er ist in der Lage, Maschinen in seiner Umgebung zu kontrollieren, will aber durch den Bau einer Mega-Antenne und mittels eines Kampfsatelliten, den einst Ronald Reagan ins All befördert hat, alle Maschinen weltweit steuern und so die Herrschaft an sich reißen.

Um das zu verhindern werden nun ein paar der Supermenschen reaktiviert. Ich versuche gar nicht erst, irgendwelche Namen zu nennen, ist auch unwichtig. Wir haben jedenfalls einen Typen, der Steine kontrollieren kann. Diese kann er z.B. durch die Gegend schleudern oder wie einen Panzer um sich rum packen. Dann haben wir eine Frau, die sich unsichtbar machen kann, einen Kerl, der sich in einen Bär verwandelt, wenn er sauer wird (der russische Hulk) und einen Typen, der aussieht wie der Winter Soldier mit Stricher-Schnorres in der Fresse und der Fähigkeit, a la Nightcrawler durch die Gegend zu springen und mit seinen lächerlichen Schwertern Leute zu zerschnetzeln.

Diese bunte Truppe zieht also jetzt los, um Prof. Dr. Elefantenmensch den Gar aus zu machen. Achtung Spoiler: gelingt ihnen natürlich.

Meine Meinung:

Alter Schwede, bzw. alter Russe, was eine Scheiße. Lächerliche Helden, dumme Dialoge, armselige Kampfszenen, das zeichnet The Guardians aus. Von allen Superheldenfilmen, die ich gesehen habe, ist dies mit das Schlimmste. Ich würde sagen, auf dem Level bewegt sich nur noch der letzte Fantastic Four. Mit dem ist der Film auch irgendwie gut zu vergleichen. Der Steintyp erinnert manchmal an The Thing und ne Unsichtbare haben wir auch noch an Board. Das Ende ist auch genauso antiklimatisch wie in FF. Das werde ich auch am Ende nochmal gnadenlos spoilern, aber ich warne vorher nochmal, keine Sorge. Der Bärenmann ist mies animiert und hätte vor 15 Jahren vielleicht passabel auf der Leinwand ausgesehen. Heute schüttelt man mit dem Kopf. Ansonsten sind die Effekte teilweise gar nicht so schlecht. Es gibt viel Krachbumm, es wird einiges zerstört und hier funktionieren die Computeranimationen durchaus. Letztlich ist es aber nunmal die extrem dünne Handlung, die den Film komplett versaut. Die meisten Marvel-Filme lassen sich inhaltlich auch problemlos in einer SMS oder einem Tweet zusammenfassen, aber die Dialoge und die Chemie zwischen den Charakteren gibt dem Ganzen halt seinen Charme. Davon hat man hier nichts. Gut, Russen sind jetzt vielleicht auch nicht die charismatischsten Typen und für ihre Emotionalität bekannt, aber da wäre sicher etwas mehr gegangen, wenn man das „Drehbuchschreiben für Dummies“-Buch gelesen hätte. Schade.

Das Allerschlimmste jedoch war die deutsche Übersetzung, die wirklich eine Frechheit ist. Der Film ist purer Trash, nimmt sich aber eigentlich ernst. In der deutschen Übersetzung baut man noch ständig dümmste Witzchen ein. Man würde denken, das passt zum Trash, dadurch wirds aber einfach zu viel. Im Original ist es ja grade witzig, dass sich dieser Quatsch ernst nimmt. Durch die ach so lustigen Gags geht das verloren und für einen Klamaukfilm ist der Film dann wieder nicht lustig genug.

Kleine Beispiele?

In einer Szene spricht eine Agentin vom Militär mit einem ehemaligen Wissenschaftler des Projekts. Im Original lautet der Dialog etwa:

„Wir wussten nicht, ob sie überhaupt noch leben“

„Ja, ich hab mich versteckt, aber als ich das Chaos gesehen habe, bin ich gleich hergekommen.“

So, jetzt die deutsche Version:

„Wir wussten nicht, ob sie überhaupt noch leben“

„Ja, ich war auch nicht sicher, aber wenn ich so in ihre Bluse schaue, regt sich bei mir noch was“.

Kein Witz.

In einer anderen Szene beschreibt ein Reporter in den Nachrichten das Chaos in Moskau. Wir sehen brennende Autos und Menschen, die protestieren und Steine werfen. Was sagt der Reporter auf Deutsch?

„Die Menschen nutzen die Zeit kreativ und erforschen neue Heizmethoden und veranstalten Weitwurfwettbewerbe“.

WHAT THAT FUCKING FUCK? Soll das lustig sein? Wer hat die Scheiße geschrieben? Oliver Welke? Wer immer das war, sollte direkt mal als disziplinarische Maßnahme ne Rolle Stacheldraht durch die Harnröhre gezogen bekommen.

Zum Ende nun noch der angekündigte Spoiler zum extrem lachhaften Ende des Films:

Unsere Helden kämpfen sich zum Bösewicht vor. Sie prügeln sich kurz mit ihm, der Bär springt auf ihn zu und kriegt mit Schmackes voll eine aufs Maul gehauen und ist direkt K.O. Daraufhin entschließt man sich, doch eher den strategischen Rückzug anzutreten. Aus der Ferne bündeln sie dann alle ihre Kräfte und blasen das gesamte Gebäude weg. Ende, Klappe zu, Affe tot. Auch hier nochmal die berechtigte Frage: WHAT THE FUCK? Das hätten sie doch direkt machen können. Dann wär der Film ne halbe Stunde kürzer gewesen, aber das hätte wohl kaum einen gestört. Warum kloppen die sich durch Gegnerscharen, wenn sie in der Lage sind, einfach alles auf einen Schlag wegzublasen. Wenn man Angst vor Kollateralschäden hatte, sind die aber verdammt schnell verflogen, nachdem man auf die Fresse bekommen hat. Dann wird halt doch die gesamte Nachbarschaft eingeebnet. Man stelle sich vor, The Avengers würde so enden. Man hat aufs Maul bekommen, also drückt Tony Stark halt mal grad den roten Knopf und atomisiert New York. Ende gut, alles tot. Lasst uns Schawarma essen gehen. Aber in Russland denkt man da wohl anders.

So, ich hoffe, ich konnte den ein oder anderen davon abhalten, sich diese Scheiße anzuschauen. Dann ist mein Job getan. Jeden Tag ne gute Tat. Altes Pfadfindermotto.

 

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