Train to Busan Poster

© Splendid Film/WVG

Train to Busan – Nächster Halt: Zombie-Apokalypse

Es fährt ein Zug nach Nirgendwo und wir sind Passagier. Zusammen mit etlichen Zombies, die unser Gesicht fressen wollen. Das ist im Grunde die Prämisse von dem südkoreanischen Zombiestreifen „Train to Busan“ (im Original: Busan-haeng). Die Prämisse ist vielleicht nicht ganz neu, im Sonderzug nach Pankow war ja auch schon ein Zombie mit an Board. Ansonsten fällt einem noch [Rec] 2 ein, der das Ganze in ein Flugzeug verlegt. Oder [Rec] 4, auf einem Schiff. Fassen wir zusammen: Zombies in Verkehrsmitteln versprechen einen schlechten Start in den Tag.

Inhalt

Der Inhalt ist schnell erzählt. Der Film beginnt mit einer Szene, in der Arbeiter in Sicherheitsanzügen einem Autofahrer erklären, dass es in der Nähe einen kleinen Chemie-Unfall gegeben habe, es aber keinen Grund zur Sorge gibt. Im Grunde der Anfang jedes Zombiefilms, der jemals gedreht wurde. Dann lernen wir Seok-Woo kennen. Ein Vater, geschieden, lebt alleine mit seiner Tochter und seiner Mutter. Aufgrund seines Jobs hat er wenig Zeit für die Kleine und versucht, sich mit Geschenken Liebe zu kaufen. An ihrem Geburtstag hat die Kleine dann jedoch nur den Wunsch, ihre Mutter in Busan zu besuchen. Den Wunsch kann er ihr natürlich schlecht ausschlagen und am nächsten Tag geht die Reise los. Schon auf dem Weg zum Bahnhof sehen die beiden brennende Häuser und Feuerwehr- und Rettungskräfte, die durch die Stadt eilen. Dennoch treten sie ihre Reise mit der Bahn an. Doch leider schleppt sich auch eine junge Frau mit Bisswunde am Bein in den Zug, es kommt, wie es kommen muss, nach kurzer Zeit ist der Zug voller bisswütiger Freaks. Die Zombies hier sind im Grunde keine Untoten sondern eher Tollwütige, wie man sie aus „28 Days Later“ kennt. Sie sind auch genauso schnell und aggressiv. Sie müssen entsprechend aber nicht per Kopfschuss getötet werden, ein gebrochenes Genick oder ähnliches tut es auch. In all dem Chaos schließen sich Vater und Tochter mit anderen Überlebenden zusammen und hoffen, gemeinsam die Endstation in Busan zu erreichen, wo angeblich das Militär die Kontrolle hat und es sicher ist und auch weiterhin die Mutter der Kleinen auf sie wartet.

Mein Eindruck

Vielleicht eines vorweg: wenn dies euer erster südkoreanischer Film ist, macht euch für eine Spezialität des asiatischen Kinos bereit: Overacting Deluxe! Asiaten können anscheinend vor Kameras nur schreien, heulen und wild gestikulieren. Ich bin großer Freund des japanischen und südkoreanischen Filmes, aber das hat mich schon immer irritiert. Man kennt Chinesen, Japaner und auch Südkoreaner ja eher als reservierte, sehr disziplinierte Menschen, doch wehe, die Kamera läuft, dann is aber Rambazamba! Also stellt euch drauf ein, für unser Empfinden ist das Schauspiel in solchen Filmen, gelinde gesagt, oft etwas over the top.

Das Szenario des Films ist für mich seine Stärke, aber auch Schwäche zugleich. Eine Zombieapokalypse spielt ja unter anderem mit der Angst und Klaustrophobie, die entsteht, wenn sich die Zombies vermehren und man sich selbst verbarrikadieren muss. Das Böse, das versucht, zu einem rein zu kommen. Das funktioniert in den meisten Zombiefilmen sehr gut, in einem Zug natürlich erst recht. Man kommt nicht raus, man hat keinen Platz, man kann nicht ausweichen. Alleine, durch einen Waggon zu kommen, in dem bereits Zombies lauern, ist ein enorm riskantes Unterfangen. Vor einem Zombies, hinter einem Zombies, draußen die vorbeirauschende Kulisse, die ebenfalls keinerlei Sicherheit mehr bietet. Das intensiviert den Horror definitiv. Doch leider trägt sich das Ganze nicht über die vollen 2 Stunden. Irgendwann haben die Überlebenden einfach zu oft eine Ablenkung geschaffen, um durch den nächsten Waggon zu kommen. Diese sehen ja auch alle gleich aus. Es gibt keine Abwechslung. In einem World War Z hat man eine kurze Sequenz in einem Flugzeug. Die funktioniert, eben weil sie kurz ist. Train to Busan hätte vielleicht 30 Minuten kürzer sein müssen.

World War Z ist generell ein guter Vergleich. Die Zombies rennen auch hier ohne Rücksicht auf Verluste ihren Opfern hinterher, stürzen übereinander und bilden Lawinen aus Körpern und Zähnen. Das Ganze bekommt so ein Touch von Naturkatastrophe. Die Welle von Zombies ist eine Urgewalt, die sich nicht aufhalten lässt und alles in ihrem Weg verzehrt. World War Z hat dies in noch größerem Maßstab gemacht (man erinnere sich an die Szenen in Israel), aber auch in „Busan“funktionierts gut.

Die Charaktere sind relativ abwechslungsreich, aber haben keinen Tiefgang. Wir haben einen bulligen Typen, der mit bloßer Muskelkraft den ein oder anderen Zombie auseinandernimmt und seine schwangere Frau beschützen will, wir haben ein koreanisches Baseballteam, das samt Schlägern im Zug sitzt (wie praktisch), dazu passend eine Cheerleaderin, und einige mehr. Mit keinem dieser Menschen identifiziert man sich großartig und ist auch nicht traurig, wenn sie zu Zombiefutter werden. Lediglich der Vater mit seiner Tochter wächst einem letztlich ans Herz. Der Film versucht, eine Wandlung beim Vater rüberzubringen, vom egoistischen Business-Mann, der nur an sich denkt, zum tapferen Helden, der seine Tochter und auch andere beschützen will. Hieraus ergeben sich auch Szenen, die sehr auf emotional getrimmt sind. Sie funktionieren noch (für mich), aber sind an der Grenze zum Kitsch. Aber auch das ist im koreanischen Kino nicht selten. Man gewöhnt sich dran.

Im Direktvergleich zu Resident Evil, den ich kürzlich besprochen habe, ist Train to Busan klar die bessere Wahl. Die Zombies sehen gut aus, die Actionszenen sind passend inszeniert, die Klaustrophobie und Panik der Überlebenden wirkt real. Gefällt mir. Wie erwähnt ist der Film jedoch zu lang. 90 Minuten hätten es auch getan. Muss man wirklich mehrfach den Zug wechseln, nur damit der neue Zug genauso aussieht wie der letzte? Und muss dann wieder ein Infizierter mit an Board kommen und den ganzen Mist von vorne beginnen? Manchmal ist weniger einfach mehr.

Insgesamt würde ich den Film aber durchaus empfehlen. Er ist nicht viel mehr als Standard-Zombiekost, aber handwerklich gibt es nix zu meckern, das Zug-Szenario hebt sich vom Einheitsbrei etwas ab und ich persönlich finde es spannend, wie die Südkoreaner es schaffen, die Lücke zu Hollywood nach und nach zu schließen. Leider haben diese Filme ja nie internationalen Erfolg, weil immer irgendein Ami auf die Idee kommt, alle guten Filme mit weißen Schauspielern neu zu drehen und am besten ganz zu verschweigen, dass es sich nur um ein Remake handelt. Ich würde mich nicht wundern, wenn dies auch mit Train to Busan geschieht. Ich brauche jedoch nicht auf ein Remake warten, um euch zu empfehlen, lieber gleich das Original zu schauen.

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